Rassismus, Medien, DFB Die wichtigsten Aussagen von Mesut Özil zum Rücktritt

Von Kim Patrick von Harling

Mesut Özil findet deutliche Worte gegen DFB-Präsident Reinhard Grindel. Foto: imago/Sven SimonMesut Özil findet deutliche Worte gegen DFB-Präsident Reinhard Grindel. Foto: imago/Sven Simon

Hamburg. Für einen Paukenschlag hat Fußball-Weltmeister Mesut Özil mit seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft gesorgt.

Nun ist es also offiziell: Fußball-Weltmeister Mesut Özil erklärt seinen Rücktritt aus dem DFB-Team. Aufgrund seines gemeinsamen Fotos mit Türkei-Präsident Recep Erdogan stand der 29-Jährige wochenlang in der Kritik. Am Sonntagabend äußerte sich der Deutsch-Türke zum ersten Mal zu der Kritik und begründete zugleich seinen Rücktritt. Die wichtigsten Aussagen in seinem dreiteiligen öffentlichen Brief zum Thema...

... Recep Erdogan

Özil erklärte noch einmal deutlich, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen würden: ein deutsches und ein türkisches. "Das gemeinsame Foto hatte keinen politischen Hintergrund", stellt der Spieler von Arsenal London klar. "Es ging mir nur darum, dem höchsten Amt des Landes meiner Familie Respekt zu zeigen." Zudem hätten Erdogan und Özil nur über ein Thema gesprochen: Fußball. Sich nicht mit Erdogan zu treffen, wäre respektlos gewesen, heißt es weiter in seinem Tweet. "Für mich hat es keine Rolle gespielt, wer der Präsident ist, sondern dass er der Präsident ist."

... Medien und Sponsoren

In den vergangenen Wochen wendeten sich zahlreiche Sponsoren von Özil ab, auch die deutsche Medienlandschaft ließ oft kein gutes Haar an den Auftritten des Nationalspielers. "Einige deutsche Medien haben meine Wurzeln und das Foto mit Erdogan als rechte Propaganda für ihre politischen Interessen genutzt", findet Özil deutliche Worte. Das könne er nicht akzeptieren. Viele dieser Medien hätten das Foto als Grund für das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft fokussiert. "Hier wurde eine rote Linie überschritten, als Zeitungen versuchten, die Gesellschaft Deutschlands gegen mich aufzubringen." Die Sponsoren des DFB hätten sich ebenfalls gegen Özil gewendet, Termine und Projekte wären entsprechend abgesagt worden. "Für die Sponsoren war es nicht mehr gut, sich mit mir sehen zu lassen. Das sollte dann das "Krisenmanagement" sein", zeigt Özil kein Verständnis für die Sponsoren. "Wie ich bereits gesagt habe, "Partner" sollten immer an dir festhalten. Adidas, Beats und BigShoe waren extrem loyal." 

... DFB

"Was mich am meisten frustriert hat in den letzten Monaten war der schlechte Umgang des DFB mit mir, explizit der von DFB-Präsident Reinhard Grindel", leitet Özil seinen Rundumschlag gegen Grindel und co. ein. "Während ich Grindel die Gründe für das Foto erklärte, war dieser viel mehr daran interessiert, über seine eigene politische Sicht zu sprechen und meine Sicht der Dinge herabzusetzen." Özil traf sich mit dem deutschen Präsidenten Frank-Walter Steinmeier. Der Ex-Nationalspieler zeigte sich tief beeindruckt von der Zusammenkunft: "In Gegensatz zu Grindel, zeigte sich Präsident Steinmeier professionell. Er war sehr interessiert, was ich zu sagen hatte über meine Familie, meine Herkunft und meine Entscheidungen." Nach dem Turnier betonte Grindel noch einmal den Wunsch, Özil solle sich doch zu dem Foto in der Öffentlichkeit äußern. Mit deutlichen Worten erklärte Özil, dass er sich jetzt gemeldet hätte, weil er es wollte – nicht für Grindel. "Grindel wollte mich aus dem Team haben, aber Joachim Löw und Oliver Bierhoff haben sich für mich stark gemacht", erklärt Özil weiter. "In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern bin ich ein Deutscher, wenn wir gewinnen. Wenn wir verlieren, bin ich ein Immigrant." Dann richtet er sich direkt an Grindel: "An Sie, Reinhard Grindel: Ich bin enttäuscht, aber nicht überrascht, was Sie getan haben. In 2004 als Bundestagsabgeordneter haben Sie gesagt, dass "Multikulturalismus in Wahrheit nur ein Mythos und eine lebenslange Lüge" sei. Sie haben sich gegen eine doppelte Staatsbürgerschaft ausgesprochen. Der Islam sei zu verwurzelt in den deutschen Städten. Das ist unverzeihlich und unvergesslich." 



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