Anerkannter Sport oder nicht? ESport-Boss Jagnow kontert DOSB: "Hier wird eine Chance verpasst"

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Ausverkaufte Hallen sind bei eSport-Turnieren keine Seltenheit mehr.  Foto: imago/PanoramiCAusverkaufte Hallen sind bei eSport-Turnieren keine Seltenheit mehr. Foto: imago/PanoramiC

Berlin. Esport-Präsident Hans Jagnow spricht im Interview unter anderem über die "unsachgemäße Argumentation" des DOSB mit Blick auf eSport sowie Vorurteile und das Suchtpotenzial von Video- und Computerspielen.

Die eSport-Szene kämpft seit jeher um Akzeptanz. Der DOSB sprach dem eSport jüngst in Teilen die Anerkennung als eigene Sportart ab: "Die überwiegende Anzahl von eGaming-Angeboten folgt einer ausschließlich wirtschaftlich begründeten Unternehmenslogik. Diese ist mit den Grundsätzen von Autonomie und Partizipation im Sportsystem unvereinbar." Für Hans Jagnow ein Schlag ins Gesicht. Der Präsident des eSport-Bundes Deutschland (ESBD) kann die Bedenken nicht nachvollziehen: "Der DOSB hat einen Großteil der eSport-Szene durch seine Positionierung ausgeschlossen. Er hat dann ganz unsachgemäß aus dem Bauchgefühl heraus argumentiert, warum man dann doch vielleicht auch noch Sportspiele mit reinbringen könnte, weil das ja Sport darstellen würde und somit sportrelevant wäre." 

Keine staatlichen Fördermittel für eSport

Wieso überhaupt wird darüber diskutiert, ob eSport eine offizielle Sportart sein sollte? Die Gründe liegen auf der Hand: Als akzeptierte Sportart des DOSB erhalten der Verband beziehungsweise die eSport-Vereine staatliche Fördermittel – etwa die Bereitstellungen von Sportanlagen und die Vermietung landeseigener Grundstücke. Somit würde auch die Abhängigkeit von Sponsoren geringer werden.

Unterstützung erhält Jagnow aus der Politik: "Wir sind in einem guten politischen Prozess, gerade vor dem Hintergrund, dass sich auch der DOSB mittlerweile deutlich zum Thema geäußert hat. Es gibt Kontakt auf ministerieller Ebene und mit dem Bundeskanzleramt. Wir hatten zudem ein gutes Gespräch mit Dorothee Bär (Anm. d. Red.: Ministerin für Digitalisierung)." Die GroKo will laut Koaltionsvertrag den eSport bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.

"Nicht zu allem Ja und Amen"

Sehen wir die Games wie "FIFA", "Fortnite" oder "Counter Strike" bald bei den Olympischen Spielen? "Wir sehen das deutlich kritischer und sagen nicht zu allem Ja und Amen, was zu eSport im Koalitionsvertrag steht", findet Jagnow deutliche Worte. Viel mehr wolle man eine eigene Veranstaltung, parallel zu den Olympischen Spielen, initiieren, "ähnlich den Paralympics, die man mit einer kraftvollen gemeinsamen Stimme in die Gesellschaft hinein trägt."

In Leipzig fand vom 26. bis 28. Januar 2018 ist das dreitägige Gaming-Festival mit professionellen eSports-Turnieren statt. Foto: imago/Christian Grube

In Asien ist eSport bereits voll akzeptiert. So feiern die "Athleten" an Konsole und Computer ihre Premiere bei den Asienspielen 2022, das entschied das Asiatische Olympische Komitee. Was in Asien klappt, scheint in Deutschland noch undenkbar zu sein. "Hier wird tatsächlich eine Chance verpasst, sich auch am internationalen Wettbewerb zu beteiligen und sich dort aufzustellen. Wir werden Schwierigkeiten haben, da mithalten zu können", sagt Jagnow.

Weitere Aufklärungsarbeit nötig

Offensichtlich muss der ESBD noch weiter Aufklärungsarbeit leisten, um eSport auch in Deutschland salonfähig zu machen. Erst seit dem Sommer 2018 erkennt die Weltgesundheitsorganisation das exzessive Spielen von Computer- und Videogames offiziell als Sucht an. Eine weitere Hürde für den eSport in Deutschland? Jagnow nimmt im Gespräch mit unserer Redaktion Stellung zu den Vorurteilen:



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