Saisonstart in der Basketball-Bundesliga Bundestrainer Rödl: "Die BBL hat europäisches Topniveau erreicht"

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Henrik Rödl ist seit 2017 Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft und schaffte zuletzt souverän die Qualifikation zur WM 2019 in China. Foto: imago/Sven SimonHenrik Rödl ist seit 2017 Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft und schaffte zuletzt souverän die Qualifikation zur WM 2019 in China. Foto: imago/Sven Simon

Hamburg. Der Bundestrainer lobt die Entwicklung der Basketball-Bundesliga und freut sich auf einen spannenden Meisterschaftskampf. Auch zu den Artland Dragons äußerst sich Rödl.

Am Freitagabend startet die Basketball-Bundesliga in die neue Saison. Zum Auftakt gastiert der Titelverteidiger Bayern München bei ratiopharm Ulm. Im Interview erklärt der deutsche Bundestrainer Henrik Rödl wen er als Favoriten für die neue Saison ansieht und warum er sich über den Wechsel von Dennis Schröder zu den Oklahoma Thunder freut. 

Herr Rödl, zunächst noch einmal herzliche Glückwünsche zur geglückten WM-Qualifikation. Acht Siege in acht Spielen – besser geht es nicht. Kann die frühe und souveräne Qualifikation auch der Bundesliga zum Saisonstart einen Push geben?

Henrik Rödl: Das hoffe ich doch. Immer wenn die Nationalmannschaft erfolgreich ist, sollte es auch der gesamten Liga und der Entwicklung im deutschen Basketball gut tun. Es ist für uns natürlich auch etwas Besonderes, dass wir uns schon so früh qualifiziert haben. Die Art und Weise, wie die Nationalmannschaft aufgetreten ist, macht uns sehr stolz.

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Wie sehr freut man sich als deutscher Bundestrainer auf den Start der neuen Saison? Sie hatten die Nationalspieler jetzt fast zwei Wochen ununterbrochen zusammen…

Rödl: Ich freue mich, wie jeder normale Fan auch, dass es wieder losgeht. Vor allem hoffe ich natürlich, dass meine Spieler gute Leistungen zeigen und die Saison ohne Verletzungen überstehen. Bis zur Weltmeisterschaft im nächsten Jahr ist es noch ein wenig hin. Auf die Teams bin ich auch sehr gespannt, weil es eine große Fluktuation gab - viele neue Spieler und Trainer sind in der Liga.

Wie beurteilen Sie die jüngste Entwicklung der BBL und des deutschen Basketballs im Allgemeinen - sowohl sportlich als auch wirtschaftlich?

Rödl: Ich glaube, die BBL ist wirtschaftlich in den letzten fünf Jahren stetig gewachsen. Die Liga hat sich enorm entwickelt, auch im Vergleich mit den anderen europäischen Topligen. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Die Teams und die Spieler, die in der BBL auflaufen, besitzen europäisches Topniveau. Es ist eine Frage der Zeit, wann eine deutsche Mannschaft sich auch in Europa mal ganz vorne zeigen wird.

Auch in der neuen BBL-Saison der Favorit auf den Titel: Der FC Bayern München holte sich zuletzt den Meisterpokal und besiegte im Finale Alba Berlin. Foto: imago/Sven Simon


Ist der FC Bayern München als Titelverteidiger der logische Favorit und auch in dieser Saison das Nonplusultra in der BBL?

Rödl: Die Bayern waren in der letzte Saison zwar Meister und sind zwangsläufig wieder in der Favoritenrolle, aber das Nonplusultra waren sie nicht. Dafür ist die Liga an der Spitze zu ausglichen. Ich glaube nicht, dass es in diesem Jahr einfach wird für die Bayern. Sie haben die Doppelbelastung aufgrund der Teilnahme an der Europa League und man muss abwarten, wie sie damit umgehen.

Welche Teams könnten dem FC Bayern München im Kampf um den Titel gefährlich werden? Trauen Sie bspw. neben den üblichen Verdächtigen wie Bamberg, Ulm oder Alba auch einem anderen Team zu, in die Phalanx der Topmannschaften einzubrechen?

Rödl: Die Bayern sind aufgrund ihres Kaders und ihrer individuellen Klasse schon der Favorit. Ganz klar. Die anderen Topteams haben zum Teil auch viele neue Spieler und zum Teil auch Trainer, so dass eine Prognose in Sachen Meisterschaftskampf wirklich zu früh ist. Genau deshalb wird es in der Anfangsphase der Saison auch sehr spannend zu sehen sein, wie die Mannschaften agieren werden und welche Teams am schnellsten die nötige Balance finden. Das macht erst einmal die Spannung in der BBL aus. Über das Ende der Saison müssen wir jetzt noch gar nicht reden.

An der Tabellenspitze wird es ein Gedränge geben.


Welchem Team trauen Sie in der neuen Saison eine Überraschung zu? Kann bspw. Würzburg mit dem neuen Trainer Denis Wucherer eine gute Rolle spielen?

