„Die zweite Halbzeit haben wir gewonnen“ SV Rödinghausen feiert trotz Aus im DFB-Pokal

Von Johannes Kapitza, Christoph Schillingmann und Mareike Bader

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Einer zufrieden, einer unzufrieden: Rödinghausens Trainer Enrico Maaßen (links) war trotz Niederlage stolz, Bayerns Niko Kovac haderte mit der Leistung seiner Kicker. Foto: dpaEiner zufrieden, einer unzufrieden: Rödinghausens Trainer Enrico Maaßen (links) war trotz Niederlage stolz, Bayerns Niko Kovac haderte mit der Leistung seiner Kicker. Foto: dpa

Osnabrück. 1:2 verloren und aus dem DFB-Pokal ausgeschieden – aber feiern durften die Regionalliga-Fußballer des SV Rödinghausen trotzdem. „Die Jungs haben einen Tisch in einer Diskothek reserviert. Das haben sie auch verdient. Wir können schon sehr stolz sein“, sagte Trainer Enrico Maaßen nach der 1:2-Pokalniederlage gegen den FC Bayern München. "Das war nicht Bayern-like", sagte Münchens Keeper Manuel Neuer selbstkritisch.

Daniel Flottmann wusste, wer die Zeche zahlen sollte. „Wir gehen gleich noch weiter und trinken die ein oder andere Saftschorle. Die gehen natürlich auf Linus“, sagte der SVR-Kapitän mit Blick auf Linus Meyer. Der 26-Jährige, der in der zweiten Halbzeit das Ehrentor erzielt und die Partie noch mal spannend gemacht hatte, wurde zum „Man of the match“ gewählt. „Da fehlen mir die Worte. Die Trophäe bekommt einen ganz besonderen Platz und wird gepflegt", sagte der Torschütze. Bei allem Stolz war Meyers Laune zweigeteilt: „Das Ergebnis ist ein bisschen bitter. Die Leistung der Mannschaft war aber überragend." Sein Tor trug dazu bei, dass der SVR in der zweiten Halbzeit noch auf eine Sensation hoffen durfte. "Der Ball kam perfekt zu mir, und dann gegen den weltbesten Torhüter ein Tor zu erzielen, war einfach pure Ekstase. Dann habe ich den Treffer ordentlich zelebriert“, sagte Meyer.

Flottmann: Könnten noch eine dritte Halbzeit spielen

Feierstimmung hatte zunächst nicht in der Luft gelegen: „Nach zehn Minuten habe ich gedacht, es wird ein langer Abend. Es ist nicht angenehm, wenn man schon so früh zurückliegt“, sagte Kapitän Flottmann. „Als wir dann so langsam unsere Eier wiedergefunden haben, die wir leider in den ersten zehn Minuten nicht hatten, hat es richtig Bock gemacht. Spätestens mit unserem Tor hatten wir die zweite Luft“, sagte er und war euphorisiert: „Wir könnten gerne noch ‘ne dritte Halbzeit spielen. Ich hätte noch Zeit.“ Zunächst sei die Enttäuschung groß gewesen, „aber spätestens beim Applaus auf der Ehrenrunde kam der Stolz durch“, sagte Flottmann.

Heimann: Der erste Elfmeter war ein Witz

„Alles in allem ist es ein überragendes Ergebnis für uns“, fand auch SVR-Torwart Niclas Heimann und war mit zwei Gegentoren zufrieden. Der erste Elfmeter, der das frühe 0:2 bedeutete, sei allerdings „für mich vom Gefühl her ein Witz“ gewesen. Auch Nico Knystock sah die Strafstoßpfiffe kritisch: „Der erste Elfmeter ist ein Witz. Über den zweiten kann man auch streiten. Beide waren keine klaren Elfmeter.“ 

Maaßen: Wir haben die zweite Halbzeit gewonnen

„Wir sind denkbar unglücklich gestartet“, bilanzierte SVR-Trainer Maaßen, „die Gegentore sind zu leicht gefallen“. Statt sich mit dem 0:2 zufrieden zu geben, suchte sein Team in der zweiten Halbzeit mutig ihre Chance in der Offensive. „Wir hatten insgesamt drei gute Möglichkeiten gegen den FC Bayern. Wir haben eine gemacht. Wenn du weiterkommen willst, musst du sie alle machen.“ Immerhin einen Sieg konnte sich der Regionalligist auf die Fahne schreiben: „Die zweite Halbzeit haben wir 1:0 gewonnen. Wir können sehr stolz auf das sein, was wir nach dem frühen 0:2 geleistet haben.“

Kovac: Unterm Strich zählt nur das Weiterkommen

„Es war wirklich eine tolle Leistung von euch“, fiel es Bayern-Trainer Niko Kovac leicht, ein Kompliment an den SVR zu verteilen, weil er wusste: „Unterm Strich zählt nur das Weiterkommen.“ Die Analyse fiel weniger glücklich aus: „Bis zum zweiten Elfmeter war es sehr gut von uns. Mit dem verschossenen Elfmeter war das alles wie weggeblasen. Mit der Leistung danach waren wir nicht zufrieden.“

Neuer: Das war nicht Bayern-like

"Das war nicht Bayern-like und das haben wir uns selbst zuzuschreiben", räumte Bayern-Keeper Manuel Neuer ein. "Teilweise haben wir den Gegner wieder stark gemacht und wieder ins Spiel kommen lassen." Das galt vor allem für die zweite Halbzeit: "Das haben wir uns sicher nicht vorgenommen", sagte Neuer. „Nach dem verschossenen Elfmeter sind wir zusammengebrochen. Ich kann mir das nicht erklären“, grübelte Leon Goretzka. „Das war zu wenig. Beim verschossenen Elfmeter haben wir einen Knacks bekommen. Aber ich bin nicht der Spieler, der so etwas analysieren muss. Das müssen andere machen“, sagte Sandro Wagner und war generell unzufrieden: „Es ist das zweite Spiel, das ich von Anfang an mache. Das ist nicht das, was ich mir vorstelle.“ Während Bayern mit einigen nachdenklichen Gedanken nach Hause fuhr, begann für Rödinghausen eine Partynacht – trotz Pokalaus.


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