Liverpool-Trainer "Die Orange wird ausgepresst": Klopp kritisiert Fifa und Medien

Von Gregory Straub

Jürgen Klopp sieht die Entwicklung im Profifußball mit Bedenken. Foto: imago/Action PlusJürgen Klopp sieht die Entwicklung im Profifußball mit Bedenken. Foto: imago/Action Plus

Liverpool. Der Liverpool-Coach hat den Weltverband für dessen Expansionswut kritisiert. Auch am FC Bayern lässt er kein gutes Haar.

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp sieht die Entwicklung des modernen Fußballs mit Bedenken. In einem Interview mit goal.com kritisierte der Coach die Medien und vor allem die Fifa und deren Expansionswut. "Einerseits bringen die Medien den Fußballklubs Geld, weil sie über uns berichten und alle Welt sich dafür interessiert. Andererseits ist nicht alles so, wie es sein sollte. Da sind nicht nur die Medien zu nennen, sondern auch Verbände wie die Fifa und die Tatsache, wie sie mit einem Event wie der WM umgehen, oder mit Turnieren wie der Uefa Nations League. Die Orange wird ausgepresst, bis irgendwann nichts mehr da ist, und all das passiert auf dem Rücken der Spieler", monierte der ehemalige Coach von Borussia Dortmund.

Klopp würde gerne weniger Interviews geben

Oder auf dem Rücken der Trainer. Zumindest lässt sich so seine Aussage deuten, welchen Erwartungen man als Coach gerecht werden muss: "Muss man nach einem verlorenen Spiel wirklich 17 Interviews geben? Das ist nicht das, was man tun will. Wenn man gewinnt, will man es übrigens auch nicht, es fällt nur leichter."

Er selbst lese „absolut gar nichts über englischen Fußball“ in der Presse, versichert er: „Manchmal gönne ich mir einen flüchtigen Blick auf die Berichte über uns, aber nur, wenn die Überschrift harmlos ist.“

Subtile Kritik am FC Bayern

Und doch ist sich Klopp bewusst, dass er als Teil des Fußball-Business' auch profitiert. "Es sind viele Dinge, die im Argen liegen. Aber all das produziert eben das Geld, das wir verdienen. Wie könnte ich mich also ernsthaft darüber beschweren?"

Rückblickend auf seine Tätigkeit bei Borussia Dortmund zwischen 2008 und 2015 äußerte Klopp subtile Kritk am FC Bayern München. Nachdem der BVB 2011 und 2012 Deutscher Meister geworden war und 2013 das Champions-League-Finale erreicht - und gegen die Bayern verloren - hatte, sei das Projekt in Dortmund durch den Rivalen ausgebremst worden. 

"Jemand kam und dachte: 'Sie sind zu gut, lasst uns verhindern, dass sie noch einen Schritt weiter gehen.'" Dass Klopp damit die Bayern meint, ist offenkundig: 2013 kauften die Münchner den Borussen Mario Götze weg, ein Jahr später wechselte Robert Lewandowski aus dem Ruhrpott in den Süden. "Wir waren immer noch eine gute Mannschaft, die Zweiter in der Bundesliga wurde oder ins DFB-Pokalfinale einzog. Aber es war nicht mehr exakt die gleiche Situation."


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