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Interview vor Europa-League-Debüt Ex-BVB-Profi Kruska heute mit Düdelingen gegen Milan: "Das wird großartig"

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Marc-André Kruska bestritt für Borussia Dortmund insgesamt 98 Bundesligaspiele. Über die Stationen Brügge, Cottbus, FSV Frankfurt, Paderborn und Werder Bremen II kam er in diesem Sommer zu F91 Düdelingen. Foto: imago/Majerus/Foto-MontageMarc-André Kruska bestritt für Borussia Dortmund insgesamt 98 Bundesligaspiele. Über die Stationen Brügge, Cottbus, FSV Frankfurt, Paderborn und Werder Bremen II kam er in diesem Sommer zu F91 Düdelingen. Foto: imago/Majerus/Foto-Montage

Hamburg. Der ehemalige BVB-Profi Marc-André Kruska lebt derzeit sein eigenes Fußballmärchen: Mit F91 Düdelingen tritt er erstmals in der Geschichte des luxemburgischen Fußballs in der Gruppenphase der Europa League an. Im Interview spricht der 31-Jährige unter anderem über seinen ungewöhnlichen Schritt nach Luxemburg und die aktuelle Euphorie rund um den Klub.

Marc-André Kruskas Karriere ist geprägt von Höhen und Tiefen: Mit 17 Jahren feierte er sein Profi-Debüt für Borussia Dortmund, ist bis heute der neuntjüngste Bundesliga-Torschütze der Geschichte. Sogar Real Madrid wollte den 18-fachen U21-Nationalspieler verpflichten. Über den FC Brügge landete er in der 2. Bundesliga bei Energie Cottbus, wo er knapp fünf Jahre spielte. 

Auf seinen weiteren Stationen FSV Frankfurt, SC Paderborn und Werder Bremen II lernte Kruska die Schattenseiten des Sports kennen: Drei Mal in Folge stieg der Mittelfeldspieler mit seinen Vereinen ab.

Rein sportlich betrachtet folgte in diesem Sommer ein weiterer Schritt nach unten: Kruska wechselte zum luxemburgischen Erstligisten F91 Düdelingen. Doch beim 14-fachen Meister tut sich was: Seit 2016 steht dort Dino Toppmöller, Sohn von Ex-HSV-Coach Klaus Toppmöller, als Trainer an der Seitenlinie. Mit ihm schreitet die Professionalisierung des Clubs voran, neben zuletzt drei Meistertiteln in Folge gelang jetzt zum ersten Mal in der Geschichte des luxemburgischen Fußballs der Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Heute feiert der Club mit dem Heimspiel gegen AC Mailand seine Premiere.

"Als die Gegner feststanden wurde unsere mannschaftsinterne Whatsapp-Gruppe gesprengt"

Im Interview mit unserer Redaktion erzählt Kruska, welche Bedingungen in Düdelingen herrschen und welche Chancen er sich auf europäischem Parkett angesichts solch hochklassiger Gruppengegner wie neben dem AC Mailand auch Real Betis Sevilla und Olympiakos Piräus ausrechnet. Zudem spricht der 31-Jährige über das einstige Angebot von Real Madrid und seinen Ex-Klub Borussia Dortmund.

Herr Kruska, herzlichen Glückwunsch zum Einzug in die Europa League. Ist ganz Luxemburg euphorisiert?

Marc-André Kruska: Die Freude war natürlich riesengroß, als wir nach dem Heimsieg gegen Cluj auch auswärts gewonnen haben und dann den Einzug in die Europa League perfekt gemacht haben. Das ist schon etwas Besonderes, damit haben die wenigsten gerechnet. Bei allen herrscht eine Riesenfreude, das bekommt man im Umfeld gut mit. Selbst diejenigen in Luxemburg, die vielleicht Fans anderer Mannschaften sind, freuen sich. Es ist schon eine tolle Sache.

Feierlichkeiten in Düdelingens Kabine nach dem Einzug in die Europa-League-Gruppenphase. Im weißen T-Shirt: Marc-André Kruska, der im Rückspiel in Cluj gelbgesperrt fehlte. Foto: imago/Aleksandar Djorovic

Und dann brachte die Auslosung der Gruppenphase auch noch Gegner wie den AC Mailand, Betis Sevilla und Olympiakos Piräus hervor...

Als die Gegner feststanden, wurde unsere mannschaftsinterne WhatsApp-Gruppe gesprengt. Wir hatten an dem Tag frei und jeder hat die Auslosung für sich verfolgt, danach war dann die Hölle los. Überhaupt wurde ich förmlich mit Nachrichten bombardiert, viele Freunde und Bekannte haben gratuliert und sich gefreut. Das sind sehr attraktive Gegner, die Gruppe ist perfekt für uns.

Auf welchen Gegner freuen Sie sich am meisten?

