Michael Kohlmann im Interview Davis-Cup-Kapitän erklärt: Darauf kommt es beim Tennis auf verschiedenen Belägen an

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Hartplatz, Rasen, Sand – Tennisspieler sollten die Vorzüge und Tücken des Untergrundes kennen. Foto: imago/PhotoAlto/Laurence MoutonHartplatz, Rasen, Sand – Tennisspieler sollten die Vorzüge und Tücken des Untergrundes kennen. Foto: imago/PhotoAlto/Laurence Mouton

Hamburg. Rasen, Sand oder Hartplatz: Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann gibt im Interview Tipps, welcher Tennisplatzbelag für welchen Spielertypen am geeignetsten ist.

In Deutschland gibt es knapp 46.500 Tennisplätze. Davon sind mehr als 41.200 Freiplätze, die restlichen befinden sich in der Halle. Bei den US Open, die derzeit in New York ausgetragen werden, spielen die Profis um Rafael Nadal, Roger Federer und Alexander Zverev auf Hartplatz. Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, was das Spiel auf dem Hartplatz ausmacht, warum Federer der "Rasenkönig" ist und warum es in Deutschland fast nur Sandplätze gibt.

"Beim Hartplatz kann die Geschwindigkeit variieren, aber die Bälle springen in der Regel gleichmäßig ab, so dass sich ein Spieler gut drauf einstellen kann", sagt Kohlmann. "Besonders offensiven Spielertypen kommt dieser Belag entgegen", erklärt er.

Seit Februar 2015 ist Michael Kohlmann der Kapitän der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. Foto: imago/Sven Simon

Spiel auf Sand am langsamsten

Auf Sand würden die Bälle durch die vielen Körner sehr gebremst, dort seien die Absprünge allerdings am höchsten. Das Gegenteil dazu ist der Rasen. "Beim Rasen springen die Bälle recht flach ab, sie rutschen gut durch. Dadurch ist es ein sehr schneller Belag", sagt Kohlmann. Er selbst war besonders im Doppel erfolgreich. Allerdings konnte er in Wimbledon, dem einzigen Grand-Slam-Turnier auf Rasen, nicht über die 2. Runde hinauskommen. "Die Bilanz ist eigentlich traurig, die möchte ich lieber verschweigen", sagt er lachend. "Im Doppel entscheiden auf Rasen immer nur wenige Punkte, es kommt fast nur auf Aufschlag und Return an. Auf Rasen habe ich in all den Jahren nie so wirklich Glück gehabt", sagt Kohlmann. Bei den US-Open schaffte er es im Doppel bis ins Achtelfinale.

Als offensiver Spielertyp lag Michael Kohlmann das Spiel auf dem Hartplatz. Foto: imago/Claus Bergmann

Im Kontrast zu Kohlmanns eher schlechten Rasenbilanz steht der häufig als "Rasen-König" betitelte Roger Federer. Er hat in Wimbledon bereits acht Mal gewinnen können. "Federer ist ein unglaublich offensiver Spielertyp. Er hat einen extrem guten Aufschlag, ebenso sein erster Ball nach dem Aufschlag – das sind schon meist gewinnbringende Punkte", erklärt der Davis-Cup-Kapitän. 

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Auf Sand könnten ihn die Gegner eher etwas neutralisieren, wenn sie den Aufschlag etwas rausnehmen, sodass er den ersten Ball nicht mehr so offensiv spielen kann. "Auf Hartplatz hat er die US Open und Australian Open auch einige Male gewinnen können, von Wimbledon brauchen wir gar nicht reden. Auf diesen schnellen Belägen ist es für Gegner viel schwieriger, ihn in eine neutrale Zone hinter der Linie zu bekommen, von wo aus er sich den Punkt wieder neu aufbauen muss."

Roger Federer sucht während seiner Spiele oft den Weg zum Netz. Foto: dpa/Peter Klaunzer/KEYSTONE

Beim Grand-Slam-Turnier in Paris konnte Federer bislang nur einmal gewinnen. Das Spiel auf Sand kommt eher seinem Dauer-Rivalen, Rafael Nadal, entgegen. "Nadals Aufschlag ist nicht so gut wie der von Federer, dadurch muss er seine Punkte eher von der Grundline aus aufbauen. Das fällt ihm auf Sand viel leichter als auf schnelleren Belägen. Im Gegensatz zu Federer hat er auch nicht so den Drang zum Netz." Allerdings fügt Kohlmann hinzu, dass auch Nadal bereits auf allen Belägen die großen Turniere gewonnen hat. "Aber insgesamt gesehen hat er natürlich so viel Qualität, dass er überall gewinnen kann." 

Profis gewinnen auf allen Belägen

Heutzutage gebe es auch keine Spieler mehr, die nur auf einem Belag gut sind. "Das gab es früher mal, wenn man sich beispielsweise einen Sandplatzspezialisten wie Alberto Berasategui anschaut. Heutzutage sind auch die Spanier, denen man oft nachsagt, dass sie auf Sand am besten spielen, auf Hartplatz erfolgreich." Es gebe natürlich auch Ausnahmen. "Umgekehrt sieht man auch immer wieder mal sogenannte Aufschlagriesen in der zweiten Woche der French Open."

In Deutschland sind rund 1.390.000 Menschen in Tennisvereinen aktiv. Die meisten spielen dabei auf Sandplatz in der Sommersaison draußen und auf Teppich oder Kunstrasen in der Halle. Allerdings sagt Kohlmann, dass ein anderer Belag für Amateure am geeignetsten ist: "Normalerweise kommen alle auf dem Hartplatz am einfachsten zurecht. Dort ist der Absprung der Bälle am gleichmäßigsten, da kann man sich viel leichter drauf einstellen." Doch im Leben gebe es häufig die Denkweise: Was wir nicht kennen, das mögen wir nicht. "Aber in Deutschland ist man es gewohnt, draußen auf Asche und drinnen auf Teppich bzw. Granulat zu spielen. 

Denkweise wird sich nicht ändern

Deswegen ist man häufig dazu geneigt, wenn auf der Anlage oder in der Halle eine Erneuerung des Belags ansteht, das Vertraute beizubehalten und nicht den in meinen Augen moderneren Schritt zu wagen." Kohlmann glaubt nicht, dass sich diese Sichtweise im Amateursport ändern wird. Aber er fügt hinzu: "Muss es aber auch nicht, weil es eben auch Amateursport ist."


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