Vorschau auf den 1. Spieltag Bundesliga-Start: Überrascht ein zurückgekehrter Brasilianer den FC Bayern?

Von Alexander Barklage und Gregory Straub

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Der Brasilianer Joelinton will bei 1899 Hoffenheim im zweiten Anlauf durchstarten. Foto: imago/Jan HuebnerDer Brasilianer Joelinton will bei 1899 Hoffenheim im zweiten Anlauf durchstarten. Foto: imago/Jan Huebner

Hamburg. Endlich ist wieder Bundesliga, und schon zu Beginn gibt es spektakuläre Partien: Ein Überblick über die neun Begegnungen des 1. Spieltags.

FC Bayern München – TSG Hoffenheim (Fr., 20.30 Uhr)

"Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel", dieser Satz stammt nicht vom neuen Bayern-Trainer Niko Kovac, sondern von Julian Nagelsmann. Der Coach der TSG Hoffenheim will mit seinem Team die Bayern ärgern. Da trifft es sich gut, dass die Kraichgauer gleich am ersten Spieltag den Münchnern in die Suppe spucken können. Der Rekordmeister eröffnet, wie in den vergangenen fünf Jahren auch, die Bundesliga-Saison als Titelverteidiger und empfängt den Dritten der vorigen Saison. 

Eine Szene aus dem bislang letzten Duell des FC Bayern und 1899 Hoffenheim in der Allianz Arena. Der Rekordmeister gewann im Januar der vergangenen Saison mit 5:2. Foto: imago/MIS

Auf die Mär, dass es am besten ist, gegen die Bayern direkt am Anfang zu spielen, wenn die Mannschaft noch nicht eingespielt ist, kann die TSG nicht hoffen. Denn: Die vergangenen fünf Eröffnungsspiele gewannen die Bayern allesamt, teilweise deutlich. Aber: Unter Julian Nagelsmann hat Hoffenheim eine positive Bilanz gegen den FC Bayern (Zwei Siege, ein Remis und eine Niederlage). (Weiterlesen: Bayern im Januar Meister – Die nicht ganz ernst gemeinte Saisonvorschau)

Player to watch: Joelinton (Hoffenheim). Der Brasilianer wechselte schon 2015 aus Recife in den Kraichgau. Nach nur einem Einsatz in seiner ersten Saison ging er leihweise 2016 für zwei Jahre nach Österreich zu Rapid Wien. Jetzt ist der 1,92-Meter-Mann wieder da – und netzte in der vergangenen Woche im Pokal in Kaiserslautern gleich drei Mal ein. Vielleicht gelingt dem Bundesliga-Rückkehrer ja auch etwas Produktives gegen den großen FC Bayern.

Unser Tipp: 2:1


Joelinton. Foto: imago/Jan Huebner


Hertha BSC – 1. FC Nürnberg (Sa., 15.30 Uhr)

Hertha-Fans waren in der vergangenen Saison leidgeprüft, wenn sie sich bei Heimspielen im weiten Rund des Berliner Olympiastadions tummelten: Die Mannschaft von Trainer Pal Dardai landete in der Heimtabelle auf einem traurigen 16. Platz – nur fünf Heimsiege standen in der gesamten Saison zu Buche. 

"Club"-Trainer Michael Köllner. Foto: imago/Zink

Da kommt ein Aufsteiger wie der 1. FC Nürnberg gerade recht, mag der eine oder andere Hertha-Fan da vielleicht glauben. Doch die "Glubberer" sind nicht zu unterschätzen: Trainer Michael Köllner verfügt über ein eingespieltes Team, das bis zum Transferschluss am 31. August aber sicher noch in der Breite verstärkt werden muss. Doch warum sollen die Franken nicht am 1. Spieltag für eine Überraschung sorgen?

Player to watch: Marvin Plattenhardt bestreitet möglicherweise sein letztes Spiel für die Hertha. Der Nationalspieler kokettiert immer wieder mit einem Wechsel und wurde zuletzt mit Atletico Madrid in Verbindung gebracht. Möglicherweise gibt der Linksverteidiger seine Abschiedsvorstellung.

Unser Tipp: 1:1


Marvin Plattenhardt. Foto: imago/Christian Schroedter


SV Werder Bremen – Hannover 96  (Sa., 15.30 Uhr)

Die Auftritte von Werder Bremen und Hannover 96 im DFB-Pokal dürften beiden Fanlagern Hoffnung auf einen guten Bundesliga-Start machen: Werder gewann beim Regionalligisten Wormatia Worms locker mit 6:1, Hannover schenkte beim 6:0 in Karlsruhe sogar einem Drittligisten ein halbes Dutzend Tore ein.

