Verhältnis noch immer belastet Kritik an Philipp Lahm: Ballack lässt andere für sich sprechen

Von Gregory Straub

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Michael Ballack (l.) und Philipp Lahm haben nicht das beste Verhältnis. Foto: dpaMichael Ballack (l.) und Philipp Lahm haben nicht das beste Verhältnis. Foto: dpa

Hamburg. Michael Ballack hat Philipp Lahm für dessen Aussagen über Bundestrainer Jogi Löw kritisiert - aber nur indirekt und subtil.

Acht Jahre ist es her, dass Philipp Lahm nach einer öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht Michael Ballack als Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ablöste. Eine lange Zeit. "Capitano" Ballack hat seine Karriere längst beendet und auch Weltmeister Philipp Lahm ist nicht mehr aktiv.

Doch das Verhältnis der beiden ist seither belastet, Ballack äußerte sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch über die Art und Weise, wie sich Lahm seinerzeit positionierte. 

Jetzt hat der "Capitano" wieder Kritik geübt, doch dabei andere für sich sprechen lassen: Am Dienstagabend teilte Ballack den Tweet eines Journalisten, der Lahms jüngste Kritik am Führungsstil von Bundestrainer Joachim Löw süffisant kommentierte.

Lahm hatte nach dem Vorrundenaus der Nationalmannschaft bei der WM in Russland Löws Umgang mit den Nationalspielern hinterfragt und dem Bundestrainer eine Neuausrichtung seiner Arbeit empfohlen.

Ballack fühlt sich offenbar an 2010 erinnert

Ballacks Retweet lässt vermuten, dass er sich bei der Art und Weise von Lahms Attacke auf den Bundestrainer an 2010 zurückerinnert fühlt. Damals hatte sich Kapitän Ballack kurz vor der WM schwer verletzt und Lahm die Spielführerbinde interimsmäßig übernommen. Kurz vor Ende des Turniers äußerte Lahm dann in einem Interview den Anspruch, das Kapitänsamt dauerhaft behalten zu wollen. "Die Rolle des Kapitäns macht mir sehr viel Spaß. Ich habe Freude daran. Wieso sollte ich das Amt dann freiwillig abgeben?", sagte der damalige Bayern-Spieler seinerzeit. Für Ballack ein Affront.

Noch heute glaubt der Vizeweltmeister von 2002 und WM-Dritte von 2006, dass sein durch Lahms eingeleiteter Abschied aus der Nationalmannschaft eine konzertierte Aktion zwischen dem Spieler und dem Bundestrainer war: "Lahm ist ein intelligenter Junge. Um in so einer Situation ein Interview zu geben, das macht man nicht einfach so. Da muss man schon einen Doppelpass mit dem Trainer führen, um sich so weit aus dem Fenster zu lehnen. Das sagt mir mein Gefühl." 2010 hatte lediglich Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff Philipp Lahm für sein Vorpreschen kritisiert, der Bundestrainer hatte zu Lahms gestellten Ansprüchen geschwiegen.

"Das war schon ein Frontalangriff"

Eine öffentliche Schlammschlacht begann, aus der Lahm als Sieger hervorging: Er blieb in den folgenden Jahren Kapitän der Nationalmannschaft und trat 2014 als Weltmeister auf der ganz großen Bühne zurück, Ballack dagegen absolvierte nie wieder ein Länderspiel.

"Dass er mir damals die Binde beim DFB weggenommen hat, war nicht so schön. Das kam für mich auch überraschend", zeigte sich Ballack Ende 2017 in einem Interview noch immer gekränkt. "Da habe ich den anderen Philipp Lahm kennengelernt, den energischen, den zielstrebigen, der auch andere Facetten hat."

Heute heißt das "Alphatier" Jogi Löw 

Der Lahm also, der "zubeißt, wenn das Alphatier angeschlagen ist", wie es in dem jetzt geteilten Tweet heißt? „Die Art und Weise war nicht in Ordnung, da stehe ich heute noch zu. Als Kapitän ist man Kapitän, auch wenn man verletzt ist. Wenn man die Binde dann einfordert, das kannte ich so nicht. Das war schon ein Frontalangriff", so Ballack.

In der heutigen Debatte heißt das "Alphatier" nicht mehr Ballack, sondern Löw. Der Bundestrainer hat derzeit in der Öffentlichkeit einen schweren Stand und wirkt angeschlagen wie nie zuvor in seiner zwölfjährigen Amtszeit. Dass Lahm ausgerechnet jetzt den Finger in die Wunde legt und die Methoden von "Bundes-Jogi" in Zweifel zieht, polarisiert. 

Hitzfeld würde DFB-Funktion für Lahm begrüßen

Ex-Bundestrainer Rudi Völler beispielsweise widerspricht Lahm in seiner Aufforderung an Löw vehement: "Jogi Löw muss sich gar nicht ändern. Er weiß, wie er die Mannschaft zu führen hat." Ex-Nationalspieler Didi Hamann findet sogar, Lahms Worte in Richtung Löw seien ein Unding. „Ich halte die Aussagen für unangebracht. Zum einen, weil der Bundestrainer wahrscheinlich als erfolgreichster Trainer des DFB in die Geschichte eingehen wird. Zum anderen war er derjenige, der Philipp Lahm ins zentrale Mittelfeld gestellt hat, wo er spielen wollte. Ihm zu sagen, was er zu tun hat, halte ich für respektlos und anmaßend."

Durch den Zeitpunkt von Lahms Aussagen wird derzeit spekuliert, ob Philipp Lahm sich möglicherweise in eine gute Position für ein Amt beim DFB bringen wollte. Hamann: „Der Zeitpunkt würde es zumindest nahelegen.“

Lahm in offizieller Funktion beim DFB? Der langjährige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld würde das begrüßen. "Philipp Lahm ist Weltmeister, hat große Fachkompetenz und ist einer, der den Finger auch mal in die Wunde legt. Er hat ja selbst schon gesagt, dass er sich anbieten würde, in irgendeiner Form beim DFB mitzumachen. Ich würde das begrüßen, wenn man mit ihm einen solch charakterstarken Typen in seinen Reihen hätte", sagte Hitzfeld der "Sport Bild".

Sollte es so kommen, wird vermutlich auch Michael Ballack darüber twittern, oder zumindest andere Posts retweeten.

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