Nach Ausschreitungen in Dortmund Pro und Contra: Soll der DFB die Kollektivstrafe wieder einführen?

Von Alexander Barklage und Kim Patrick von Harling

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Sollte die Kollektivstrafe wieder eingeführt werden? Die Sportredakteure Kim Patrick von Harling (oben) und Alexander Barklage sind da unterschiedlicher Meinung. Foto: imago/osnapix/David Ebener (2x)Sollte die Kollektivstrafe wieder eingeführt werden? Die Sportredakteure Kim Patrick von Harling (oben) und Alexander Barklage sind da unterschiedlicher Meinung. Foto: imago/osnapix/David Ebener (2x)

Hamburg. Vermeintliche "Fans" von Hertha BSC haben während des Spiels bei Borussia Dortmund randaliert: Pyro, zerstörte Toiletten und Aggression gegenüber der Polizei. Wie kann man dieser Gewalt entgegenwirken?

Am Samstag zündelten "Fans" von Hertha BSC beim Gastspiel gegen Borussia Dortmund Pyrotechnik und lieferten sich wilde Prügeleien mit der Polizei, die zuvor in den Gästeblock gegangen war, um unter anderem Fahnenstangen aus den Händen von vermummten Ultras zu entfernen. Zwar beobachtet die Polizei die Fanblöcke der Bundesliga-Stadien mit Hilfe moderner Videotechnik ganz genau, nur selten können die oftmals vermummten Täter jedoch identifiziert und bestraft werden. Im vergangenen Sommer schaffte der DFB die Kollektivstrafe ab. Ein Entgegenkommen, um den Dialog mit Ultra-Gruppierungen aufrecht zu erhalten und um friedliche Fans nicht zu bestrafen.

Angesichts der Szenen vom Samstag stellt sich jedoch die Frage: Sollte die Kollektivstrafe wieder eingeführt werden?

Kim Patrick von Harling: Ohne Kollektivstrafe sehen friedliche Fans einfach weg

Weshalb Stangen (siehe Bild) im Stadion nichts zu suchen haben, zeigten die "Fans" von Hertha BSC am vergangenen Wochenende. Foto: imago/osnapix

Natürlich sind Kollektivstrafen alles andere als optimal. Friedliche Fans werden aufgrund anderer, gewalttätiger Gruppierungen "mitbestraft". Doch trotz zahlreicher Kameras, fortschrittlicher Technik bei den Einlasskontrollen sowie großspuriger Überwachung durch die Polizei kommt es immer wieder zu Ausschreitungen in den Stadien der Bundesliga. Wie kann es sein, dass heutzutage noch Unmengen an Pyrotechnik etc. unbemerkt den Weg in die Blöcke finden? Für mich unerklärlich.

Deshalb muss die Kollektivstrafe zurückkehren. Denn die Verantwortlichen des DFB, der DFL sowie die Vereinsbosse bekommen es schlichtweg nicht hin, für eine friedliche Stimmung auf den Rängen zu sorgen. Die Vereine müssen ihre Anhänger besser erziehen. Offensichtlich ist dieser Bildungsauftrag nicht ausführlich umgesetzt worden. Bereits jetzt haben in den sozialen Netzwerken BVB-"Fans" Rache angekündigt. Heißt: Zum Rückspiel im Olympiastadion sehen sich die Dortmunder im Recht, ihrerseits Randale zu stiften – Ausschreitungen sind vorprogrammiert. 

Solange keine Kollektivstrafen eingeführt werden, sehen die friedlichen Fans einfach weg. Doch sollten von Fall zu Fall alle Fans von Auswärtsspielen etc. ausgeschlossen werden, wird auch der Gegenwind der vernünftigen Anhängerschaft stärker – und die Macht der gewaltbereiten Ultras schrumpft.


Alexander Barklage: Täter eindeutig ausgrenzen und bestrafen

Die Szenen, die sich am Samstag im Dortmunder Signal Iduna-Park abgespielt haben, waren einfach nur abscheulich. Wütende "Hertha-Fans" gehen mit Metallstäben auf Polizisten los. Etwa 45 Personen wurden verletzt. Die Anhänger des BVB zeigten sich auch noch solidarisch mit der Aktion der "Hertha-Fans" und sangen "Alle Bullen sind Schweine" – unfassbar. 

Alle Fans über einen Kamm zu scheren, finde ich aber weiterhin, fehl am Platz. Was können die "normalen" Fans, die wegen des eigentlichen Fußballspiels im Stadion sind und sich völlig friedlich verhalten, dafür, wenn neben ihnen Hooligans Pyros zünden, sich vermummen, die Polizei beschimpfen und zudem körperlich angreifen. Der DFB hatte gegenüber den Fans Zugeständnisse gemacht und auf Kollektivstrafen verzichtet, das halte ich immer noch für sinnvoll. 


Es muss einfach rigoroser gegen die vielen Einzeltäter vorgegangen werden. Die Polizei und die Ordnungsdienste sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Verursacher ausfindig zu machen und zu identifizieren. Das Strafmaß muss dann auch dementsprechend sein: Lebenslanges Stadionverbot und auch zivilrechtliche Verfolgung. 

Ein Fußball-Stadion ist kein rechtsfreier Raum. Diese Personen müssen jedoch auch mehr von den "vernünftigen" Fans sichtbar gemacht werden. Das Gros der Zuschauer ist friedlich und sollte sich, wenn irgendwie möglich, von den "Hooligans" distanzieren. 


Was sind Kollektivstrafen?

Dabei wird für das Fehlverhalten Einzelner immer auch eine Vielzahl Unschuldiger sanktioniert. Zuvor hatte das Sportgericht bei massiven Ausschreitungen immer wieder Zuschauer-Teilausschlüsse, so genannte Geisterspiele und wie im Fall von Dynamo Dresden 2011 einen einjährigen Ausschluss aus dem DFB-Pokal verhängt. 2017 einigte sich der DFB und die DFL mit den Fans und sieht seitdem von Kollektivstrafen gegen Vereine ab. 

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