Neunter Todestag von Robert Enke Depressionen im Profisport: Was sich verbessert hat und was nicht

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Vor neun Jahren verstarb Robert Enke. Foto: dpa/Peter SteffenVor neun Jahren verstarb Robert Enke. Foto: dpa/Peter Steffen

Hannover. Vor neun Jahren nahm sich Nationaltorwart Robert Enke das Leben. Wir sprachen mit der Robert-Enke-Stiftung über Fortschritte und Potenziale.

An einem Dienstagabend vor neun Jahren stand ganz Fußball-Deutschland unter Schock: Robert Enke, der beliebte Nationaltorwart in Diensten von Hannover 96, hatte sich das Leben genommen. Unweit seines Wohnortes stellte der 32-jährige Familienvater sein Auto ab, legte sein Portmonnaie auf den Beifahrersitz und wurde anschließend von einem Zug erfasst. Er starb noch an der Unfallstelle. 

Die tragische Geschichte hinter dem Tod

Noch in der Nacht erklärte sein Anwalt, dass es sich bei dem vermeintlich tragischen Unfall um einen Suizid handelte. Enke hatte seiner Familie einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er um Verzeihung für seinen letzten Gang bat. Am Tag darauf wurde eine Pressekonferenz einberufen. Dort berichtete die Enkes Ehefrau, Teresa, dass ihr Mann seit Jahren an Versagensängsten und starken Depressionen gelitten habe. 


Auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff konnte, nachdem er über den Vorfall informiert worden war, seine Trauer über das tragische Ableben des Nationaltorhüters und Weggefährten nicht verbergen und weinte bittere Tränen bei einer Pressekonferenz vor einem Freundschaftsspiel gegen Chile, bei dem Enke eigentlich mitwirken sollte.


Was sich seither verbessert hat und was nicht

Um solche tragischen Fälle zukünftig zu vermeiden und depressiven Profisportlern präventiv helfen zu können, gründete Teresa Enke die "Robert Enke Stiftung". Denn damals habe es keine spezifische Hilfe für depressive Leistungssportler gegeben, sagte Tilman Cychlinski, Stiftungsmitarbeiter, der auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte, was sich in den zurückliegenden neun Jahren verbessert habe und was nicht.

Gab es vor dem Suizid von Robert Enke noch überhaupt keine Anlaufstelle für depressive Profisportler, sind es heute "bundesweit 14 stationäre Kliniken sowie mehr als 70 weitere ambulante Behandlungsstellen", sagte Cychlinski. "Das ist eine absolute Verbesserung."


Außerdem bestehe nun die Möglichkeit, sich in der Beratungsstelle der Robert Enke Stiftung, telefonischen Rat zu holen. Cychlinski: "Auch Trainer oder Angehörige können sich hier informieren, ob es sich bei Auffälligkeiten bei einem Spieler oder Verwandten um Anzeichen für Depressionen handelt."

Einer der größten und wichtigsten Punkte sprach Teresa Enke damals direkt einen Tag nach dem Tod ihres Mannes auf der Pressekonferenz an. Die Enttabuisierung von Depressionen in der öffentlichen und medialen Wahrnehmung. "Wenn wir heute auf den Leistungssport blicken und die Situation mit der von Sebastian Deisler von vor 15 Jahren vergleichen, als der mediale Aufschrei riesig war, nachdem dieser sich zu Depressionen bekannt hatte, ist es heute nicht mehr die Wahnsinns-Story. Es hat also auch eine Sensibilisierung bei den Medien stattgefunden", sagte Cychlinski.

Problematisch sei hingegen, dass diese positive Entwicklung abseits des Profisports noch nicht angekommen ist. "Dort gibt es dieses Verständnis nicht. Hier ist der Leistungssport einen Schritt voraus."

"Spieler können sich selbst Therapeuten suchen"

Die Vereine haben nach der Meinung von Cychlinski noch Verbesserungspotenziale bei dem Thema. Doch sie hätten aufgeholt: "In allen Nachwuchsleistungszentren der Erst- und Zweitligisten müssen nun Sportpsychologen zur Verfügung gestellt werden." Im Profibereich sei diese Entwicklung allerdings noch nicht angekommen. Dort seien depressive Fußballer weitgehend auf sich allein gestellt.

Die Gründe dafür benannte Cychlinski auch: "Vielen Trainern im Profibereich fehlt die Bereitschaft mit Sporttherapeuten zusammenzuarbeiten. Deshalb ist das dort noch nicht angekommen."

Auf die Frage, was denn Profi-Fußballer tun sollten, wenn sie depressive Tendenzen verspüren und therapeutische Hilfe im Verein in Anspruch nehmen würden, entgegnete der Stiftungsmitarbeiter: "In solchen Fällen können sich die Spieler selbst einen Therapeuten suchen."


Wichtiger Hinweis für Betroffene

Besteht bei Ihnen der Verdacht auf eine Depression, dann ist das Gespräch mit einem Arzt oder Psychologen unverzichtbar. Grundsätzlich ist Ihr Hausarzt der erste Ansprechpartner für die Diagnostik und Behandlung von Depression. Bei Bedarf überweist er an einen Facharzt (Psychiater, Nervenarzt) bzw. psychologischen Psychotherapeuten. In Notfällen, z.B. bei drängenden und konkreten Suizidgedanken wenden Sie sich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112. Anonym Unterstützung bietet auch die Telefonseelsorge, die kostenfreie Nummer ist 0800 111 0 111.

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