Rödl: Ja, Würzburg ist sicherlich ein sehr interessantes Team, das man besonders auf der Rechnung haben muss - auch weil die Mannschaft einen neuen Cheftrainer hat. Ebenso wie Bamberg. Ich glaube auch, dass Ulm zu alter Stärke zurückfinden wird. Da wird es an der Spitze schon ein Gedränge geben. Es ist wirklich schwer zu prognostizieren. Es kann einfach zu viel passieren.

Inwiefern wahren Sie als Bundestrainer die Neutralität - oder schlägt ihr Herz für ihren alten Verein Alba Berlin, bei dem Sie immerhin elf Jahre spielten und mit dem sie sieben deutsche Meistertitel holten?

Rödl: Ich bin neutral. Aber ich habe natürlich eine besondere Verbindung zu Alba und der Verein liegt mir sehr am Herzen. Ich bin aber keinesfalls parteiisch, was den Ausgang der Saison angeht.

Sie haben mit einem sehr großen Nationalmannschaftskader die WM-Qualifikation souverän geschafft. Nur wenige Spieler haben alle acht Partien absolviert. Ist der Weg in den Kader für die WM im kommenden Jahr für weitere Neulinge noch offen?

Rödl: Wir hatten wirklich einen sehr großen Kader. Trotzdem ist für ein junges Talent in der Nationalmannschaft immer Platz. Bis zur WM in China im kommenden August ist es auch noch Zeit, da kann noch viel passieren.

Trainer Henrik Rödl (l) reist in diesen Tag zu seinem Kapitän Dennis Schröder in die USA. Der gebürtige Braunschweiger spielt in der kommenden Saison für die Oklahioma Thunder. Foto: imago/Sven Simon

Mitte Oktober geht es auch in der besten Basketball-Liga der Welt, der NBA, wieder los. Neben dem deutschen Kapitän Dennis Schröder, der zu den Oklahoma Thunder gewechselt ist, stehen auch sechs weitere Deutsche bei den NBA-Clubs unter Vertrag. Moritz Wagner und Isaac Bonga sind zu den LA Lakers gedraftet worden. Stehen die beiden Youngster bei Ihnen auf der Liste?

Rödl: Ich bin gerade auf dem Weg in die USA und fliege für zehn Tage in die Vereinigten Staaten. Ich werde nach Oklahoma, Houston und nach Los Angeles fliegen, um mir dort die Situation der deutschen Spieler anzuschauen und um Kontakte mit den Clubs zu knüpfen. Ob Wagner und Bonga am Ende auch im Nationalkader stehen werden, bleibt abzuwarten. Natürlich sind alle Spieler, die in der NBA spielen auf unserem Radar und es wird sicherlich auch nicht meine letzte Reise in die USA sein. Ich bleibe aber auch in Deutschland auf dem Laufenden und kann mir alle NBA-Spiele via Livestream anschauen. Aber auch die Nationalspieler im europäischen Ausland werde ich immer mal wieder besuchen.

Wie bereits angesprochen, wechselt Dennis Schröder von den Atlanta Hawks in den Westen zu den Oklahoma Thunder. Bei den Hawks war Schröder Stammspieler, bei den Thunder wird er wahrscheinlich weniger spielen und Backup von Superstar Russel Westbrook sein... 

Rödl: Ich freue mich sehr für Dennis, dass er zu den Thunder gewechselt ist. Er ist unglaublich motiviert und ich habe ihn im Sommer erlebt. Er hat unfassbar hart trainiert, er ist in der besten Form seines Lebens. Ich bin sehr gespannt, wie er sich in Oklahoma schlägt an der Seite von Westbrook.

Dennis Schröder ist in der besten Form seines Lebens.

In der NBA gab es im Sommer den Mega-Wechsel von Superstar Lebron James von Cleveland zu den Los Angeles Lakers. Wie finden Sie persönlich diesen Wechsel des wohl besten Spielers der Welt?

Rödl: Ich habe da, ehrlich gesagt, gar keine Meinung zu. Ich freue mich für Moritz Wagner und Isaac Bonga, die James jetzt hautnah erleben dürfen und mit ihm zusammenspielen dürfen. Von Lebron James kann man sehr viel lernen. Es ist ein absolutes Privileg für die Beiden mit ihm zu trainieren und zu spielen.

Zuletzt waren Sie mit der Nationalmannschaft zur Vorbereitung in Vechta nahe Osnabrück. Wie sehen Sie die Entwicklung bei den Artland Dragons? Verfolgen Sie noch den einstigen Bundesligisten?

Rödl: Mit Isaiah Hartenstein ist ein Spieler meiner Mannschaft aus der Jugend der Artland Dragons, deshalb beobachtete ich diesen Verein schon sehr intensiv. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Dragons nach dem Aufstieg in der Pro A machen. Sie sind ja mit einem Sieg in die Saison gestartet, das ist schon einmal ein guter Auftakt. Wie weit es sie dann in der Saison trägt und ob sie dann mittelfristig überhaupt auch aufsteigen wollen, das weiß ich aber natürlich nicht. In der Vergangenheit, aber auch aktuell ist Quakenbrück ein sehr guter Standort, der auch viel in gute Jugendarbeit investiert hat. So etwas sehe ich immer gerne. 


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