Ich habe international nicht viel Erfahrung, deshalb ist die Vorfreude auf San Siro in Mailand besonders groß. Aber auch die beiden anderen Vereine sind spannend und haben eine außergewöhnliche Fankultur. Das zu erleben, wird großartig.

Sie starten mit einem Heimspiel gegen Milan. Zu verlieren gibt es da ja nichts …

Ja, wir können befreit aufspielen. Wenn wir mal ein Spiel verlieren, ist das nichts Dramatisches. Mal kucken. In den Quali-Spielen gegen Legia Warschau (2:1 und 2:2) und Cluj (2:0 und 2:1) haben wir auf jeden Fall mitgehalten, gegen Cluj waren wir sogar in beiden Spielen besser. Und das ist auch eine Mannschaft, die namhafte Spieler hat und die vom Marktwert her viel höher eingestuft ist als wir. Wir hatten nur in der zweiten Halbzeit im Rückspiel gegen Legia etwas Glück, weil die da schon sehr stark waren. Wir rechnen uns jetzt zwar erstmal nicht viel aus, aber in einem Spiel kann ja alles passieren. Wer weiß, mal schauen (lacht).

Trainiert wird immer abends - "weil wir auch einige Spieler haben, die berufstätig sind"

Früher waren luxemburgische Mannschaften auch in den Qualifikationswettbewerben für Europa leichte Beute und wurden öfter mit hohen Ergebnissen besiegt. Doch seit ein paar Jahren sind die Mannschaften wettbewerbsfähig. Was hat sich getan im luxemburgischen Fußball?

Ich bin ja erst seit Saisonbeginn da, aber die Spieler, die schon länger hier sind haben erzählt, dass es schon in den vergangenen beiden Jahren richtig knapp war mit dem Einzug in die Europa League. Dieses Jahr war das Matchglück gegen Legia auf jeden Fall auf unserer Seite. Der Verein hat sich zuletzt einfach ganz gut verstärkt. Hier ist zwar alles viel kleiner, aber wenn man nach Luxemburg kommt, muss man das auch erwarten. Wir haben hier zwei Trainingsplätze, einen mit Natur- und einen mit Kunstrasen, dazu ein eigenes Trainingsgebäude. Natürlich kann man sich hier noch verbessern, wenn man sich weiter Professionalisieren möchte. Die Bedingungen sind aber absolut okay.

Und die Trainingsintensität?

Wir trainieren nicht anders als in Deutschland. Wir haben mit Dino Toppmöller ja auch einen deutschen Trainer, der das nicht anders kennt. Hier ist also auch jeden Tag Training. Dann aber immer abends, weil wir auch einige Spieler haben, die berufstätig sind. Vermutlich wird unser Trainer die Trainingsdosierung aber im Hinblick auf die Europa League jetzt umstellen.

Ihre Mannschaft hat in der Liga zwei der ersten drei Spiele verloren. Der Fluch des Erfolges auf internationaler Ebene?

Das war jetzt zu Saisonbeginn tatsächlich ein Problem. Aber ich denke und hoffe, dass jeder jetzt verstanden hat, dass das so nicht geht. Wir haben einen sehr großen Kader und der Trainer hat das im Hinblick auf die Europa-League-Qualifikation ausgenutzt und viele Spieler aus der zweiten Reihe in der Liga eingesetzt. Das hat leider zuletzt nicht so gut geklappt. Es wird ohnehin nicht so einfach werden, mit dem neuen Rhythmus klarzukommen: Donnerstags und Sonntags zu spielen, das kennen wir ja nicht. Die Belastung wird auf jeden Fall neu für uns sein, aber bis Winter müssen wir das durchziehen. Wir wollten es schließlich so. Ich glaube, wir kriegen das schon hin. Aber die Liga ist definitiv sehr wichtig, um eben nächstes Jahr wieder an den Qualifikationswettbewerben teilnehmen zu können.

Routine für Düdelingens Mittelfeld: Marc-André Kruska in Aktion. Foto: imago/Majerus

Sie spielten zuletzt für Werder Bremen II. Wie kam der Kontakt nach Luxemburg zustande?

Unser Co-Trainer hier in Düdelingen, Erwin Bradasch, arbeitet auch als Scout für Werder Bremen. Er wusste, dass mein Vertrag ausläuft und hat mich dann relativ bald angerufen und mir aufgezeigt, wie in Düdelingen gearbeitet wird und was die Pläne sind.

Was wussten Sie zu diesem Zeitpunkt über den luxemburgischen Fußball?

Ehrlich gesagt wusste ich nicht viel. Ich habe 2008 mal mit der deutschen U21 gegen Luxemburg gespielt, mehr Bezugspunkte gab es aber nicht.

