Russischer Nationalspieler im Interview Ex-Schalke-Profi Neustädter: „Homo“ darf nicht mehr als Schimpfwort gelten

Von Kim Patrick von Harling

Roma Neustädter spielt seit zwei Jahren in der Türkei. Foto: imago/VI ImagesRoma Neustädter spielt seit zwei Jahren in der Türkei. Foto: imago/VI Images

Hamburg. Der ehemalige deutsche und aktuelle russische Nationalspieler Roman Neustädter verdient sein Geld seit zwei Jahren bei Fenerbahce Istanbul. Im Interview spricht der 30-Jährige über Homophobie im Profi-Fußball, sein Leben am Bosporus auf und abseits des Platzes, Fotos mit Präsident Erdogan sowie eine mögliche Deutschland-Rückkehr.

Herr Neustädter, die WM ist seit Sonntagabend beendet. Die russische Nationalmannschaft hat mit dem Erreichen des Viertelfinales und dem Fast-Einzug ins Halbfinale für Furore gesorgt…

Roman Neustädter: Ich war eigentlich wenig überrascht. Mir war es wichtig, dass die Jungs das Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien gewinnen und dadurch die Euphorie entsteht. Genau das haben sie geschafft. Dann haben sie den ganzen Schwung, die Atmosphäre mitgenommen und die Fans begeistert. Das hat ihnen Auftrieb und Selbstvertrauen gegeben. Auch Energie wurde dadurch freigesetzt. Das hat sie daran glauben lassen, dass man weit kommen kann. Man hat nach dem ersten Spiel gesehen, dass das ganze Land hinter der Mannschaft steht – jeder einzelne. Ich war wirklich beeindruckt von den Jungs und den Spielen. Sie haben etwas Großes geleistet und sind erst im Viertelfinale durch etwas Pech ausgeschieden. Trotzdem wurden die Menschen begeistert. Ich hoffe, dass es dadurch einen Schub im russischen Fußball gibt. 

Sie standen im vorläufigen Kader Russlands. Am Ende hat es nicht für den 23-Mann-Kader gereicht. Wie haben Sie damals die Ausbootung aufgenommen?

Das ist natürlich nicht schön, wenn man schon dabei gewesen ist. Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land ist ein Traum. Dann kurz vor knapp aus dem Kader heraus geschmissen zu werden, ist natürlich sehr schade, bitter. Ich habe alles für die WM getan, hatte die gesamte Saison durchgespielt. Meiner Meinung nach habe ich gute Trainingsleistungen erbracht. Am Ende hat sich der Trainer dagegen entschieden. Ich weiß immer noch nicht, warum. Wir haben miteinander geredet, der Trainer hat mir seine Gründe genannt. Meiner Meinung nach hat es nichts mit meiner Leistung zu tun gehabt, dabei bleibe ich. Ich kann gut einschätzen, wie ich drauf war, ob ich gut trainiert habe oder nicht. Im Endeffekt entscheidet der Trainer, manchmal spielen halt andere Faktoren eine Rolle. Nichts desto trotz hat er gute Arbeit geleistet mit den Jungs. Mich hat es für sie gefreut. Sie haben endlich die Anerkennung bekommen, die ihnen zusteht. Die Jungs arbeiten wirklich viel und hart, das wird gerne mal unterschätzt. Im Vorfeld wurde viel Negatives geschrieben über die Mannschaft, weil sie keine guten Ergebnisse eingefahren hat. Der Druck war groß. Umso bemerkenswerter war es, wie die Jungs aufgetreten sind. 

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, mit einer solchen Nachricht in den Urlaub zu gehen?

Natürlich ist es mir schwer gefallen. Lange beschäftigen darfst du dich nicht damit, sonst machst du dich verrückt. Ich habe es professionell aufgenommen, bin nach Hause gefahren und fing an, Energie zu tanken. Dreieinhalb Wochen später sollte ich ja schon bei meinem Verein aufschlagen.

Der Trainer hat sich gegen mich entschieden - ich weiß immernoch nicht, warum.Roman Neustädter

Mit welchen Gefühlen haben Sie dann die WM der russischen Nationalmannschaft erlebt?  

Es war sehr bitter und ich war traurig, dass ich nicht Teil davon sein konnte. Mit anzusehen, wie die Jungs ganz Russland begeistert haben ohne mich. Trotzdem hat es mich für die Jungs gefreut. In Russland entsteht gerade etwas, das war auf jeden Fall der erste und wichtigste Schritt, damit das in Gang gesetzt werden konnte.

