Dritte WM für Hanna Fauzie Eine indonesische Journalistin und ihr Traum von Indonesiens WM-Teilnahme

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Für die indonesische Journalistin Hanna Farhana Fauzie ist es die dritte Weltmeisterschaft, die sie begleitet. Foto: Frank HellmannFür die indonesische Journalistin Hanna Farhana Fauzie ist es die dritte Weltmeisterschaft, die sie begleitet. Foto: Frank Hellmann

St Petersburg. Wie die indonesische Journalistin Hanna Fauzie die WM erlebt hat und warum sie Russland in guter Erinnerung behalten wird.

Hanna Farhana Fauzie ist zwar nicht übermäßig groß, aber in einem WM-Pressezentrum ziemlich leicht zu finden. Meist nämlich mit einer größeren Gruppe ins angeregte Gespräch verwickelt. Dank der Zeitverschiebung nach Indonesien hat sie beispielsweise bei Abendspielen ein bisschen weniger zu tun als viele Kollegen, obwohl sie viel mehr Leser erreicht. Aus dem weltgrößten Inselstaat mit seinen mittlerweile fast 255 Millionen Einwohnern sind nur ein halbes Dutzend Print-Journalisten akkreditiert worden. "Wir sind im Fußball zu schlecht, deshalb werden nicht mehr zugelassen", erzählt die 38-Jährige, die für die Zeitung "Koran Sindo" arbeitet, die in neun Provinzen erscheint, darunter die Insel Java mit der Hauptstadt Jakarta. Zu der gedruckten Auflage von 400.000 kommt ein Vielfaches an Nutzern der Online-Artikel.

Auf einmal steht Löw vor ihr

Hanna Fauzie ist eine, die sich schnell Respekt verschafft. Weil sie Spieler aufhält, die eigentlich weitergehen wollen; weil sie Trainer anspricht, die eigentlich nichts sagen wollen. Wie bei einer Begebenheit mit Bundestrainer Joachim Löw bei der WM 2010. Einen Tag vor dem Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien gerieten die Medienabläufe in Kapstadt durcheinander, so dass auf einmal Löw vor ihr stand. Sie bat ihn spontan, zwei Fragen stellen zu können. Er willigte ein. "Ich habe auf Englisch gefragt, er hat auf Englisch geantwortet. Ich habe sogar noch ein Foto gemacht."

Dass die deutsche Mannschaft nun so früh ausschied, hat sie lange beschäftigt, aber als sie in Watutinki das DFB-Quartier besucht hatte, beschlich sie schon ein schlechtes Gefühl. Warum? "Lay back", sich zurückgelehnt, hätten sich die Spieler. Mittlerweile glaubt sie: "Alle Giganten machen lieber Urlaub. So kommt es zum Turnier der Überraschungen." Bei einer WM, die aus ihrer Sicht "viel besser, viel besser" orchestriert war als beispielsweise in Südafrika und Brasilien. Organisation und Transport hätten reibungslos geklappt, dazu käme das Sicherheitsgefühl. "Ich habe mich als Muslimin hier wohl gefühlt, und die Menschen haben sich immer Mühe gegeben, auch wenn die Sprache oft eine Barriere war."

"Sport, der die Menschen verbindet"

Sie ist zusammen mit ihren indonesischen Kollegen Candra Wahjudi und Angger Bondan zwischen Moskau, Kasan und St. Petersburg herum gekommen und bleibt noch bis zum Finale. Ihr schönster Augenblick? Definitiv der Moment, als sie in der Fanzone von St. Petersburg erlebte, wie der WM-Gastgeber das Aus im Elfmeterschießen gegen Kroatien hinnahm: "Wie die Russen reagiert haben, das hat mir imponiert." Friedlich, freundlich. Ihre Leidenschaft für den Fußball rührt daher, "dass es ein Sport ist, der die Menschen verbindet." Diese Kraft habe sie auf russischem Boden oft gespürt. Und genossen.

Hoffnung auf indonesische WM-Teilnahme

Hanna Fauzie arbeitet seit 2005 im Sportjournalismus, hat drei Weltmeisterschaften begleitet und möchte noch viel mehr verfolgen. Spätestens 2026 wird mit 48 Teams gespielt. Wird dann auch mal Indonesien dabei sein? "Das ist mein Traum, aber wir haben noch ganz viel Arbeit. Die Jugend spielt mit allem Fußball, was rund ist, aber unsere Strukturen sind schlecht." Eines möchte sie noch sagen: "Indonesien ist ein wunderbares Land." Vermisst sie gerade etwas? Sie lacht. Dann fällt ihr das Verkehrschaos auf den Straßen der 20-Millionen-Metropole Jakarta ein. "Und dann einfach mit dem Motortaxi dran vorbeizufahren. Das fehlt mir fast."


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