Flitzer, Torwartpatzer und co. "Russland oder Coca Cola?": Ein WM-Finale der Kuriositäten

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Schiedsrichter Nestor Pitana wählte ließ die Spieler ausnahmsweise nicht zwischen Kopf oder Zahl wählen. Foto: Imago/FotoarenaSchiedsrichter Nestor Pitana wählte ließ die Spieler ausnahmsweise nicht zwischen Kopf oder Zahl wählen. Foto: Imago/Fotoarena

Moskau. Am Ende setzte sich der Favorit Frankreich im WM-Finale gegen Kroatien durch – nach 90 spektakulären Minuten.

Finalspiele – egal in welcher Sportart – haben oft ihre eigenen Geschichten. Das WM-Finale von Russland am Sonntagabend hatte gleich mehrere zu bieten. Dass die französische Fußball-Nationalmannschaft am Ende gegen Kroatien (4:2) triumphieren würde, zählte sicherlich nicht zu den großen Überraschungen des Turniers in Russland. Das Zustandekommen des zweiten WM-Titels der Équipe Tricolore indes schon.

Den Anfang eines spektakulären Finales machte gleich einmal der Schiedsrichter. Der Unparteiische Néstor Pitana aus Argentinien leitete das Spiel standesgemäß mit der Seitenwahl ein. Für gewöhnlich werden dabei die Kapitäne nach "Kopf oder Zahl" gefragt. Pitana jedoch wählte eine andere Methode: Eine Seite der Münze stand für "Coca Cola", die andere für "Russland". So fragte er den Franzosen Hugo Lloris und den Kroaten Luka Modric auf englisch: "Russia....Coca Cola".



Apropos Pitana: In der 34. Minute berührte Ivan Perisic den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand. Der Videobeweis musste her. Erst nach doppeltem Studium der Bilder entschied der Argentinier auf Strafstoß – höchst umstritten. Es sei "ein in Unsicherheit entschiedener Elfmeter" betonte WM-Rekordschiedsrichter Markus Merk. Den anschließenden Strafstoß verwandelte Antoine Griezmann sicher zum zwischenzeitlichen 2:1. Der Videobeweis geht in die Geschichte ein, denn es war der erste überhaupt in einem WM-Finale. Kaum verwunderlich, wurde der Videobeweis erst zu dieser Weltmeisterschaft eingeführt.

Historischer Pechvogel Mandzukic

Ebenfalls ein Novum hatte zuvor das 1:0 für Frankreich dargestellt. Unglücksrabe Mario Mandzukic traf per Kopf ins eigene Tor nach 18 Minuten. Noch nie in der Historie der FIFA-WM gab es in einem Finalspiel ein Eigentor. Der Stürmer, der somit unfreiwillig in die Geschichte des Fußballs eingeht, erzielte für Kroatien insgesamt drei Tore in Russland.

Knapp an den Geschichtsbüchern vorbei schrammte der französische Angreifer Kylian Mbappé. Zum Zeitpunkt seines Treffers zum zwischenzeitlichen 4:1 war Mbappé 19 Jahre und 207 Tage alt. Somit ist der Youngster der zweitjüngste Final-Torschütze. Platz eins belegt Brasiliens Legende Pelé. Im Endspiel 1958 zwischen Brasilien und Schweden war Pelé 17 Jahre und 249 Tage alt. Er markierte zwei Treffer beim 5:2-Erfolg. "Wenn Kylian meine Rekorde immer weiter einstellt, muss ich wohl meine Fußballschuhe wieder hervorholen", meinte Pelé süffisant nach dem Finale am Sonntagabend.

Das Finale 2018 reiht sich in die Liste der torreichsten WM-Endspiele vorne ein. Mit sechs Treffern belegt die Partie Kroatien gegen Frankreich Platz zwei in der Historie. Nur ein Finale bot mehr Tore. 1958 boten Brasilien und Schweden ein 5:2-Spektakel. Insgesamt drei Mal sahen die Zuschauer sechs Treffer in einem WM-Finale: Neben dem Endspiel in Russland gab es 4:2-Ergebnisse zwischen Uruguay und Argentinien (1930 in Uruguay) und England und Deutschland (1966 in England).



Nach dem zwischenzeitlichen 4:1 dachten sich einige Zuschauer sicherlich: "Das war es wohl". Da hatten sie jedoch die Rechnung ohne den französischen Torwart Hugo Lloris gemacht. Dieser hatte offensichtlich auch schon abgeschaltet. Anders ist sein verheerender Patzer nicht zu erklären. Im eigenen Fünfmeterraum behielt er den Ball in aller Seelenruhe am Fuß. Mandzukic stürmte auf den Keeper zu, stellte sich vor den Ball und dieser rollte zum 2:4 ins Tor – kurios. 

Dejan Lovren hält einen Flitzer fest, der Ordner kommt zu spät. Foto: Imago/ITAR-Tass

Nach 53 Minuten gab es dann fernab vom Sport etwas zu bestaunen. Vier Flitzer fanden den Weg auf den Rasen. Kurze Zeit später erklärte sich die Organisation "Pussy Riot" für die Aktion Verantwortlich. Es sollte ein Protest für mehr politischen Wettkampf in Russland sein. Ein Aktivist wurde vom Kroaten Dejan Lovren festgehalten, ehe ein Ordner den Flitzer vom Platz zerrte. Eine andere Aktivistin klatschte friedlich mit dem Franzosen Mbappé. 

Eines steht nach dem Sonntagabend fest: Dieses WM-Finale wird lange im Gedächtnis bleiben – auch außerhalb Frankreichs, Russlands oder Kroatiens. 


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