Haben Sie das Thema Nationalmannschaft nun abgehakt?

Ich werde einfach weiter Gas geben und versuchen, meine Leistung im Verein abzurufen. Dann wird man sehen, ob mich der Trainer nochmal einlädt oder nicht. Ich möchte nur eine reelle Chance haben. In den zwei Jahren Nationalmannschaft habe ich zwei Pflichtspiele gemacht (Anm. d. Red.: Bei der EM in Frankreich). Es ist halt schwierig, jeder der Jungs spielt bei einem anderen Verein. Bei der Nationalmannschaft ist man immer nur für wenige Tage zusammen. Ich wünsche mir, dass wenn ich mal wieder dabei sein sollte, ich zwei, drei Spiele am Stück machen kann, um Sicherheit zu haben und die Abläufe der Mitspieler kennenzulernen. Wir hatten vor der WM mit einem anderen System mit einer Fünfer-Abwehrkette gespielt. Ich muss schon zugeben, dass ich mich in der Viererkette wohler fühle. Das ist schon eine gewisse Umstellung.

Sie hatten zwei Freundschaftsspiele für die deutsche Nationalmannschaft absolviert. Dann entschieden Sie sich für Russland. Was waren die Gründe?

Im November 2012 feierte Roman Neustädter sein Debüt im Dress der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande (hier mit Dirk Kuyt). Foto: imago/Sportfotodienst

Ich habe mich nie 100 Prozent deutsch oder 100 Prozent russisch gefühlt. Mit vier Jahren bin ich nach Deutschland gekommen und habe dem Land viel zu verdanken, aber genauso weiß ich, wo meine Wurzeln sind. Als dann das Angebot der russischen Nationalmannschaft kam, musste ich natürlich schon überlegen. Ich habe nie vergessen, wo ich her komme. 

Neben russischen und deutschen Wurzeln steckt auch ein wenig Ukrainer in Ihnen. Dort sind Sie geboren. War die ukrainische Nationalmannschaft je ein Thema?

Das war angeblich in 2012 vor der Europameisterschaft ein Thema. Da gab es jedoch nie eine konkrete Anfrage vom Verband, das wurde eher in den Medien hochgekocht.

Jeder soll sich sein eigenes Bild von Russland machenRoman Neustädter

Bereits vor der Weltmeisterschaft wurde Gastgeber Russland für seine politische Ausrichtung kritisiert. Kurz um: Russland wurde sehr negativ als Ausrichter betrachtet. Zu Recht?

Auch das wurde alles in den News etc. thematisiert. Das spiegelt aber in keinster Weise das Bild eines russischen Menschen wider. Seitdem ich in der Türkei lebe und für Russland spiele erlebe ich ja intensiv, wie über die jeweiligen Länder berichtet wird. Vor der WM habe ich sämtlichen Leuten, die mich gefragt haben, ob es eine gute WM werden würde, gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen müssen. Es ist ein mega schönes Land mit offenen Menschen, obwohl man das eventuell nicht vermuten würde. Die Klischees spielen da natürlich eine Rolle, was jeder selbst für ein Bild eines klassischen Russen hat. Viele Freunde von mir waren bei der WM in Russland und berichteten mir danach, wie nett die Leute dort gewesen seien. Alle hätten einen geholfen, das hatten meine Freunde so nicht erwartet. Man kennt Russland nicht so, es ist halt auch nicht das Urlaubsziel Nummer eins. Jeder, den ich kenne und dort war, zeigte sich begeistert. 

Wo haben Sie die WM verfolgt?

Ich war im Urlaub. Wenn ich es geschafft habe, habe ich die Spiele geguckt. Von Russland habe ich alles gesehen, ansonsten nicht viel. Ich wollte ein bisschen abschalten.

Und die Spiele der deutschen Nationalmannschaft?

Das erste Spiel gegen Mexiko habe ich eine Halbzeit lang verfolgt. Die anderen beiden Partien habe ich komplett gesehen.

Wie bewerten Sie die Leistung des DFB-Teams?

Dieses Abschneiden hat sicherlich niemand erwartet, natürlich ist man damit unzufrieden. Man darf es aber nicht so krass überbewerten und jeden einzelnen Stein umdrehen. Der Bundestrainer und die Mannschaft haben die Jahre zuvor vieles richtig gemacht. Irgendwann gibt es halt so ein Turnier, wo es nicht passt. Jetzt wird man die richtigen Schlüsse ziehen. Spätestens zur Euro in zwei Jahren stellt Joachim Löw eine starke Mannschaft auf.

