HSV und St. Pauli ohne Tore Viel Lärm um wenig – Hamburger Stadtderby hält Erwartungen nicht Stand

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Keine Tore beim langersehnten Hamburger Derby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli. Foto: dpa/picture allianceKeine Tore beim langersehnten Hamburger Derby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli. Foto: dpa/picture alliance

Hamburg. Das Spiel des Jahres in der Hansestadt enttäuschte die Erwartungen der Fans. Beide Teams sind dennoch nicht unzufrieden.

Das langersehnte Stadtderby zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli wurde den großen Erwartungen nicht gerecht. Am Sonntag sahen 57.000 Zuschauer im ausverkauften Volksparkstadion nur ein müdes torloses Remis. Mit diesem Ergebnis konnten am Ende beide Mannschaften leben. Der HSV rangiert nach dem 8. Spieltag auf Rang drei mit 14 Punkten. Mit nur einem Zähler weniger liegt der Stadtrivale St. Pauli auf Platz sechs. 

Sahin sorgt fast für die Schluss-Pointe

Als sich schon alle damit abgefunden hatten, dass es im Volkspark am Sonntagnachmittag keine Tore zu sehen gibt, sorgte der St. Paulianer Cenk Sahin doch noch für eine spektakuläre Szene. In der zweiten Minute der Nachspielzeit fasste sich der Offensivmann der Gäste ein Herz und zog kurz hinter Mittellinie einfach mal ab. Sahin hatte gesehen, dass HSV-Schlussmann Julian Pollersbeck zu weit vor seinem Tor stand. Die Flugkurve des Balles wurde immer länger und länger, doch der zurückeilende Pollersbeck schaffte es gerade noch so den Ball über die Latte zu lenken. Es wäre die Pointe des Spiels gewesen und die Partie hätte einen Sieger gehabt. 

"Das Ergebnis ist für beide Seiten verdient", analysierte HSV-Sportchef Ralf Becker nach dem Spiel in der Mixedzone des Volksparkstadion nüchtern. Ein Remis, zwei Gewinner!? Mitnichten, denn es gab einen großen Verlierer und zwar die Zuschauer. Die Fans der beiden Hamburger Traditionsclubs hatten lange auf ein Duell der beiden Stadtrivalen warten müssen. Zuletzt trafen die beide Mannschaften 2011 aufeinander. Das letzte Spiel im Volksparkstadion gewannen damals die Kiezkicker durch einen Treffer von Gerald Asamoah mit 1:0. Sieben Jahre lang spielten die beiden Clubs nicht in einer Liga und so waren alle Anhänger der Rothosen und der Braunen vom Kiez in großer Vorfreude. 

So sahen es viele Zuschauer im Stadion:



Die Ausgangslage war eigentlich ganz gut. Zwar hatte der HSV zuvor zwei Spiele nicht gewonnen und darunter das blamable 0:5 vor eigener Kulisse gegen Jahn Regensburg hinnehmen müssen. Trotzdem stand der Bundesliga-Absteiger in der Tabelle auf Rang drei. Nur einen Punkt weniger und auf Platz sieben rangierend gingen die Gäste aus St. Pauli in das Derby. Doch wie so oft wurden die großen Erwartungen nicht erfüllt. Die Zuschauer sahen zwar zwei engagiert auftretende Teams, doch der richtige Derbyfunke wollte irgendwie nicht überspringen. An den Fans lag das auf jeden Fall nicht. Sowohl die HSV-Anhänger als auch die Fans der Kiezkicker überboten sich mit ihren Sprechgesängen. 

Wenig Torchancen, wenig Spektakel

"Das war ein geiles Spiel, schön giftig, aber trotzdem fair. Es hat großen Spaß gemacht", erklärte St. Paulis Marvin Knoll nach der Partie. Ohne Frage, die Zweikämpfe wurden verbissen geführt, doch spielerisch ging bei beiden Mannschaften wenig. Die Gäste verlegten sich darauf in der Defensive so wenig wie möglich zuzulassen und aber auch der HSV, zwar feldüberlegen, scheute das allerletzte Risiko. Die Einen wollten nicht (St. Pauli), die Anderen (HSV) konnten nicht. So sahen die 57.000 Zuschauer wenig Erfrischendes. Gefährliche Aktionen, bis auf der Schuss von Sahin in der Nachspielzeit, sahen die vor der Partie sehr gut gelaunten Fans fast gar nicht. Nach dem Schlusspfiff gab es sogar vereinzelte Pfiffe. "Wir müssen in Zukunft einen Mittelweg finden, wie wir defensiv stabil stehen und offensiv trotzdem gefährlicher werden", erklärte HSV-Sportchef Becker. Auch Lewis Holtby zeigte sich nach dem müden 0:0 enttäuscht. "Ein Punkt fühlt sich scheiße an. Wir sind in der Pflicht, vorn kreativer und torgefährlicher zu werden. Trotz der jüngsten Ergebnisse darf man aber auch nie vergessen, dass wir eine junge Mannschaft haben, die sich auch erstmal finden muss." 

Auch der Bürgermeister und der Innensenator verfolgten das Derby im Stadion:

Die Gäste konnten wesentlich besser mit dem Ergebnis leben. "Wir waren bis zum Ende geduldig und haben, wie es unser Matchplan vorsah, die Ordnung gehalten. Leider haben wir die Chancen zum Schluss nicht nutzen können, aber wir sind mit dem 0:0 zufrieden. Denn wir sind nun aus der Englischen Woche mit sieben Punkte gekommen", freute sich St. Paulis Sportchef Uwe Stöver. HSV-Coach Christian Titz, der den formstarken Stürmer Pierre-Michel Lasogga erst spät einwechselte, war nur mit der Defensivleistung seines Teams zufrieden. "Wir wollten uns und unsere Fans mit dem Derbysieg belohnen. Wir hatten zwar Spielkontrolle und haben im zweiten Spiel in Folge kein Gegentor kassiert, aber vorn ist es uns extrem schwer gefallen."

"Ein Punkt fühlt sich scheiße an."HSV-Spieler Lewis Holtby

Die beste Nachricht rund um das Stadtderby gab es dann von der Polizei: Vor, während und nach dem Spiel gab es keine nennenswerten Ausschreitungen. Es blieb ruhig in der Hansestadt. Vielleicht wird es im März 2019 etwas dramatischer und spannender, wenn sich beide Teams am Millerntor gegenüberstehen. Vielleicht fällt dann ja sogar ein Tor. 


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