Werders Rekordneuzugang Davy Klaasen. Foto: imago/pmk

Hauptaugenmerk im Weserstadion wird auf der einen Seite wohl auf Rekordeinkauf Davy Klaasen (kam für 15 Millionen Euro vom FC Everton) und Alt-Stürmer Claudio Pizarro liegen – der Ex-Hannoveraner Martin Harnik ist noch verletzt und wird nicht rechtzeitig fit. Bei den Gästen wird mit Spannung auf die aufpolierte Offensivabteilung geschaut werden: Neben den bewährten Niclas Füllkrug und Ihlas Bebou sollen jetzt auch Takuma Asano und Bobby Wood für Tore sorgen.

Player to watch: Maximilian Eggestein. Das Eigengewächs ist in der vergangenen Saison zur unersetzlichen Größe im Werder-Mittelfeld gereift. Der 21-Jährige hat offenbar noch einmal einen Entwicklungsschub gemacht und könnte in dieser Saison bei den Bremern so richtig durchstarten.

Unser Tipp: 2:1


Maximilian Eggestein. Foto: imago/Nordphoto


VfL Wolfsburg – FC Schalke 04  (Sa., 15.30 Uhr)

Der neu gewählte Kapitän der Wolfsburger, Joshua Guilavogui, machte vor einigen Tagen eine bemerkenswerte Aussage: "Wir müssen wieder lernen, zu gewinnen", sagte der Franzose. Nachvollziehbare Worte, angesichts von nur drei Heimsiegen in der vergangenen Saison und zwei Relegationsteilnahmen in den vergangenen beiden Jahren. Nun will es der Spielplan, dass das Siegen lernen ausgerechnet gegen Vizemeister FC Schalke 04 begonnen werden soll. 

Joshua Guilavogui ist seit dieser Saison Kapitän beim VfL Wolfsburg. Foto: imago/regios24

Die Schalker haben mit Leon Goretzka, Thilo Kehrer und mit Abstrichen Max Meyer drei Leistungsträger verloren, sich aber in der Breite gut für die kommende Saison aufgestellt. Trainer Domenico Tedesco hat zudem viel an der taktischen Flexibiltät gearbeitet und öfters auch mit Vierer- anstatt der gewohnten Dreierkette spielen lassen. Die Königsblauen sind also drauf und dran, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen – doch möglicherweise gelingt den "Wölfen" die Überraschung und sie fangen mit dem Siegen lernen wirklich schon gegen die Schalker an ...

Player to watch: Mark Uth. Wie fügt sich der torgefährliche Neuzugang von 1899 Hoffenheim in seine neue Mannschaft ein? Trainer Domenico Tedesco plant wohl, dass der Offensivmann an der Seite von Harit hinter Stoßspitze Guido Burgstaller wirbelt. Sollte Uth treffen, wäre dies sein 30. Bundesligatreffer im 79. Einsatz –keine schlechte Quote.

Unser Tipp: 3:1


Mark Uth. Foto: imago/RHR-Foto


Fortuna Düsseldorf – FC Augsburg  (Sa., 15.30 Uhr)

Das größte Faustpfand, das der Aufsteiger Fortuna Düsseldorf zu bieten hat, steht nicht auf dem Platz, sondern daneben: Trainer Friedhelm Funkel hat unglaubliche 780 Bundesliga-Partien als Spieler oder Trainer auf dem Buckel. Dennoch kommt es selbst für den 64-Jährigen am Samstag in der Merkur Spiel-Arena zu einer Premiere. Zum ersten Mal trifft er auf den FC Augsburg.

Friedhelm Funkel schaffte es als erster und bisher einziger Trainer, sechs Mal mit einer Zweitligamannschaft in die Bundesliga aufzusteigen. Foto: imago/Horstmüller

Die Schwaben zählen – wie jedes Jahr – zu den Abstiegskandidaten, belehren aber seit Jahren alle Experten eines Besseren. Die Fuggerstädter haben sich nur punktuell verstärkt und wollen ihre Platzierung aus der Vorsaison (Rang 12) verbessern. Trainer Manuel Baum und Sportchef Stefan Reuter harmonieren sehr gut, ein großer Vorteil im Kampf um den Klassenerhalt, in dem sich die Augsburger – wie in jeden Jahr – vermutlich doch nicht befinden werden.