Können Sie die oft erhitzten Diskussionen über Mesut Özil und Ilkay Gündogan nach dem Erdogan-Foto nachvollziehen?

Mesut Özil posierte gemeinsam mit Türkeis Staatschef Recep Erdogan. Foto: dpa

Irgendwo kann ich die Diskussion nachvollziehen. Dennoch macht für mich dadurch der Mensch kein Unterschied aus – ob er nun ein Foto mit Erdogan gemacht hat oder nicht. Mesut Özil ist ja schon länger bei der deutschen Nationalmannschaft, er ist Deutscher. Für mich wurde das Thema zu hoch geschaukelt und zu viel drüber geredet. Dadurch holen sich einige Menschen auch ein Alibi. Allgemein kann das nicht der Grund gewesen sein, weshalb Deutschland so schlecht abgeschnitten hat. Hätte Deutschland die WM gewonnen, hätte kein Mensch mehr darüber gesprochen. Ich habe Özil nicht so schlecht gesehen, wie er bewertet worden ist. Er hat trotzdem viele Chancen für seine Mitspieler kreiert, er kann halt nicht alles auf einmal machen 

Würden Sie sich mit in Deutschland umstrittenen Politikern wie Donald Trump, Wladimir Putin oder Recep Erdogan fotografieren lassen?

Bei uns nach einem Spiel war zum Beispiel auch Erdogan in der Kabine, als wir gewonnen haben. Da hat er mir auch die Hand geschüttelt. Da wurden Fotos gemacht, aber ich habe es nicht hochgeladen. Ich habe mit dem Mann nichts am Hut. Er macht sein Ding, ich mache mein Ding. Ich respektiere jeden Menschen, deshalb verlange ich selbst auch Respekt.

Tragen Sportler in Ihrer Außenwirkung auch eine politische Verantwortung? Stichwort "Vorbilder".

Wir sind schon Vorbilder für viele Kinder und Jugendliche, allerdings nicht unbedingt in Verbindung mit der Politik. Ich selbst informiere mich über Politik. Aber es liegt nicht an mir, sie zu beurteilen. Ich konzentriere mich auf den Sport. Eigentlich habe ich mit Politik sonst auch nichts am Hut.

Vor allem in den sozialen Netzwerken schlagen solche Themen hohe Wellen. Verständlich, kann man sich recht anonym zu prekären Themen äußern, oftmals auch unsachlich. Eine Gefahr auch für Sportler wie Sie?


Wir leben jetzt in dieser Zeit mit den sozialen Medien. Dort ist es Menschen einfach möglich, Frust loszuwerden. Manche müssen dafür halt den Kopf hinhalten. Klar liest man die Kommentare, aber ich bin schon so weit, dass es mir egal ist, wenn jemand etwas Schlechtes schreibt. Ich bin gut darin, mich selbst zu reflektieren und weiß, welche Kritik ich annehmen kann. Beschimpfungen gibt es immer wieder, das kann man nicht abstellen. Wenn man keine Lust darauf hat, sollte man sich da nicht anmelden. 

Sie achten sehr auf Ihr Äußerliches, auf Ihrem Instagram-Account (316.000 Follower) präsentieren Sie sich oft sehr modisch. Dafür hagelt es in aller Regelmäßigkeit Beschimpfungen. Das Wort „Schwuchtel“ ist auch ein ständiger Begleiter unter Ihren Fotos. 2016 reagierten Sie direkt auf einen entsprechenden Kommentar: "Wenn du ein Rassist oder homophob bist, verschwinde von meinem Insta". Zwei Jahre ist das nun her, Ihre Reaktion hat hohe Wellen geschlagen. Wieso haben Sie überhaupt reagiert?

Wir leben in einer Zeit, in der „Homo“ etc. nicht mehr als Schimpfwort gesehen werden sollte. Kein Mensch ist mehr wert als der andere. Deshalb hat mir das irgendwann gereicht, ich wusste aber nicht, dass das so hohe Wellen schlagen würde. Durch das Social Media gibt es viel Mobbing, viele Menschen leiden darunter und werden womöglich depressiv. Ich wollte ein Zeichen gegen die Leute setzen, die sich mit solchen Kommentaren im Internet verstecken. Wir leben in einer Zeit, in der alles möglich ist und jeder seine Freiheiten hat. Man sollte niemanden in einer Art beschimpfen, von der man keine Ahnung hat. 

Große Themen sind in Russland Homophobie und Ausgrenzung von Minderheiten. Warum ist das Thema in Russland nach wie vor so groß, überspitzt gefragt: Wie ticken die Menschen in Russland?

