Quakenbrücker Basketballer im Interview NBA-Basketballer Isaiah Hartenstein: „Sie sehen eine Zukunft mit mir“

Von Malte Schlaack

Isaiah Hartenstein spielt in der kommenden Saison in der NBA für die Houston Rockets. Foto: KamperIsaiah Hartenstein spielt in der kommenden Saison in der NBA für die Houston Rockets. Foto: Kamper

Quakenbrück. Am 17. Oktober bestreiten die Houston Rockets ihr erstes Saisonspiel in der NBA gegen die New Orleans Pelicans. Mit dabei sein wird dann auch Isaiah Hartenstein. Der 20-jährige Basketballer spricht im Interview über seinen ersten Vertrag, ein Team voller Stars und Kontakt in die Heimat.

Herr Hartenstein, fassen Sie zu Beginn kurz ihr vergangenes Jahr einmal zusammen.

Ich wurde vor einem Jahr von den Houston Rockets gedraftet. Ich bin dann das Risiko eingegangen, ein Jahr in der G-League zu spielen, anstatt in Deutschland oder Europa zu bleiben und das zehnfache zu verdienen. Am Ende war es aber gut für mich, um die Systeme und das schnelle Spiel der Rockets zu lernen. Das hat mir sehr geholfen, als ich jetzt wieder in der Summer League gespielt habe. Insgesamt waren sie dort alle sehr zufrieden, auch Trainer Mike D´Antoni. Es war nicht der Weg, den ich mir beim Draft vorgestellt habe, aber es war ja nicht wegen spielerischer, sondern medizinischer Dinge. Aber jetzt bin ich in der NBA und habe gute Chancen.

Vor dem Draft hatten Ärzte wegen eines verheilten Bandscheibenvorfalls Bedenken angemeldet. Hatten Sie seitdem Beschwerden?

Wir sind danach wieder nach Deutschland gegangen und da war auch schon nichts mehr. Das sind aber so die kleinen Geschichten bei einem Draft, dass ein Team dich vielleicht später haben möchte und es dann erst einmal eine rote Flagge gibt. Jetzt bin ich aber in einer guten Situation. Ich bin bei einer sehr guten Mannschaft, die nicht unten in der Tabelle irgendwo rumgammelt. Für mich passt es genau, sie lassen die Großen auch von Außen spielen, ich kann werfen und meine Stärken ausspielen. Sie sehen eine Zukunft mit mir und das ist ganz wichtig.



Sie haben im vergangenen Jahr und auch jetzt wieder in der Summer League für die Rockets gespielt. Wie hat es sich angefühlt?

Es war jetzt viel besser, weil ich das Spiel dort kannte. Klar hätte ich viel mehr punkten können (Anm. d. Red.: Hartenstein kam im Schnitt auf 10,3 Punkte und 8 Rebounds), aber die Summer League ist ein Guard-Spiel. Die Aufbauspieler wollen punkten und das muss man sich als Großer seine Punkte erarbeiten. Allerdings musste ich ja nun auch nicht zeigen, dass ich punkten kann. Die Rockets haben ja James Harden.

Rockets-Coach D´Antoni beobachtet Sie genau. Was sagt er Ihnen im Gespräch?

Er mag, dass ich auf dem Feld viel machen kann. Ich kann werfen, von Außen spielen, andere Positionen verteidigen und spiele hart. Ich soll einfach genauso weiterarbeiten.


Isaiah Hartenstein spielt in der kommenden Saison in der NBA für die Houston Rockets. Foto: Kamper


Haben Sie mit dem Trainer schon darüber gesprochen, welche Rolle sie im Team einnehmen sollen?

Wir haben darüber gesprochen und man wird es dann während der Saison sehen. Noch ist das alles aber nicht für die Öffentlichkeit.

Sie werden künftig regelmäßig mit James Harden oder Chris Paul zu tun haben. Was machen diese Superstars für einen Eindruck auf Sie?

Es sind ganz normale Leute, mit denen ich ganz normal rede und nicht in Ehrfurcht erstarre.

Wie sieht Ihr Zeitplan bis zum Saisonstart im Oktober aus?

Ich werde erst einmal ein bisschen für mich trainieren, die richtige Vorbereitung mit dem Team startet dann Mitte September. Es sind jetzt aberauch schon einige Leute da und trainieren. Ich wollte aber sowieso etwas früher hingehen, mich um meine Wohnung kümmern und mich eingewöhnen.

Sie haben also schon eine Bleibe in Houston gefunden?

