Unklarheiten im DFB-Trainer-Ranking Trainer-Ranking: Warum Joachim Löw schon längst Sepp Herberger überholt hat

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Datum des Amtsantritts bleibt unklar: Sepp Herberger, vor dem Krieg Reichstrainer, von 1950 bis 1964 Bundestrainer. Er gewann 1954  mit der deutschen Nationalmannschaft sensationell die Weltmeisterschaft. Foto: Imago/BaumannDatum des Amtsantritts bleibt unklar: Sepp Herberger, vor dem Krieg Reichstrainer, von 1950 bis 1964 Bundestrainer. Er gewann 1954 mit der deutschen Nationalmannschaft sensationell die Weltmeisterschaft. Foto: Imago/Baumann

Osnabrück. „Bundestrainer Joachim Löw zieht am Sonntag gegen Peru mit seinem 167. Länderspiel mit dem bisherigen Rekordhalter Sepp Herberger gleich.“ Seit Tagen läuft diese Meldung durch die Medien, am Sonntag wird es beim Test der DFB-Auswahl in Sinsheim ein beliebtes Randthema sein. Das Problem: Es ist eine Falschmeldung, eine Jahrzehnte alte Fake News.

Falsche Statistik seit Jahrzehnten

Das ist schwer zu glauben, wenn man die beiden wichtigsten Quellen in dieser Frage zu Rate zieht. „Nationaltrainer von 1936 bis 1964, 167 Spiele, 94 Siege, 27 Unentschieden, 46 Niederlagen“ – so steht es in allen offiziellen DFB-Publikationen über Sepp Herberger, so steht es auch im alljährlich aufgelegten Almanach des Fachblattes „Kicker“, dem immer wieder akribisch geprüften Standardwerk für Fußball-Statistiker und -Historiker.

Insider-Sensation im Fachblatt "Kicker"

Deshalb war es für Insider eine Sensation, als der „Kicker“ in seiner jüngsten Montagausgabe unter der Überschrift „Warum Löw schon lange die Nummer 1 ist“ den Nachweis führte, dass die Zahl von Herbergers Länderspielen nicht korrekt ist.


Das Fachblatt "Kicker" berichtete in seiner Ausgabe vom Montag (3. September 2018) über die Unklarheiten in Zusammenhang mit dem Wechsel von Otto Nerz zu Sepp Herberger. Foto: Screenshot/Kicker


Wann trat Reichstrainer Otto Nerz zurück? 

Der Fehler resultiert aus den Unklarheiten um den Rücktritt von Herberger-Vorgänger Otto Nerz. Die 0:2-Blamage gegen Norwegen im Olympischen Fußballturniers 1936 in Berlin galt jahrzehntelang als die letzte Amtshandlung des strengen Asketen. Tatsächlich aber begann danach ein knapp zweijähriges Ränkespiel um die Verantwortung für die Nationalmannschaft, das selbst mit allen vorliegenden Quellen nicht zweifelsfrei rekonstruiert werden kann, so dass für alle Zeiten offen bleibt, wann genau der Wechsel von Nerz zu Herberger erfolgt ist. Die beiden einstigen Freunde lieferten sich einen Machtkampf, der hinter den Kulissen ablief und für die gleichgeschaltete Presse im Dritten Reich tabu war.

Wann übernahm Sepp Herberger?

Ab dem 12. November 1936 war Herberger offiziell Reichstrainer und betreute die Mannschaft am 15. November 1936 beim 2:2 in Berlin gegen Italien, doch auch danach war Nerz verantwortlich und gegenüber Herberger weisungsbefugt. Offizieller Titel: Referent für die Nationalmannschaft. Zwar hatte Herberger schon im ersten Länderspiel nach den Olympischen Spielen am 13. September 1936 beim 1:1 in Warschau gegen Polen auf der Bank gesessen, allerdings nur in Vertretung des in einen Besinnungsurlaub geschickten Nerz. So empfand es auch Herberger selbst, wie Jürgen Leinemann in der Biographie „Ein Leben, eine Legende“ nachgewiesen hat.

167 Länderspiele für Herberger? Mindestens fünf weniger

Dennoch wurde dieses Spiel in den Statistiken der nächsten Jahrzehnte als der Zeitpunkt des Stabwechsels gewertet; so kam Herberger bis zu seinem Abschied 1964 auf 167 Länderspiele. Für den Fußball-Historiker Udo Muras, der sich seit Jahren um Klärung und Richtigstellung bemüht, müssen Herberger die fünf Länderspiele vor dem 12. November 1936 abgezogen werden.

Ein Machtkampf zweier ehemaliger Freunde

Oder sogar noch mehr? Offiziell trat Nerz erst am 12. Mai 1938 zurück – bis dahin dauerte das Ränkespiel um die Verantwortung für Training und Aufstellung, das im Rückblick auch deshalb nicht zu durchschauen ist, weil immer auch DFB-Präsident Felix Linnemann ein Wörtchen mitzureden hatte bei der Aufstellung.

Den Rekord hat Joachim Löw längst

Ob 167 Länderspiele oder 162 oder noch weniger: Herberger bleibt natürlich der Fußball-Weise von der Bergstraße, der 1954 das Wunder von Bern schaffte. Doch klar ist auch: Die Einstellung einers Rekord, zu der ihm am Sonntag alle gratulieren werden, ist Joachim Löw schon längst gelungen.


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