Es gibt auch in Russland Homosexuelle. Ich denke nicht, dass die Leute dort Probleme damit haben. Wenn ich in Russland bin, bekomme ich davon nichts mit. Es gibt zum Beispiel keine russischen Kommentare, in denen ich als "Homo" beschimpft werde. Deswegen war diese ganze negative Berichterstattung über das Land zu viel für mich. Man sollte sich selbst ein Bild machen und nach Russland fliegen, dann erst darf man die Situation beurteilen. Das kommt aber leider nicht oft vor.

Gesellschaftlich ist die sexuelle Ausrichtung glücklicherweise längst kein Tabu-Thema mehr. In den Fußballstadien dieser Welt gilt Homosexualität immer noch oft als Beleidigung. Wieso ist es im Fußball immer noch ein so negativ behaftetes Thema?  

Fußball sieht eventuell nicht so hart wie andere Sportarten aus. Ich glaube einfach, dass solche Beschimpfungen wie "Schwuchtel" von den Rängen aus den Emotionen und dem Adrenalin entstehen. Das ist nie persönlich gemeint. Wenn sich solche Leute danach selbst reflektieren und darüber nachdenken, ist es ihnen sicherlich peinlich. Als Spieler und Fan ist man einfach im Tunnel. Die Enttäuschungen, die Emotionen, das gehört zum Sport. Davon lebt er.

Nach Stationen in Mainz, Gladbach und Schalke spielen Sie seit zwei Jahren in der Türkei bei Fenerbahce Istanbul. Die Türkei gilt in Sachen Homosexualität ebenfalls nicht als besonders tolerant. In Istanbul wurde erst Anfang Juli die Gay-Pride-Parade von Polizisten verhindert. Unter anderem wurden Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt…. 

Ich habe hier keine negativen Erfahrungen gemacht. Die Menschen in der Türkei sind sehr offen, ich kann nur Positives sagen. Ich habe den Schritt in die Türkei nie bereut.

Kommen wir zum Sportlichen zurück. Istanbul ist Ihre erste Station außerhalb Deutschlands. Fühlen Sie sich nach wie vor wohl?


Auf jeden Fall! Der Anfang ist natürlich immer schwierig, gerade wenn man in ein komplett neues Land geht. Die Heimat ist da nicht gleich um die Ecke. Die Jungs haben mich aber super aufgenommen, die Stadt ist einmalig, das Essen ist super. Im zweiten Jahr lief es auch für mich persönlich im Verein besser.  

Welche Unterschiede machen Sie auf und abseits des Platzes im Vergleich zum Profi-Dasein in Deutschland aus?

Alles ist extremer in der Türkei. Egal, wo man hingeht, die Leute erkennen mich in der ganzen Stadt. Die Leute verlangen nach Fotos und Autogrammen. Ich komme in ein Restaurant und die Gäste schauen einen sofort an. Die Fans leben den Fußball hier noch mehr. Der Sport steht hier sogar teilweise über der eigenen Beziehung. Deshalb machen die Spiele auch Spaß, die Stimmung in den Stadien und die Atmosphäre sind emotionaler. Das ist einer der Gründe, weshalb ich in die Türkei gegangen bin.

Sie gehören bei Fenerbahce zum absoluten Stammpersonal, bestritten in der vergangenen Spielzeit fast alle Partien über die volle Distanz, Sie können in der kommenden Saison womöglich in der Königsklasse spielen. Ihr Vertrag läuft im Sommer 2019 aus, noch könnte Istanbul bei einem möglichen Verkauf Ablöse für Sie kassieren – gibt es von Ihrer Seite aus Gedanken an einen Wechsel?

Roman Neustädter fühlt sich im Trikot von Fenerbahce Istanbul wohl. Foto: imago/Seskim Photo

Nein gar nicht. Mein Ziel ist es erst einmal, nach dem Urlaub fit zu werden. Dann stehen wichtige Spiele für die Champions-League-Qualifikation an, über alles andere denke ich nicht nach. Ich bin froh, wieder bei der Mannschaft zu sein. Ich merke, dass ich hier anerkannt und beliebt bin. Wir lachen auch viel zusammen, deshalb habe ich mich wirklich gefreut, wieder nach Istanbul zu kommen, das hilft bei der Arbeit. Alles Weitere wird man in der Zukunft sehen.  

Gibt oder gab es Angebote anderer Vereine?

Bisher nicht. Der Transfermarkt allgemein ist ja auch noch ganz ruhig, auch wegen der WM.

