Am Sonntag geht es gegen Peru Löws Paradigmenwechsel: DFB-Team orientiert sich mehr am Gegner

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Neue Linie: Joachim Löw gibt gegen Frankreich Anweisungen am Spielfeldrand. Foto: dpa/Sven HoppeNeue Linie: Joachim Löw gibt gegen Frankreich Anweisungen am Spielfeldrand. Foto: dpa/Sven Hoppe

München. Nach der Nations League ist vor dem Testspiel. Am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) empfängt Deutschland in Sinsheim WM-Teilnehmer Peru. Was das 0:0 gegen Weltmeister Frankreich in München für Erkenntnisse brachte und wie es weitergeht – die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie fiel die Analyse des Bundestrainers aus? Für die Auswertung des WM-Debakels benötigte Löw zwei Monate. Die Analyse des Remis gegen Frankreich ging deutlich scheller. Löw war vor allem eines: zufrieden. „Mit dem Ergebnis und mit der Leistung.“ Dem Bundestrainer wie den Fans war es vorwiegend um eines gegangen: „Die Bereitschaft zu sehen, dass sie alles reinhauen, um so den verlorenen Kredit wieder zurückzugewinnen.“ Wobei auch Löw wusste: Richtig rehabilitieren könne man sich erst bei der EM.

Kommentar: Fans und DFB-Elf nähern sich wieder an – der Nations League sei Dank!

Wie lief der Neuanfang? Die Schlüsselwörter hießen Anpassung und Flexibilität. „Der Bundestrainer hat gesagt, dass wieder vermehrt auf den Gegner eingegangen wird“, berichtete Matthias Ginter. Statt darauf zu schauen, wie das eigene System perfektioniert werden kann, will Löw künftig den Spielstil an den Gegebenheiten orientieren. Für diesen Paradigmenwechsel war Ginter das beste Beispiel. Mit ihm und Antonio Rüdiger bot Löw zwei etatmäßige Innenverteidiger auf den Außenpositionen auf. Selten war eine Abwehrreihe einer DFB-Auswahl so groß. Ginter war mit seinen 1,88 Metern der Kleinste in der Kette.

Steht die Defensive jetzt über allem? Zur reinen Mauermannschaft wird die Mannschaft sicher nicht. Aber sicher defensiver. Das ist eine von Löws Lehren aus der WM. Wie sehr sie noch in seinen Gedanken spukt, zeigt folgender Satz: „Wir durften uns nicht wieder so entblößen und in Konter rennen, wie uns das gegen Mexiko einige Male passiert ist.“ Gegen den Weltmeister, der selbst aus einer kompakten Verteidigung heraus agiert, war die Gefahr groß.


Kampfgeist und Defensivstärke: Matthias Ginter zeigt gegen Blaise Matuidi die neue, alte Tugend. Foto: imago/Chai v. d. Laage


„Gegen Gegner, die nicht so konterstark sind und die Klasse von Frankreich haben, werden wir anders spielen.“ Das könnte schon im Test gegen Peru der Fall sein. Allerdings bevorzugen die Südamerikaner ein ähnliches Spielsystem wie genanntes Mexiko. Allzu weit dürfte Löw den Riegel nicht öffnen.

Drei Neue im Kader, keiner in der Startelf. War Löw nicht mutig genug? Manch einer mag das meinen. Doch der Bundestrainer nannte eine triftige Erklärung: „Gegen eine Mannschaft wie Frankreich braucht man auch erfahrene Leute, die dagegenhalten.“ Auch deshalb setzte er im Angriff auf den Außenbahnen auf die auch defensivstarken Thomas Müller und Timo Werner, statt auf die eher etwas ungestümeren Leroy Sané und Julian Brandt. „Wenn du nur offensiv bist, geht’s in die Hose“, so Löw.

Was war nun neu? Vor allem die Abkehr von der Doppelsechs, die zuletzt Standard war. Joshua Kimmich füllte die Position in München alleine aus. Auch das war überraschend, gilt er doch eigentlich auf der rechten Außenbahn als gesetzt. „Der Joshua hat das in der Jugend auch gespielt, und er hat das gut gemacht“, befand Löw. Ausschließen, dass Kimmich wieder mal rausrückt, will er nicht. Das sei abhängig von der Taktik, betonte Löw. Gegen Frankreich setzte er defensiv auf ein 4-1-4-1- und offensiv eher auf ein 4-3-3-System. Doch auch weitere Varianten seien denkbar, so Löw.


Alleine auf der Sechs: Joshua Kimmich (rechts) im Zweikampf mit Frankreichs Kylian Mbappe. Foto: AFP


Wie geht es weiter? Am Sonntag steht der Test gegen Peru an. In der Nations League trifft das DFB-Team am 13. Oktober und 19. November auf die Niederlande sowie erneut auf Frankreich (16. Oktober). Bis dahin wird Löw weiter an der Neuausrichtung feilen. „Das war erst der erste Schritt in die richtige Richtung – aber da müssen noch ein paar folgen“, betonte Ginter. Und Löw gab schon mal einen Vorgeschmack, welche das sein könnten. „Wir müssen die Jungen forcieren“, betonte er. Vor allem Leroy Sané, Thilo Kehrer, Julian Brandt und Kai Havertz waren damit gemeint. Nach und nach will er sie heranführen. Sané wird am Sonntag jedoch nicht dabei sein. Er reiste aus privaten Gründen nach Rücksprache mit Löw ab. Seine Freundin soll ein Kind erwarten. 

Was ist mit Gündogan? Der wirkte gelöst wie lange nicht. Der 27-Jährige, der bei ManCity einen Stammplatz hat, wurde nur mit vereinzelten Pfiffen bei seiner Einwechslung bedacht. Kein Vergleich zu dem Konzert der Abneigung gegen ihn bei der WM-Generalprobe. Am Dienstag traf er sich noch einmal mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, um über die Erdogan-Fotos zu sprechen. „Er sagte noch einmal ausdrücklich, dass er froh ist, dass ich Teil der Mannschaft bin. Und ich bin das auch“, sagte Gündogan und führte an: „Heute fahre ich mit einem Lächeln nach Hause.“



Gelang der Schulterschluss mit den Fans? Weitgehend ja. Das empfanden auch die Spieler so. „Wir sind sehr positiv empfangen worden“, sagte Marco Reus. „Das war so nicht zu erwarten gewesen.“ Als es Mitte der zweiten Hälfte in einer schwächeren deutschen Phase unruhig im Stadion wurde, war jedoch hörbar, wie schnell neuer Unmut drohen kann, sollte es nicht zügig zurück in die Erfolgsspur gehen.


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