Nach Vorfällen in Bremen und Frankfurt AfD-Anhänger in Bundesliga-Klubs: Ein brisantes Tabuthema

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12,6 Prozent holte die AfD bei der letzten Bundestagswahl – in Bundesliga-Klubs ist die Partei zum Teil umstritten. Foto: imago/Eibner12,6 Prozent holte die AfD bei der letzten Bundestagswahl – in Bundesliga-Klubs ist die Partei zum Teil umstritten. Foto: imago/Eibner

Hamburg. Eintracht Frankfurt will keine AfD-nahen Mitglieder, der SV Werder Bremen muss sich öffentlich rechtfertigen – und der Rest der Klubs?

Politik und Sport: Gehört das zusammen oder nicht? "Das sollte man gar nicht vermischen. Da gibt es kein Anfang und kein Ende", betont Jörn König, der als Sportbeauftragter der AfD gewissermaßen eine Meinung haben muss und diese gerne vertritt. Immer wieder kommt es zu Konflikten mit der vor fünf Jahren gegründeten Partei innerhalb der Vereine der Fußball-Bundesliga. Erst am Dienstag musste sich Werder Bremen zu diesem Thema rechtfertigen.

Laut eines Berichts der "Welt" hätte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald einem AfD-Anhänger angedroht, ihm aufgrund seiner politischen Ausrichtung die Dauerkarte zu entziehen. Diese Behauptung widerlegte er umgehend. "Die zitierten Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen und beziehen sich auf diesen ganz konkreten Einzelfall, zu dessen Details ich nichts weiter sagen möchte." Trotzdem zeigt sich, dass das Thema AfD und Bundesligavereine schnell eine gewisse Brisanz entwickelt.

Jörn König von der AfD hält die Vorgehensweise einiger Bundesligavereine für verfassungswidrig. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Bestes Beispiel: Eintracht Frankfurt. Dort sind AfD-Anhänger schlichtweg nicht erwünscht. "Wer die AfD wählt, kann bei uns kein Mitglied sein", stellte kürzlich Eintracht-Präsident Peter Fischer klar. In das gleiche Horn stieß der ehemalige HSV-Seniorenratsvorsitzende Peter Gottschalk in einem Interview mit dem shz: "AfD-Mitglieder haben beim HSV nichts verloren."

Mit Bestürzung reagiert AfD-Mann König auf diese Aussagen: "Im Grunde ist es sowas wie pauschale Menschenfeindlichkeit, ein verfassungswidriger Ausschluss von Leuten, die eine bestimmte politische Meinung haben. Sowas sollte man in Deutschland nicht tun. Als ich frischgebackener sportpolitischer Sprecher war, habe ich Peter Fischer und Peter Gottschalk einen Brief geschrieben, mit der Bitte, ins Gespräch zu kommen. Da kam keine Antwort."

Frankfurt und Bremen sind nicht die einzigen Erstliga-Vereine, die sich mit der Thematik AfD befassen – freiwillig oder gezwungenermaßen. Während der Jahreshauptversammlung des FC Augsburg im September wurde der Vorsitzende der Augsburger AfD und FCA-Mitglied Markus Bayerbach von einem anderen Fan der Augsburger beschimpft. Der Vereinspräsident Klaus Hofmann wolle nach dem Vorfall nun prüfen lassen, wie sein Verein in Zukunft mit AfD-Mitgliedern umgehen wird.

Und die anderen Bundesliga-Vereine? Auf Anfrage unserer Redaktion reagierten gerade einmal fünf Vereine. Politik und Sport, ein Tabuthema. Während Werder Bremen auf die aktuelle "Welt"-Berichterstattung verweist, schickte der FSV Mainz 05 eine eigene Publikation, die auf der Vereinshomepage erschien.

Mainz mit Spitze gegen die AfD

"Wenn auswärts an diesem Samstag die bessere Alternative in Deutschland ist", prangt auf einer Fotomontage zur Spielansetzung des FSV beim 1. FC Nürnberg. Ebenfalls auf dem Foto zu sehen: Eine grüne Krawatte mit Hunden, ein Markenzeichen des AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland. Der Bericht des FSV wurde einen Tag vor einer AfD-Parteiveranstaltung veröffentlicht. Eine offensichtlich Botschaft an die AfD, ohne dabei den Parteinamen zu erwähnen. "Integration ist ein Fundament der Arbeit eines Fußballvereins. Und weil die Werte, die wir damit verbinden, in diesen Zeiten unterstrichen werden müssen. Gerade auch, wenn sie von anderer Seite in Frage gestellt werden", heißt es weiter. 

Mit diesem Foto stichelte der FSV Mainz gegen die AfD. Foto: FSV Mainz

Auch die TSG Hoffenheim verweist auf ihre Werte – "Hoffe gegen Rassismus". Dabei verzichtet der Verein jedoch auf jegliche Anspielungen an die AfD. Bayer Leverkusen verneint sämtliche Fragen zur Partei. Das Thema AfD würde im Verein keines sein, entsprechend würde es auch innerhalb der Mitglieder keinerlei Probleme geben. "Der Verein ist politisch und konfessionell neutral. Der Verein bekennt sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung und tritt rassistischen, verfassungs-und fremdenfeindlichen, sowie diskriminierenden Bestrebungen entschieden entgegen", heißt es von Hannover 96

Und nicht nur der Großteil der Klubs schweigt zu dem Thema, auch der Zusammenschluss der deutschen Profi-Fußballvereine in Form der Deutsche Fußball-Liga (DFL) will keine Stellung beziehen - weder zu den Vorkommnissen bei Werder Bremen oder allgemein zu der AfD noch zu dem möglichen Konfliktpotenzial. Es brodelt unter der Oberfläche. Zum Ausbruch kam es bislang nur bei Eintracht Frankfurt. Wohl wissend, dass Politik und Sport gemeinsam eine brisante Eigendynamik entwickeln können.


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