DFB-Teams von 1978 bis heute Rückblick: So liefen die ersten Länderspiele nach Turnierdebakeln

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mehmet Scholl traf beim 4:1-Sieg im Jahr 2000 gegen Spanien doppelt – es war das erste Länderspiel der Ära Rudi Völler. Foto: imago/Camera 4Mehmet Scholl traf beim 4:1-Sieg im Jahr 2000 gegen Spanien doppelt – es war das erste Länderspiel der Ära Rudi Völler. Foto: imago/Camera 4

Hamburg. Wie startete das DFB-Team in der Vergangenheit nach großen Enttäuschungen bei WM- und EM-Turnieren? Ein Rückblick.

Wiedergutmachung ist angesagt! Am Donnerstag (20.45 Uhr) bestreitet die deutsche Nationalmannschaft im Rahmen des Nations-League-Auftakts gegen Weltmeister Frankreich das erste Länderspiel nach dem Fiasko bei der Weltmeisterschaft in Russland. Eine richtungsweisende Partie, bei der zu sehen sein wird, ob die selbstkritischen Töne von Bundestrainer Joachim Löw Wirkung gezeigt haben. Auch die Spieler haben erklärt, die WM-Schmach nicht so auf sich sitzen lassen zu wollen und mit neuer Stärke den Weg zurück in die Weltspitze finden zu wollen.

Weiterlesen: Neuer: "Wir wollen den Zuschauern etwas zurückgeben"

Doch wie war das eigentlich in der Vergangenheit? In den wenigen Fällen, in denen eine deutsche Nationalmannschaft bei einem großen Turnier wie einer EM oder einer WM enttäuschte – wie verliefen seinerzeit die ersten Spiele nach den großen Enttäuschungen? Wir werfen einen Blick zurück:

1978:

Als Titelverteidiger enttäuschte die DFB-Elf bei der WM 1978 in Argentinien maßlos. Die Mannschaft von Bundestrainer Helmut Schön, vier Jahre zuvor im eigenen Land noch viel umjubelter Weltmeister, scheiterte damals bereits in der zweiten Zwischenrunde (damals wurde noch nicht im klassischen K.O.-System gespielt). Besonders in Erinnerung blieb dabei die 2:3-Niederlage in Cordoba gegen Österreich, die das deutsche Aus besiegelte.

Das erste Länderspiel nach dem WM-Debakel war ein Freundschaftsspiel in der damaligen Tschechoslowakei am 11. Oktober 1978. Von einem Umbruch im Team konnte keine Rede sein: Jupp Derwall war immer noch Bundestrainer, mit Karl-Heinz Förster und dem eingewechselten Klaus Allofs kamen nur zwei Spieler zum Einsatz, die nicht im WM-Kader in Argentinien gestanden hatten.

Immerhin: Mit dem EM-Titel 1980 und der Vizeweltmeisterschaft 1982 verliefen die folgenden Jahre wieder erfolgreicher für den DFB.

Eine Szene aus dem Länderspiel am 11. Oktober 1978 in Prag: Neben Torhüter Sepp Maier sind außerdem die deutschen Spieler Bonhof, Förster und Kaltz zu sehen (v.l.). Foto: imago/WEREK

1984: 

Schon in der Qualifikation für die in Frankreich stattfindende Europameisterschaft tat sich die deutsche Mannschaft schwer und wurde punktgleich mit Nordirland Gruppensieger. Das Turnier sollte dann endgültig das Ende der Ära von Bundestrainer Jupp Derwall besiegeln, der nach dem Vorrundenaus (ein Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage gegen Rumänien, Portugal und Spanien) zurücktrat. Sein Nachfolger wurde Franz Beckenbauer, der als Teamchef fungierte. 

Franz Beckenbauer (l.) bei seinem Teamchef-Debüt mit seinem Co-Trainer Horst Köppel. Foto: imago/WEREK

Der Einstand des "Kaisers" verlief aber unglücklich: In einem Freundschaftsspiel in Düsseldorf unterlag die DFB-Elf gegen Argentinien mit 1:3. Dennoch bewies Beckenbauer Mut und beförderte vier Spieler in die Startelf, die nicht zum EM-Kader gehört hatten (Michael Frontzeck, Ditmar Jakobs, Felix Magath), dazu wurde später mit Frank Mill noch ein fünfter eingewechselt. 

Rudi Völler beim Freundschaftsspiel gegen Argentinien im Luftduell mit Nery Pumpido. Foto: imago/Frinke

Bei den folgenden Turnieren erreichte die deutsche Mannschaft stets mindestens das Halbfinale: 1986 wurde sie Vizeweltmeister, 1988 bei der EM in Deutschland erreichte sie das Halbfinale und 1990 folgt der große Triumph in Rom, wo Franz Beckenbauer mit dem WM-Gewinn als Teamchef aufhörte. Berti Vogts übernahm und führte das DFB-Team 1992 bei der EM in Schweden ins Endspiel gegen Dänemark.

1994:

Bei der WM in den USA setzte Berti Vogts in seinem Kader auf elf Weltmeister von 1990 – möglicherweise zu viele. Es knirschte und knarzte im Kader, dazu die Stinkefingeraffäre von Stefan Effenberg ... ein vorzeitiges Aus schien programmiert. Das kam dann auch im Viertelfinale gegen Bulgarien (1:2). 

