Polizei ermittelt Skandal um Nazi-Beflockung auf Fan-Trikot von Energie Cottbus

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Erneut gibt es Ärger im Fan-Umfeld von Energie Cottbus. Symbolfoto: imago/Steffen BeyerErneut gibt es Ärger im Fan-Umfeld von Energie Cottbus. Symbolfoto: imago/Steffen Beyer

Cottbus. Im Internet kursiert ein Foto, das einen mutmaßlichen Fan des Drittligisten Energie Cottbus im Trikot mit verbotenem Schriftzug zeigt. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, beim Verein zeigt man sich ratlos.

Neuer Nazi-Skandal im Umfeld von Energie Cottbus: In den Sozialen Netzwerken kursiert derzeit ein Foto, das einen vermeintlichen Energie-Fan von hinten in einem Trikot des Drittligisten zeigt. So weit, so harmlos. Unter der eingeflockten Trikotnummer 66 steht allerdings das Wort "Siegheilson". Verkappt als skandinavischer Name trägt der rechtsradikale Mann also den Hitlergruß spazieren.

Ein Leser der Potsdamer Neuesten Nachrichten hatte das Foto der Redaktion zukommen lassen, woraufhin es von einem Redakteur bei Twitter gepostet wurde.



Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde das Foto am Montagabend im Vorfeld des DFB-Pokalspiels zwischen Energie Cottbus und dem SC Freiburg im Cottbuser Stadion der Freundschaft aufgenommen. Die Brandenburger Polizei hat nach Angaben der "PNN" bereits Ermittlungen eingeleitet, um den unbekannten Fan ausfindig zu machen. So seien erste Videoaufzeichnungen aus den Überwachungskameras des Stadions geprüft worden – bislang noch ohne Erfolg.

Stadionordner in Cottbus prüfen sogar Kleidermarken

Vereinssprecher Stefan Scharfenberg-Hecht sagte der Zeitung, dass die strafbare Beflockung des Trikots nicht durch den Fanshop vorgenommen worden sei. "Eine Prüfung aller in unseren Stadionfanshops und im Onlineshop veranlassten Bestellungen seit dem Trikotrelease am 29. Juni hat ergeben, dass definitiv keine Bestellung mit der Aufschrift 'Siegheilson' bei uns eingegangen ist." Zudem hätte man einen solchen Auftrag ohnehin gar nicht erst angenommen. Sowohl das Trikot als auch die Rückennummer sähen allerdings so aus, als stammten sie aus der Produktion des Vereins. 

Dass der Fan die Sicherheitskontrollen überhaupt passieren konnte, erklärt der Sprecher damit, dass die eingesetzten Ordner sich primär auf Fanutensilien konzentrierten. Neben dem Untersuchen von Taschen und Rucksäcken führen Ordner auch Körperabtastungen durch. Nach der Stadionordnung in Cottbus hätten die Ordner zudem die Kleidung der Fans nach bestimmten Kleidermarken zu prüfen: Marken, die bei Rechtsextremen beliebt sind, sind nicht erlaubt.

"Fan" drohen drei Jahre Haft

Dass der Schriftzug unter der Rückennummer übersehen wurde, scheint erklärbar. Weniger erklärbar ist allerdings, dass der Vorfall nicht umgehend gemeldet wurde: "Wir als Verein bedauern die Tatsache, dass augenscheinlich mehrere Stadionbesucher die besagte Person gesehen und fotografisch festgehalten haben, jedoch nicht den Ordnungsdienst, die Polizei oder uns als Veranstalter informiert haben", sagte Stefan Scharfenberg-Hecht der "PNN".

Sollte der "Fan" ausfindig gemacht werden, droht ihm ein vom Verein ausgesprochenes Stadionverbot von drei Jahren. Das könnte der Mann möglicherweise sogar verschmerzen, denn im Falle einer Identifizierung und einer folgenden Anklage könnte er wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen mit einer Haftstrafe von drei Jahren belegt werden – die Möglichkeit eines Stadionbesuchs fiele in dieser Zeit ohnehin flach.

Im Frühjahr hatte es bereits einen Skandal bei Energie Cottbus gegeben, als mutmaßliche Fans den Aufstieg in die 3. Liga mit getragenen Ku-Klux-Klan-Kapuzen gefeiert haben sollen. Ein Foto davon kursierte seinerzeit im Netz


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