Sie sind mit 30 Jahren im gediegenen Fußballer-Alter: Können Sie sich vorstellen, bei Fenerbahce "alt" zu werden? Oder besteht der Wunsch, noch einmal nach Deutschland zurückzukehren?

Es muss halt alles passen. Der Verein, das Umfeld, die Stadt. Vielleicht mache ich irgendwann auch etwas ganz anderes. Momentan fühle ich mich hier einfach wohl. Wenn jemand anfragt, kann man immer noch überlegen. Mit geht es in der Türkei so gut, dass ich zurzeit gar nicht nach Deutschland zurück möchte.

Nach der WM beginnt nun allmählich die heiße Transferphase. Eines der heißesten Objekte auf dem Markt ist einer ihrer ehemaligen Teamkollegen Max Meyer. Seinen Vertrag beim FC Schalke 04 hat er nicht verlängert, ist also ablösefrei zu haben. Meyer wird unter anderem auch mit Fenerbahce in Verbindung gebracht. Hat er sich schon bei Ihnen über den Verein erkundigt?

Roman Neustädter und Max Meyer jubelten gemeinsam beim FC Schalke 04. Foto: Imago/Sportfotodienst

Nein, hat er noch nicht. Das Gerücht habe ich auch irgendwo gelesen. Ich weiß nicht, ob es stimmt oder nicht. Es gibt natürlich viele Gerüchte über Max. 

Seit dem 28. Juni läuft das Training bei Fenerbahce, Sie sind seit dem 3. Juli dabei. Neu ist der Trainer Philip Cocu, der Niederländer machte sich als aktiver Fußballspieler weltweit einen Namen. Was sind die ersten Eindrücke?

Wir machen sehr viele Spielformen, viel mit dem Ball. Bei seinem Training mit verschiedenen Vorgaben muss man den Kopf einschalten. Es macht sehr viel Spaß. Die Mannschaft zieht voll mit, man erkennt von Tag zu Tag mehr, dass sie erkennt, was der Trainer will. Ich habe einen sehr positiven Eindruck. Philipp Cocu ist ein ruhiger, sachlicher Mensch, der auf dem Platz viel erklärt, wenn irgendwas nicht so läuft, wie er es sich vorstellt oder was er erwartet. Das wirkt alles wirklich professionell. Cocu hat beim FC Barcelona als Sechser vor der Abwehr gespielt, das sagt schon einiges über seine Qualitäten aus. Er hatte eine sehr gute Übersicht, er ging immer voran und war einer, der der Mannschaft hilft. So kommt er mir auch als Trainer vor. 

Vor Cocu hatten Sie Trainer wie Michael Frontzeck, Lucien Favre, Jens Keller, Andre Breitenreiter und sogar Joachim Löw vor der Brust. Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt?

Lucien Favre half der Karriere von Roman Neustädter auf die Sprünge. Foto: imago/Sven Simon

Lucien Favre natürlich. Unter ihm habe ich angefangen, regelmäßig in der Bundesliga zu spielen. Als er kam, habe ich bei Gladbach eine Saison lang komplett durchgespielt. Ihm habe ich meine gesamte Karriere zu verdanken. Er arbeitet sehr individuell mit den Spielern, nicht nur mit mir. Auch mit so vielen jungen Akteuren wie damals Tony Jantschke, Marco Reus, Patrick Herrmann und André ter Stegen. Favre kann jeden Spieler besser machen - egal, ob derjenige 18, 23 oder 33 Jahre alt ist. Er ist mein Wegweiser im Fußball. Wir haben noch ab und zu Kontakt, rund um Weihnachten oder zum Geburtstag.

Welche sportlichen Ziele und Ambitionen haben Sie kurz- und langfristig?

Jeder hat natürlich seine Ziele und Ambitionen. Aber langfristig schaue ich manchmal gar nicht. Ich blicke eher auf das, was ich heute oder die nächsten Tage noch zu erledigen habe. Ich will einfach gesund bleiben und von Spiel zu Spiel sehen. Meinen Fokus lege ich auf den jeweiligen Tag. Klar habe ich meine Träume. Aber dafür muss ich jeden Tag fit bleiben und gut arbeiten.


Roman Neustädter

Roman Neustädter (30) ist ein russischer Fußballprofi, der seit zwei Jahren für den türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul spielt. Zuvor stand er in Deutschland bei den Bundesligavereinen 1. FSV Mainz, Borussia Mönchengladbach und FC Schalke 04 unter Vertrag. 

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