"All or Nothing" Neue Doku: Amazon Prime zeigt das Herz von Manchester City

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Pep Guardiola und Manchester City wurden neun Monate lang von einem Kamerateam begleitet. Foto: imago/PA ImagesPep Guardiola und Manchester City wurden neun Monate lang von einem Kamerateam begleitet. Foto: imago/PA Images

Manchester. Der Streamingdienst gewährt mit "All or Nothing" tiefe und detaillierte Eindrücke in die Arbeit hinter den Kulissen.

Die Kabine von Manchester City ist vollbesetzt, Saison 2017/18 in der englischen Premier League. Spieler sitzen vor ihren Spinden, die Betreuer stehen im Hintergrund. Doch nur eine Person spricht: Trainer Pep Guardiola. Wie ein Tiger im Käfig geht er im Kreis umher. Er gestikuliert, spricht auf sein Team ein. "Ich weiß, es ist schwer. Aber ihr müsst lernen, mutig Fußball zu spielen." Der Spanier legt einen Zwischensprint in der kleinen Kabine ein, um anschließend zurück zur Taktiktafel zu huschen und sich hinzuknien.


Es sind einzigartige Bilder, die dem Zuschauer dargeboten werden. Die achtteilige Amazon-Produktion "All or Nothing" mit Manchester City begleitet das Profi-Fußballteam während der gesamten Saison hautnah. Emotionale Kabinenansprachen von Guardiola, die intensive Kaderplanung mit den Managern und individuelle Gespräche mit Spielern, Betreuern, Physiotherapeuten und Fans – die Kamera ist dabei, neun Monate lang. 

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Rund 45 Minuten dauert jeweils eine Folge. In der ersten Ausgabe, die am Freitag im Rahmen des Streamingdienstes von Amazon Prime angeboten wird, erörtern die Macher die Frage, ob Guardiola als Trainer mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, in der vermeintlich härtesten Liga überhaupt bestehen kann.

Teils bemerkenswerte Bilder erlauben dem Zuschauer einen Eindruck davon, wie der Verein Manchester City arbeitet. So steht unter anderem die Verpflichtung von Sommerzugang Benjamin Mendy im Fokus. "Er war unser Zieltransfer Nummer eins – mit einem weiten Vorsprung vor dem zweiten Wunschspieler", sagt einer der zahlreichen Manager des Vereins.



In diesem Zusammenhang wird auch die schlimme Verletzung von Mendy, die er sich gleich zu Saisonbeginn zuzieht, beleuchtet. Von der Verletzung über die ersten Untersuchungen in einer Spezialklinik in Spanien bis hin zu seinen Videobotschaften an die Mannschaft, die er aus dem Krankenbett aufnimmt. Die Kamera ist immer dabei. Auch, als der Arzt die Diagnose mitteilt.  

Was ebenfalls ein Novum darstellt: Das Kamerateam ist dabei, als die Manager auf die Verletzung von Mendy reagieren: "Im schlimmsten Fall fällt Mendy für den Rest der Saison aus, eventuell müssen wir nochmal aktiv werden." Der Zuschauer fügt sich in solchen Situationen in die Rolle des stillen Beobachters, des Unsichtbaren ein. Die Dokumentationsreihe ist keine Aneinanderreihung von Interviews. Die Kamera wird oft in der Kabine, im Managerbüro oder während der Taktikbesprechung platziert, ohne dass jemand direkt zum Zuschauer spricht.

Guardiola: Vater, Bruder und Sohn

"Der Verein ist wie eine Familie. Letztlich verbringst du hier mehr Zeit als zu Hause", erklärt Spielmacher Kevin de Bruyne. Szenen aus dem Training – sowohl auf dem Rasen als auch in der Kabine – werden eingeblendet, es wird viel gelacht, gescherzt, rumgealbert. "Eines vermisse ich nach meiner aktiven Karriere am meisten: den Umkleideraum. Das ist der schönste Platz. Dort scherzt man rum, lästert über die Manager. Als Spieler teilt man dort unvergleichliche Momente“, schwärmt Guardiola. Dabei lässt er einen tiefen Einblick in seine Arbeit zu: "Ich habe nicht alle Antworten. Oft, wenn ich keine Ahnung habe, tue ich gegenüber den Spielern so, als hätte ich sie. Von Zeit zu Zeit fragen mich die Spieler Sachen über das Leben. Dann schlüpfst du in die Rolle eines Vaters, Bruders oder Sohnes."

Dabei ist Guardiola nicht die Hauptfigur der Dokumentation. Der Protagonist ist der Verein. Dazu gehören sowohl die Spieler als auch die Physiotherapeuten und Betreuer – vom Zeugwart bis zum Mannschaftsarzt. Auch der Spieler Kyle Walker bekommt die Kamera in die Hände und interviewt seine Teamkollegen Kevin de Bruyne und Fabian Delph auf süffisante Art und Weise. Die Dokumentation zeigt das Zusammenleben der Spieler im und mit dem Verein. 

Ob sich nun der langjährige Kapitän Vincent Kompany zwecks Regeneration in der Kühlkammer (-130 Grad) quält und den Zeugwart zwingt, ihn zu begleiten, oder de Bruyne sich nach dessen Siegtor gegen seinen Ex-Verein FC Chelsea in der Kabine feiern lässt: Für 45 Minuten ist der Zuschauer ein Teil des Vereins und erlebt die Dynamik innerhalb des Premier-League-Klubs. Der Cliffhanger am Ende der ersten Folge macht seinen Namen alle Ehre: ein Ausblick auf das Stadtderby mit Manchester United.

NFL-Teams im Fokus

Die Dokumentation wird in 200 Ländern ausgestrahlt. Amazon Prime hatte zuvor bereits im Rahmen der Serie "All or Nothing" die NFL-Teams Arizona Cardinals, Los Angeles Rams sowie die Dallas Cowboys eine Saison lang begleitet. In den USA war die Serie ein voller Erfolg. Durch die Neuauflage mit einem englischen Fußball-Verein erhofft sich der Streamingdienst einen ähnlichen Erfolg in Europa.


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