Nach zwölf Jahren Rauball hört als DFL-Präsident auf: "Die Welt um uns herum hat sich verändert"

Von dpa, 10.09.2018, 15:48 Uhr
Macht nach zwölf Jahren an der Spitze der DFL im kommenden Jahr Schluss: Reinhard Rauball. Foto: picture alliance/dpa

Frankfurt. Mit Reinhard Rauball zieht sich im kommenden Jahr einer der renommiertesten und anerkanntesten Spitzenfunktionäre aus der Deutschen Fußball Liga zurück. Die DFL benötige eine zeitgemäße Organisationsform, mahnt er.

Reinhard Rauball tritt als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) im nächsten August ab. Mit dem Ausscheiden des 71-Jährigen verliert der deutsche Fußball in einer seiner größten Krisen eine wichtige Figur, die oft als Vermittler zwischen dem Profigeschäft und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wirkte. "Die Welt um uns herum hat sich verändert. Wir müssen daher als DFL einiges für uns selbst neu definieren. Dazu gehört auch die Frage: Was ist der beste organisatorische Rahmen, die richtige Struktur für die DFL und ihre Gremien?", erklärte Rauball nach einer Präsidiumssitzung am Montag in Frankfurt/Main. Die Aufgaben seien von einer Person kaum mehr auszufüllen.  

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Vor diesem Hintergrund habe er bereits im April das Gespräch mit seinen beiden Stellvertretern Peter Peters und Helmut Hack gesucht. "Gemeinsam sind wir überzeugt davon, dass der DFL e.V. als Zusammenschluss der 36 Clubs eine neue zeitgemäße Organisationsform benötigt", sagte Rauball, der für die nächste Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung steht.  

Rummenigge und Watzke bedauern Rauballs Schritt

Bayerns Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bedauert Rauballs Schritt. "Gleichzeitig habe ich aber auch großes Verständnis für diesen Schritt", erklärte er. Der 71-Jährige habe "mit seiner ausgleichenden und ruhigen Art dem Fußball und der Bundesliga stets gedient. Insbesondere ist es ihm gelungen, trotz der teilweise unterschiedlichen Interessenslagen der Parteien der Bundesliga und der zweiten Bundesliga mit viel diplomatischem Geschick Lösungen zu finden", sagte Rummenigge und dankte Rauball im Namen des FC Bayern.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hofft nach dem bevorstehenden Rückzug von Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf eine Fortsetzung von dessen Arbeit beim BVB. "Es ist mein Wunsch, dass uns Reinhard Rauball über 2019 hinaus beim BVB erhalten bleibt", sagte Watzke der Funke-Mediengruppe: "Aber das entscheidet er ganz alleine."

Rauball bleibt BVB-Präsident

Rauball ist zugleich erster Vizepräsident des DFB und hatte nach dem unrühmlichen Abgang von Verbandsboss Wolfgang Niersbach 2015 in der Affäre um die Weltmeisterschaft 2006 gemeinsam mit Rainer Koch den größten Sportfachverband der Welt kommissarisch geleitet. Der Jurist ist zudem seit 2004 bereits zum dritten mal Präsident von Borussia Dortmund und half dem BVB immer wieder in wirtschaftlich ganz schweren Zeiten. 2007 hatte er als Nachfolger des verstorbenen Werner Hackmann den Vorsitz des damaligen Ligaverbandes der 36 Erst- und Zweitligaclubs übernommen.



"Im kommenden Jahr werde ich zwölf Jahre als Präsident an der Spitze der DFL stehen. Gemeinsam mit den Clubs, ihren Vertretern in den Gremien und der DFL-GmbH konnte einiges im Sinne des deutschen Profi-Fußballs erreicht werden", bilanzierte Rauball. "Fakt ist aber genauso: Aktuell stehen Bundesliga und 2. Bundesliga vor bedeutenden Weichenstellungen - mit Blick auf die sportliche und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich, aber auch in Bezug auf das Verhältnis der Clubs und der beiden Ligen untereinander."

"Ich bin Repräsentant der Emotionen"

Rauball gilt als begnadeter Diplomat und souveräner Stratege, der seine Kritik immer in bedachte Worte gepackt hat. "Ich bin Repräsentant der Emotionen, das sagte Rauball mal der Tageszeitung "Die Welt". Gemeinsam mit Christian Seifert, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und Vermarktungsexperten, ist er seit Jahren das Gesicht der DFL. 2016 war der Spitzenfunktionär einstimmig und ohne Gegenkandidat wiedergewählt worden und kündigte an, die Aufgabe "mit Herzblut" zu erfüllen. Aber schon damals deutete sich an, dass seine vierte Amtszeit seine letzte sein könnte.

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