"Es ist schön, dass das Glück mal wieder auf meiner Seite ist"

In den vergangenen Jahren lief es sportlich bei Ihnen alles andere als gut: Auf Ihren letzten drei Stationen beim FSV Frankfurt, dem SC Paderborn und bei Werder II sind sie jeweils abgestiegen. Dann der Wechsel nach Luxemburg und plötzlich spielen Sie in der Europa League. Hatten Sie damit gerechnet, dass Ihre Karriere noch einmal so eine Wendung nimmt?

Das war mein Wunsch. Aus dem Grund bin ich hier hergekommen. Ich hatte jetzt wirklich ein paar negative Jahre, war auch zum ersten Mal in meiner Karriere schlimmer verletzt. Dass das jetzt mit der Europa League geklappt hat, ist toll. Es ist schön, dass das Glück mal wieder auf meiner Seite ist.

Die letzten glücklichen Momente sind schon länger her …

Die Abstiege markieren wirklich negative Punkte in meiner Karriere. Ansonsten habe ich aber auch sehr schöne Erinnerungen: Das DFB-Pokalfinale mit Borussia Dortmund gegen den FC Bayern 2008 (1:2 nach Verlängerung, Anm. d. Red.), trotz der Niederlage. Das war ein besonderes Erlebnis. Ich erinnere mich auch sehr gerne an den Derbysieg mit dem BVB gegen Schalke 2007, als wir denen mit unserem Sieg den Gewinn der Meisterschaft vermasselten. Daran denke ich gerade als BVB-Fan sehr gerne zurück (lacht).

Und wie war das 2009 mit dem Interesse von Real Madrid?

Ich war damals vor Ort und habe mir alles angeschaut und wollte eigentlich unterschreiben. Ich wäre dort für die zweite Mannschaft FC Castilla in der zweiten Liga eingeplant gewesen, die aber eigentlich auch ein ganz gutes Niveau hat. Trainiert hätte ich dann ein paar Mal die Woche bei den Profis in der 1. Mannschaft. Aber ich war damals gerade 22 und dachte mir, dass der Wechsel vom BVB dorthin vielleicht doch keine so gute Idee ist. Dann habe ich es mir doch anders überlegt.

"Im Nachhinein bereue ich es, dass ich das mit Real Madrid nicht gemacht habe"

Stattdessen wechselten Sie zum FC Brügge.

Ja, das war für mich damals die vernünftigere Entscheidung. Dort hat es dann aber leider nicht so gepasst und nach einem halben Jahr bin ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt und zu Energie Cottbus gewechselt. Es war aber trotzdem eine lehrreiche und prägende Zeit in Brügge. Dennoch: Im Nachhinein bereue ich es, dass ich das mit Real Madrid nicht gemacht habe.

Sind Sie wehmütig?

Nein, ich habe für meine Verhältnisse trotzdem eine super Karriere gespielt. Ich bin Realist genug: Ich weiß, ich war noch nie der Schnellste, dagegen ist das Spiel im Laufe der Zeit schneller geworden. Deshalb bin ich mit meiner Karriere trotzdem sehr, sehr zufrieden.

Sie sind durch und durch Dortmunder Borusse. Was glauben Sie, was in dieser Saison für den BVB drin ist?

Ich werde tatsächlich den BVB immer in meinem Herzen haben. Viele meiner Freunde und Kumpels sind auch Fans. Wichtig ist, dass der Charakter der Mannschaft gut ist. Die Qualität im Team ist auf jeden Fall groß. Die Fans verzeihen einem viel, viel mehr, wenn man alles gibt. Das war in der vergangenen Saison so ein bisschen das Problem, dass nicht mit genug Leidenschaft gespielt wurde. Ich glaube, dieses Jahr ist das wieder anders, das deuten die Neuzugänge Delaney und Witsel ja schon an. Und offensiv ist der BVB ja immer stark. Ich hoffe, dass sie die Bayern mal wieder ärgern können, das wäre schön.

Stellen Sie sich dieses Szenario vor: Düdelingen übersteht sensationell die Gruppenphase in der Europa League und trifft dann in der nächsten Runde auf Borussia Dortmund, das als Gruppendritter in der Champions League in die Europa League rutscht. Wären Sie dabei?

Wenn das so passiert, würde ich nach dem Spiel im Signal Iduna Park direkt aufhören (lacht). Nein, aber es wäre natürlich ein Traum, noch einmal in einem Pflichtspiel in diesem Stadion zu spielen. Ja, das wäre ein Traum! Das würde ich blind unterschreiben. Ich könnte dann auch verschmerzen, dass der BVB aus der Champions League ausscheidet, denn als Fußballer muss man ja trotzdem auf sich kucken (lacht). Eigentlich bin ich nicht so, aber das wäre einfach nochmal so ein richtiges Highlight.

So freuten sich die luxemburgischen TV-Kommentatoren über den Europa-League-Einzug





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