Flammender Appell auf Instagram Ex-Profi Naki fordert Özil auf: Kämpfe selber gegen Rassismus

Von Gregory Straub

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Deniz Naki wurde in der Jugend von Bayer Leverkusen ausgebildet. Foto: imago/pmkDeniz Naki wurde in der Jugend von Bayer Leverkusen ausgebildet. Foto: imago/pmk

Hamburg. Ex-Profi Deniz Naki hat sich via Instagram an Mesut Özil gewandt und den zurückgetretenen Nationalspieler angeklagt.

Ex-Profi Deniz Naki hat via Instagram einen Appell an Mesut Özil gerichtet und den zurückgetretenen Nationalspieler aufgefordert, nicht nur Rassismus zu beklagen, sondern selbst auch dagegen zu kämpfen. "In deiner Erklärung gehst du berechtigt auf den dir begegneten Rassismus und deine diesbezüglichen Gründe ein, die Nationalmannschaft zu verlassen. Wieso zeigst du diese Reaktion nicht, wenn es in der Türkei immer mehr zu rassistischen und faschistischen Angriffen auf mich oder auf kurdischstämmige oder zu anderen Minderheiten gehörenden Fußballern kommt?", schrieb der frühere Profi von Bayer Leverkusen und des FC St. Pauli in dem sozialen Netzwerk.


An die Presse und Öffentlichkeit Deniz Naki

Ein Beitrag geteilt von Deniz Naki (@deniznaki62) am Jul 25, 2018 um 9:33 PDT


Naki selbst spielte in den vergangenen drei Jahren für den kurdischen Club Amed SF und lehnte sich immer wieder öffentlich gegen die Verfolgung der Kurden in der Türkei auf. Auch am türkischen Präsidenten Erdogan übte Naki Kritik, so nannte der Ex-Profi das türkische Staatsoberhaupt wiederholt einen "Völkerverbrecher". 

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Der in Düren geborene Offensivspieler wurde nach seiner Kritik vom türkischen Fußballverband wegen "Diskriminierung und ideologischer Propaganda" auf unbestimmte Zeit gesperrt und zu einer Geldstrafe von umgerechnet knapp 50.000 Euro verurteilt - er beendete daraufhin seine Karriere. "Damit Menschen nicht sterben, habe ich mehrmals für den Frieden Haltung gezeigt. Ich wollte nicht, dass Menschen sterben, ich wollte, dass Menschen leben", erklärt Naki sein Verhalten in dem mehrseitigen Schreiben, das der Deutsch-Türke auch in türkischer Sprache veröffentlichte.

Naki aus Auto heraus beschossen

Anklagend schreibt Naki in Richtung Özil: "Du sagst, du findest die Erklärungen des DFB falsch. In der Türkei wurde die Karriere von einem Fußballer beendet. Ein für den Frieden stehender Mensch wurde als Terrorist abgestempelt. Wie war deine Reaktion diesbezüglich?"

Weiter fragt Naki: "Warum sehen diejenigen, die dich in der Türkei als 'heimisch' und 'national' betrachten, mich als 'Terroristen'? Warum akzeptieren diejenigen, die dein 'Türkendasein' unterstützen, mein 'Kurdendasein' nicht?" Fragen, auf die Özil direkt wohl keine Antwort geben kann.

Dafür appelliert Naki in Richtung Özil: "Ich fordere dich dazu auf, nicht nur gegen den Faschismus und Rassismus in Deutschland zu kämpfen, sondern auch gegen jegliche Arten davon auf der Welt. Ich fordere dich dazu auf, den in der Türkei den Kurden entgegengebrachten Rassismus sensibel wahrzunehmen und diesen ebenfalls zu bekämpfen."

Naki, der im Frühjahr in der Nähe von Düren aus einem Auto heraus beschossen worden und hinterher unter Polizeischutz gestellt worden war, schließt sein Statement mit dem Aussage: "Rassismus ist eine Krankheit, gestern hat es mich betroffen, heute betrifft es dich, und übermorgen wird es jemand anderes sein. Für eine freie, friedliche Welt voller Hoffnung und ohne Rassismus und Ausbeutung."


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