Player to watch: Fabian Giefer oder Andreas Luthe. Einer dieser beiden Keeper wird bei den Augsburgern im Tor stehen. Die Frage, wer die neue Nummer 1 und damit Nachfolger des nach Dortmund abgewanderten Marvin Hitz wird, will Trainer Manuel Baum erst im Mannschaftshotel kurz vor dem Spiel in Düsseldorf bekanntgeben. Im Pokal spielte zuletzt Luthe, was aber keine Rückschlüsse zulassen muss. Sollte die Wahl auf Giefer treffen, wäre es für den Keeper ein besonderes Spiel: Er stand zwischen 2012 und 2014 bei der Fortuna zwischen den Pfosten.

Unser Tipp: 1:2


Fabian Giefer (l.) und Andreas Luthe. Foto: imago/kolbert-press


SC Freiburg – Eintracht Frankfurt (Sa., 15.30 Uhr)

Auf der einen Seite ein hoch verehrter Coach, dienstältester Bundesligatrainer und wegen seiner kompetenten und gleichsam urigen Art mit Kultstatus versehen. Auf der anderen Seite ein neuer Mann an der Linie, dem seine beiden ersten Pflichtspiele bei seinem neuen Arbeitgeber ordentlich schief gegangen sind: Christian Streich trifft mit dem SC Freiburg auf Adi Hütters Frankfurter Eintracht. Der Pokalsieger hat den Saisonauftakt mit dem 0:5 im Supercup gegen den FC Bayern und dem Erstrundenaus im DFB-Pokal bei Regionalligist SSV Ulm 1846 (1:2) voll versemmelt. Wie es nun mal so läuft im Business Profifußball, wird der Österreicher Hütter jetzt bei den Wettanbietern als heißester Trainerkandidat auf eine frühe Entlassung gehandelt.

Christian Streich (l.) und Adi Hütter. Foto: imago/photoarena/Eisenhuth + imago/SvenSimon

Auch wenn die Karten am Samstagnachmittag im Schwarzwaldstadion neu gemischt werden und alles auf null gestellt wird: Die Breisgauer sind nicht nur auf Grund des Trends favorisiert: Christian Streich hat seine Mannschaft sinnvoll verstärkt, die Heimstärke der Badener ist zudem bekannt.

Player to watch: Dominique Heintz, Der Neuzugang des 1. FC Köln übernimmt sofort die Rolle des Abwehrchefs, nachdem die Freiburger Caglar Söyüncü für die Rekordsumme von 21,1 Millionen Euro an Leicester City verkauften. Heintz kostete nur drei Millionen Euro, soll den Türken aber adäquat ersetzen. Sicher keine unlösbare Aufgabe für den erfahrenen Innenverteidiger.

Unser Tipp: 2:1


Dominique Heintz. Foto: imago/Sportnah


Borussia Mönchengladbach – Bayer 04 Leverkusen  (Sa., 18.30 Uhr)

Das erste Topspiel der neuen Saison am Samstagabend ist an Attraktivität kaum zu überbieten: Die Borussia und Bayer stehen für temporeichen Offensivfußball, den sich die Fans im Borussia-Park auch zum Saisonstart erhoffen. Die Gladbacher haben mit Blick auf die vergangene Saison etwas gutzumachen – in der Liga unterlag die Borussia zu Hause mit 1:5 und auch im Pokal gab's im Achtelfinale eine Heimniederlage. 

In der vergangenen Saison verlor Borussia Mönchengladbach sein Heimspiel gegen Bayer Leverkusen mit 1:5. Foto: imago/Jan Huebner

Trainer Dieter Hecking ist zwar noch lange nicht angezählt und hat viel Kredit, angesichts der oftmals nicht überzeugenden Darbietungen in der Saison 2017/2018 werden die Leistungen der Mannschaft aber in diesem Jahr von den Fans wohl von Beginn an etwas genauer unter die Lupe genommen. Gegner Leverkusen gilt für viele Fans und Experten als diejenige Mannschaft, der am ehesten zugetraut wird, an der Dominanz des FC Bayern zu kratzen. Das erste Spiel dient da möglicherweise schon als Fingerzeig, wohin es in dieser Saison gehen soll ...

Player to watch: Angreifer Alassane Plea hatte bei der Borussia keinen leichten Start: Der Rekordeinkauf (kam für 23 Millionen Euro aus Nizza) blieb in der gesamten Vorbereitung ohne einen einzigen Treffer – im Pokal beim 11:1 gegen BSC Hastedt platzte dann endlich der Knoten, obwohl es angesichts seiner Torchancen deutlich mehr Treffer hätten sein müssen. Wie gut wird der Franzose in der Bundesliga ankommen? Das Spiel gegen Leverkusen wird es zeigen.