Während Stefan Effenberg nicht mehr mitwirkte (er sollte später noch einmal eine Rolle spielen) setzte Vogts beim ersten Länderspiel nach der WM auf bewährte Kräfte: Beim Länderspiel am 7. September 1994 in Russland setzte der Bundestrainer 13 Spieler ein – mit Dieter Eilts und Ralf Weber waren nur zwei frische Gesichter dabei. Deutschland gewann das Spiel ohne Umbruch glanzlos mit 1:0 – und durfte sich dann zwei Jahre später über den Gewinn der EM in England freuen.

Torschütze Stefan Kuntz gegen den russischen Torwart Stanislaw Tschertschessow. Foto: imago/WEREK

1998:

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder vertraute Bundestrainer Berti Vogts nach der enttäuschenden WM in Frankreich (Aus im Viertelfinale nach einem 0:3 gegen Kroatien), und so reiste der DFB-Tross Anfang September 1998 zu einer skurrilen Trainingswoche nach Malta, wo neben einigen Trainingseinheiten auch zwei Länderspiele (gegen Gastgeber Malta und Rumänien) stattfinden sollten. Nach vierjähriger Abstinenz holte Vogts dazu als neuen/alten Leader Stefan Effenberg zurück, doch das gesamte Projekt misslang völlig.

Stefan Effenberg kehrte 1998 in die deutsche Nationalmannschaft zurück – für eine Woche. Foto: imago/Team 2

"Ich musste alters- und formbedingt einen großen Schnitt machen. Das wäre auch der Fall gewesen, wenn wir das Viertelfinale gegen Kroatien gewonnen hätten oder wenn wir sogar Weltmeister geworden wären", hatte Vogts noch vor Antritt der Reise gesagt. Tatsächlich hatte Vogts Mut bewiesen, nur noch zehn Spieler aus dem WM-Kader nominiert und insgesamt acht neue Spieler in seinen Trainingslagerkader berufen, doch die beiden Spiele gegen Malta (2:1) und Rumänien (1:1) entwickelten sich zum Trauerspiel. Nach der Rückkehr nach Deutschland trat Vogts zurück, genau wie Stefan Effenberg.

Berti Vogts (r.) beim Länderspiel gegen Malta. Foto: imago/Plusphoto

2000:

Nach Vogts kam Erich Ribbeck, und schon das nächste Turnier endete für Deutschland im Fiasko: Bei der EM in Belgien und den Niederlanden schied Deutschland mit einem kümmerlichen Pünktchen bereits nach der Vorrunde aus. Lothar Matthäus hatte seinen Leistungszenit lange überschritten, der Trainer hatte weder ein taktisches Konzept noch eine Stammformation mit ins Turnier gebracht. Sein Abschied als Bundestrainer war beschlossene Sache – Ribbeck trat einen Tag nach dem EM-Aus zurück.

Rudi Völler übernahm –und startete im ersten Freundschaftsspiel furios: 4:1 besiegte die Nationalmannschaft unter seiner Führung Mitte August in Hannover die Spanier. Während die Iberer auf Grund des frühen Zeitpunkts des Länderspiels noch sichtbar nicht in Form waren, löste der Erfolg (je zwei Tore durch Scholl und Zickler) eine Euphorie im deutschen Fußball aus. Dabei setzte Völler von 16 Spielern nur vier ein, die nicht auch schon im EM-Kader gestanden hatten. Zwei Jahre später führte "Tante Käthe" das DFB-Team bei der WM 2002 in Japan und Südkorea ins Finale (0:2 gegen Brasilien).

Mehmet Scholl erzielte per Freistoß die Führung für Deutschland. Am Ende gewann Rudi Völlers Mannschaft 4:1 gegen Spanien. Foto: imago/Camera 4

2004:

Nach der enttäuschend verlaufenen EM in Portugal, bei der die deutsche Mannschaft nach zwei Unentschieden gegen die Niederlande und Lettland und einer Niederlage gegen Tschechien nach der Vorrunde ausschied, war die Zeit von Rudi Völler als Bundestrainer vorbei. Im Hinblick auf die zwei Jahre später im eigenen Land stattfindende WM musste ein Neuanfang her, zu dem Jürgen Klinsmann als Teamchef auserkoren wurde.

Das Debüt von "Klinsi" bei einem Freundschaftsspiel am 18. August 2004 in Wien gegen Österreich geriet aber zu einer One-Man-Show eines anderen: Stürmer Kevin Kuranyi schnürte beim 3:1-Auswärtssieg einen Dreierpack und sorgte für einen gelungenen Start der Ära Klinsmann, der insgesamt fünf frische und "EM-unverbrauchte" Kräfte ranließ (bei 17 eingesetzten Spielern). Zwei Jahre später, nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien bei der WM in Deutschland, endete die Zeit von Klinsmann als Teamchef. Jogi Löw übernahm, und führte das DFB-Team fortan in jedem Turnier bis ins Halbfinale –bis zum WM-Vorrundenaus 2018 in Russland.

2018:

Neben den zurückgetretenen Mesut Özil und Mario Gomez verzichtet Löw im Länderspiel gegen Frankreich auch auf Sami Khedira, Kevin Trapp und Sebastian Rudy. Erstmals berufen wurden dagegen Thilo Kehrer und Nico Schulz, zudem kehrte Jonathan Tah in den Kader zurück. Der radikale Umbruch, von vielen Fans und Experten gefordert, blieb aus. Mit welchem Ergebnis, das wird sich zeigen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN