"Jeder hier trägt sein Trikot" Mbappé macht seine Heimatstadt stolz

Von dpa

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Frankreichs Fußball-Wunderkind Kylian Mbappé begeistert die Franzosen. Foto: Roland Krivec/DeFodi.deFrankreichs Fußball-Wunderkind Kylian Mbappé begeistert die Franzosen. Foto: Roland Krivec/DeFodi.de

Bondy. Viele Bewohner der Pariser Vorstadt Bondy fühlen sich vergessen und abgehängt. Am Sonntag könnte ein berühmter Sohn der Stadt im Finale der Fußball-WM Geschichte schreiben. Ob das Bondy ins Rampenlicht bringen wird?

Frankreichs Fußball-Wunderkind Kylian Mbappé bringt Hoffnung und Stolz in seinen Heimatort, die Pariser Vorstadt Bondy. "Die ganze Stadt vibriert regelrecht: Männer, Frauen, Junge, Alte", sagte Bondys Bürgermeisterin Sylvine Thomassin der Deutschen Presse-Agentur. "Alle haben einen gewissen Stolz und ein Lächeln in den Augen."

Die Vorstädte von Paris fühlten sich oft abgehängt. Mbappé habe das vorerst geändert: «Jetzt ist Paris unsere Vorstadt. Paris ist stolz auf uns», sagte Thomassin. Am Sonntag (17 Uhr MESZ/hier im Live-Ticker) trifft Frankreich im Finale der Fußball-WM auf Kroatien.

Vorstädte in Vergessenheit geraten

Auch Tram-Fahrer Bilel freut sich, dass seine Stadt einen Star hervorgebracht hat. "Man spricht hier viel über ihn. Es gibt viele Leute, die ihn persönlich kennen", sagt er.

Der heute 19 Jahre alte Mbappé mit kamerunischen und algerischen Wurzeln spielte einst in einem Fußballverein in Bondy, bevor er entdeckt wurde und seine Profi-Karriere ihren Lauf nahm.

Gelegentlich kickte er auch im Stadion Robert-Gazzi von Bondy, das heute Sahir Ali leitet. "Das ist ein Junge aus Bondy, alle stehen hinter ihm", sagt Ali. "Alle hier tragen sein Trikot." Mbappés Vater sehe er heute noch oft. Die ganze Familie bringe sich in der Stadt ein. "Sie vergessen nicht, woher sie kommen. Sie sind großzügig."

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Mbappé gilt in der Fußballwelt als Riesentalent und begeistert nicht nur mit seinem enormen Tempo. 2017 gewann er mit AS Monaco die französische Meisterschaft gegen die Star-Truppe von Paris Saint-Germain, danach holte sich PSG das Juwel für geschätzte 180 Millionen Euro. Bei der WM in Russland schoss er schon drei Tore, davon zwei im Achtelfinale gegen Argentinien. Medien schätzen seinen Marktwert bereits auf 400 Millionen Euro.

Bei aller Freude über Mbappés Erfolg: Bondys Bürgermeisterin Thomassin zweifelt, ob ein Spieler wie er grundsätzlich das Ansehen der sozial stark durchmischten Vororte verbessern kann. Auch bei der letzten WM 2014 sei eine Mannschaft angetreten, deren Spieler die unterschiedlichsten Wurzeln gehabt hätten. Die Parole "Black, Blanc, Beur" - "Schwarz, Weiß, Arabisch» in Anspielung auf die dreifarbige Nationalflagge - war in aller Munde. "Danach sind die Vorstädte wieder im Vergessen und der Stigmatisierung versunken."


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