Ja, sie ist sogar nur drei Minuten von unserer Trainingshalle und der Arena entfernt. Da habe ich auch ein bisschen mehr Geld reingegeben und man kann dort gut leben.

Wie sehen Ihre Ziele für die kommende Saison aus?

Meister zu werden steht natürlich für uns alle ganz oben, aber erst einmal steht im Vordergrund, dass ich mich dort reinarbeite und immer mehr Minuten auf dem Feld bekomme.


Isaiah Hartenstein spielt in der kommenden Saison in der NBA für die Houston Rockets. Foto: Kamper


Dabei kann es natürlich auch passieren, dass sie noch einmal für die Rio Grande Valley Vipers in der NBA spielen.

Das ist richtig. Klar möchte ich jetzt nur noch in der NBA spielen, aber sie sind zufrieden und ich habe einen guten Eindruck gemacht. Nene (Anm. d. Red.: Konkurrent auf der Centerposition aus Brasilien) wird älter und älter und da werde ich meine Chance haben.

Sie spielen mit den Rockets in der Western Conference, die deutlich stärker als der Osten einzuschätzen ist.

Genau, gerade jetzt, wo LeBron James auch noch zu den Los Angeles Lakers in den Westen gewechselt ist. Natürlich haben wir eine sehr schwere Conference, aber das ist auch gut für uns, dass wir während der Saison schon so einen guten Wettbewerb haben. Wir haben dieses Jahr wieder eine gute Chance in die Finals zu kommen, nachdem wir jetzt schon nah dran waren.

Sie sind in der kommenden Saison der siebte Deutsche, der einen Vertrag in der NBA hat. Was sagen Sie über den deutschen Basketball?

Wir werden alle immer besser und besser. In der Zukunft wird es wahrscheinlich sogar schwer eine Mannschaft zusammenzustellen. Von sieben Spielern ist mit Dennis Schröder nur ein Aufbauspieler dabei. Das könnte also ein kleines Problem mit der Spielzeit für die großen Jungs geben.


Florian und Isaiah Hartenstein. Foto: Kamper


In Deutschland wird nicht gerne über Geld gesprochen, in den USA ist das anders. Sie werden in Ihrem ersten Jahr schon mehr als 800 000 Dollar verdienen. Spielt das eine Rolle für Sie oder machen Sie sich keine Gedanken?

Das it mir erst einmal egal, ich will nur Basketball spielen. Ich bin nicht der Typ, der viel Geld ausgibt. Es geht mir mehr darum, ganz normal zu leben und sich um die Familie zu kümmern. Ich möchte langsam etwas aufbauen. In den ersten Jahren versucht man etwas zu sparen und dann möchte ich etwas zurückgeben.

Wie könnte das aussehen?

Ich möchte im kommenden Jahr schon ein Basketballcamp für Kinder und Jugendliche in meiner Heimat Quakenbrück und auch in anderen Städten machen. Da gibt es erste Planungen. Für mich war es früher immer ein Highlight, wenn ich bei einem Camp war, dort spielen konnte und vielleicht sogar einen bekannten Spieler getroffen habe.

Sie halten nach wie vor viel Kontakt in die Heimat. Wie wird das künftig aussehen, wenn sie gerade während der Saison sehr wenig Zeit haben?

Ich werde im Sommer viel versuchen zurückzukommen. Erstmal wird es schwierig und ich muss dann auch im nächsten Sommer schauen, was mit der Nationalmannschaft ist. Bei den nächsten Spielen im September werde ich nicht dabei sein.


Isaiah Hartenstein spielt in der kommenden Saison in der NBA für die Houston Rockets. Foto: Kamper


Für viele Basketballfans gehört das Spiel auf der Konsole dazu. Freuen Sie sich schon, in diesen Videospielen aufzutauchen?

Auf jeden Fall, auch wenn ich ein bisschen dünner sein werde als jetzt. Die Scans für das Spiel wurden bereits im letzten Jahr gemacht. Es ist aber schon der Hammer, sich dann selbst spielen zu können.


Isaiah Hartenstein

Isaiah Hartenstein wird am 5. Mai 1998 in Eugene im US-Bundesstaat Oregon geboren. Kurz danach siedelt er mit seiner Familie nach Deutschland über, wo Vater Florian Hartenstein als Basketballprofi seine Karriere fortsetzt. Isaiah kommt früh mit dem Sport in Kontakt und entwickelt sich zu einem der größten deutschen Talente. Über die Artland Dragons und Zalgiris Kaunas geht es 2017 in die USA. Dort unterschreibt er im Sommer einen Vertrag bei den Houston Rockets.

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