Unser Tipp: 1:1


Alassane Plea. Foto: imago/DeFodi


1. FSV Mainz 05 – VfB Stuttgart (So., 15.30 Uhr)

Trainer der Rückrunde in der vergangenen Bundesliga-Saison war für viele sicherlich Tayfun Korkut vom VfB Stuttgart. Ohne jeglichen Kredit bei den Fans startete er mit dem VfB durch und führte den damaligen Aufsteiger aus der Abstiegszone noch fast in den Europapokal. Im Sommer hat Manager Michael Reschke ganze Arbeit geleistet und einige namhafte und sehr talentierte Spieler ins Schwabenländle gelockt. Für viele Experten ist der VfB diese Saison ein Kandidat für die Europa League-Plätze. Die Pflichtspiel-Premiere ging beim Pokalaus beim Drittligisten Rostock aber in die Hose. 


Mainz-Trainer Sandro Schwarz. Foto: imago/Martin Hoffmann


Der 1. FSV Mainz verlor in der Sommerpause ein paar wichtige Stammspieler. Abwehrchef Diallo spielt nun in Dortmund. Die Mainzer wurden aber mit zirka 28 Millionen Euro sehr gut abgefunden und investierten den Erlös in hungrige Talente. Für die Rheinhessen geht es erneut nur um den Klassenerhalt. Kurioser Fakt am Rande: Bei der letzten Heimpleite gegen die Schwaben hieß der Trainer noch Jürgen Klopp, dessen Nachfolger Tuchel, Hjulmand, Schmidt und Schwarz blieben ungeschlagen. (Quelle: bundesliga.de) 

Player to watch: Pablo Maffeo. Als der VfB kurz nach Ende der vergangenen Saison die Verpflichtung von Pablo Maffeo bekannt gaben, gingen die Fans auf die Barrikaden. Jedoch nicht jene des VfB, sondern die von Maffeos ehemaligem Verein Manchester City. Denn dem 21-jährigen Spanier trauten sie in England offenbar zu, sich mittelfristig im Team von Trainer Pep Guardiola durchzusetzen. Doch der sah das wohl anderes, und legte gegen den Wechsel kein Veto ein. Nun darf sich die Bundesliga an den Qualitäten des Rechtsverteidigers erfreuen.

Unser Tipp: 2:2

Rechtsverteidiger Pablo Maffeo, einer von acht Neuzugängen des VfB Stuttgart. Foto: imago/Pressefoto Baumann


Borussia Dortmund – RB Leipzig (So., 18 Uhr)

Die Spielplanmacher haben es gut gemeint mit dem diesjährigen Bundesligaauftakt: Mit der Partie Borussia Dortmund gegen RB Leipzig endet der 1. Spieltag am Sonntagabend spektakulär. Beide Vereine haben hohe Ambitionen, wobei die Dortmunder für ihren vom neuen Trainer Lucien Favre eingeleiteten Umbruch laut eigener Aussage noch Zeit brauchen. Die gibt es aber bekanntlich im Profi-Fußball nicht, daher war der glückliche Doppel-Last-Minute-Sieg im Pokal bei der SpVgg Greuther Fürth immens wichtig, um Unruhe und Zweifel noch vor dem Bundesligastart zu vermeiden.

Borussia Dortmund rettete sich beim Pokal in Fürth spät zum Sieg. Gegen Leipzig wird die Aufgabe nicht einfacher. Foto: imago/Sven Simon

Bei den Leipzigern läuft auch noch nicht alles rund: Die bisherigen Quali-Spiele zur Europa-League waren bislang reine Pflichterfüllung, im Pokal bei Viktoria Köln sprangen die Sachsen dem Desaster gerade noch so von der Schippe. Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick braucht noch Verstärkung im Mittelfeld und auf der offensiven Außenbahn – zum Bundesligastart muss er aber mit dem vorhandenen Spielermaterial Vorlieb nehmen. Doch schon damit dürften die Bullen ein schwieriger Gegner für die Borussen sein.

Player to watch: Wen hat Leipzig-Sportdirektor und -Trainer Ralf Rangnick da wohl aus dem Hut gezaubert? Marcelo Saracchi, 20 Jahre alt, Linksverteidiger, Uruguayer, kam für 13 Millionen vom argentinischen Spitzenclub River Plate. Angehender Superstar? Oder Fehleinkauf? Das Spiel im Signal Iduna Park bietet die ideale Gelegenheit, sich den Spieler erstmals etwas genauer anzuschauen.

Unser Tipp: 2:1


Marcelo Saracchi. Foto: imago/GEPA pictures



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