Pro & Contra Play-Offs in der Bundesliga: Neue Dramaturgie oder ungerechter Modus?

Von Alexander Barklage und Harald Pistorius

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Wenn sich nichts ändert, wird der FC Bayern München auch in den nächsten Jahren Abonnement-Meister in der Bundesliga, glaubt Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke. Foto: imago/Jan HuebnerWenn sich nichts ändert, wird der FC Bayern München auch in den nächsten Jahren Abonnement-Meister in der Bundesliga, glaubt Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke. Foto: imago/Jan Huebner

Hamburg/Osnabrück. Sind Play-Offs eine Lösung, um die Langeweile im Bundesliga-Titelkampf zu unterbinden? Die Meinungen gehen auseinander.

Nach zwei Spieltagen in der Bundesliga thront der FC Bayern München schon wieder an der Tabellenspitze. Vermeintliche "Jäger" wie Bayer Leverkusen oder Schalke 04 zieren hingegen punktlos das Tabellenende. Auch Borussia Dortmund musste bereits Zähler einbüßen. Bei vielen Fußball-Fans weckt diese Tatsache schon den Eindruck, die Meisterschaft wäre erneut an die Bayern vergeben. Für Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke wäre dies indes keine Überraschung: "Ich habe von Anfang an gesagt, es ist völlig klar, dass Bayern München deutscher Meister wird. Und zwar nicht dieses Jahr, sondern dieses Jahr, nächstes Jahr und übernächstes Jahr."

Also erneut und auch auf absehbare Zeit keine Spannung im Titelkampf? Dass sich dies ändern muss, davon ist hingegen auch Reschke überzeugt - und hat nun mit Nachdruck eine Reform des Spielsystems in der Bundesliga angeregt. "Vielleicht muss man sich in der Bundesliga auch mal mit einem Playoff-System beschäftigen. Ende der Saison spielen die ersten vier Mannschaften dann den Meister aus", sagte er am Sonntag beim TV-Sender Sky Sport News HD: "Mit einem Playoff kommt wieder ein Spannungsgehalt in die Bundesliga rein. Fakt ist, dass die Meisterfrage wieder völlig offen wäre." Die Debatte beschäftigt die Fans nicht erst seit gestern - auch in der Sportredaktion gibt es unterschiedliche Meinungen.

Pro: Play-Offs würden für neue Dramaturgie sorgen


Der NOZ-Sportchef Harald Pistorius kann dem Reschke-Vorschlag etwas Positives abgewinnen. Foto: Michael Gründel

Dass das Thema „Können Playoff-Spiele die Bundesliga retten?“ nach nur zwei Spieltagen auf der Agenda weit oben steht, spricht für sich. Ebenso die Tatsache, dass der Vorschlag nicht von einem Marketing-Manager kommt, sondern von einem erfahrenen Praktiker, der des Missbrauchs von Fußball-Werten unverdächtig ist.

Zumindest nachdenken sollte man über den Vorschlag von Michael Reschke, denn dass der Titelkampf in der Bundesliga langweilig ist wie noch nie in der Geschichte des deutschen Fußballs, kann niemand bestreiten. Playoff-Spiele im Pokal-Charakter, wie man sie aus anderen Sportarten und Ländern kennt, sorgen sicher für eine Zuspitzung des Wettbewerbs und eine neue Dramaturgie.

Wer hier ein kluges System entwickelt, das möglichst vielen Clubs und damit auch deren Fans einen heißen Saison-Endspurt beschert, wird die Liga beleben und dem nachlassenden Interesse entgegenwirken. Playoff-Spiele sind eine konsequente Fortsetzung der Entwicklung des Profifußballs zu einem Zweig der Unterhaltungsindustrie.

Contra: Vereine haben 34 Spiele Zeit

Sport-Redakteur Alexander Barklage sieht die Bundesliga-Vereine in der Pflicht für mehr Spannung zu sorgen. Foto: David Ebener

Die Meisterschaft ist der ehrlichste Titel, den man in einer Saison gewinnen kann - dies betonen immer wieder Spieler und Verantwortliche. Die Arbeit der gesamten Spielzeit endet, sofern sie erfolgreich war, mit dem Empfang der "Salatschüssel". Nehmen wir an, die Bayern haben nach 34 Spieltagen 20 Punkte Vorsprung vor dem Zweitplatzierten erspielt, erwischen dann in den Play-Off-Spielen gegen Schalke einen schlechten Tag und scheiden aus. Die "Königsblauen" verlieren das Play-Off-Finale dann anschließend gegen Leverkusen. Die Werkself als Vierter und mit 25 Punkten Rückstand auf die Bayern in die Play-Offs gestartet, werden zum ersten Mal Deutscher Meister. Hört sich mit Sicherheit spannend an, aber gerecht wäre das nicht.

Die Clubs der Bundesliga, wenngleich sie finanziell nicht mit den Bayern in einer Liga spielen, sollten sich andere Wege überlegen und kreativ sein, um auch sportlich mithalten zu können. Stichwort: Jugendarbeit und geschickte Transfer- und Kaderplanung. Darüber hinaus sollten viele Vereine die direkten Partien gegen den Rekordmeister nicht schon im Vornherein als Bonusspiele abschreiben, sondern selbstbewusst auftreten. Natürlich ist auf lange Sicht der FC Bayern Dauer-Favorit auf den Titel, aber die Mannschaften der Bundesliga sollten sich darauf fokussieren, in sportlicher Hinsicht mehr Paroli zu bieten, als es manch ein Klub in den letzten Jahren getan hat. 

 





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