Bilanz nach der Vorrunde WM-Flugmeilen: Reiseweltmeister Ägypten – Deutschlands Plan geht nicht auf

Von Alexander Barklage und Anna Behrend

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Die deutsche Nationalmannschaft musste während der Vorrunde insgesamt 4260 Kilometer zu den drei Spielorten zurücklegen. Foto: picture alliance/dpaDie deutsche Nationalmannschaft musste während der Vorrunde insgesamt 4260 Kilometer zu den drei Spielorten zurücklegen. Foto: picture alliance/dpa

Hamburg. Vor dem Turnier im größten Land der Welt war die Wahl des richtigen Quartiers für viele Teams eine wichtige Entscheidung. Ein Überblick, wer bei der WM in Russland bislang die meisten Kilometer zurücklegte.

Während die deutsche Nationalmannschaft nach dem blamablen Ausscheiden bereits wieder in der Heimat weilt, geht die Weltmeisterschaft jetzt in die entscheidende Phase. Ab Samstag stehen die Achtelfinal-Spiele an. Für die verbliebenen 16 Teams heißt es also zum vierten Mal in zwei Wochen: Raus aus dem Hotel und rein in den Flieger. 

Vier Zeitzonen, große Entfernungen

Vor dem Turnier im größten Land der Welt mit Spielorten in vier verschiedenen Zeitzonen war die Wahl des richtigen Quartiers für viele Mannschaften eine wichtige Entscheidung. Auch im deutschen Tross gab es unterschiedliche Auffassungen, wo die DFB-Elf ihr Teamhotel beziehen sollte. Bundestrainer Joachim Löw bevorzugte das wärmere Sotchi am Schwarzen Meer, während Teammanager Oliver Bierhoff Moskau für die bessere Lösung hielt. Mit dem Quartier in Watutinki nahe der Hauptstadt setzte sich Bierhoff gegen Löw durch. 

Löw hätte Sotchi bevorzugt

Die Überlegung von Bierhoff war, dass in Moskau die meisten Spiele der WM stattfinden und es in der russischen Hauptstadt die beste Verkehrsanbindung gibt (drei Flughäfen). Dadurch sollten auch zu viele Flugmeilen zwischen den einzelnen Spielorten vermieden werden. Löw favorisierte Sotchi, weil die DFB-Elf sich dort ein Jahr zuvor beim Confederations Cup sehr wohlfühlte und auch erfolgreich war. Als Gruppensieger hätte die DFB-Elf in St. Petersburg gespielt und im Viertelfinale in Samara, was von Moskau schneller zu erreichen wäre als von Sotchi. Das Halbfinale und Finale wäre direkt in Moskau gewesen. 


Die ägyptische Nationalmannschaft logierte in der russischen Teilrepublik Tschetschenien und deren Hauptstadt Grozny. Foto: imago/ITAR-TASS


Ägypten legt über 9000 Kilometer zurück

Die deutschen Spiele fanden in Moskau (Mexiko), Sotchi (Schweden) und Kasan (Südkorea) statt. Insgesamt mussten die Spieler insgesamt 4260 Kilometer zu den drei Partien zurücklegen. Damit liegt das DFB-Team auf Platz 23. Vorläufiger Reise-Weltmeister nach der Vorrunde ist die Mannschaft aus Ägypten. Die Nordafrikaner legten die meisten Kilometer zurück, insgesamt 9140. Sie logierten aber auch im abgelegenen Grozny, der Hauptstadt der Teilrepublik Tschetschenien. Von ihrer Ausgangsbasis Grozny in Süd-Russland flogen die Ägypter nach St. Petersburg (2129 Kilometer/eine Strecke), Jekaterinburg (1832 Kilometer) und nach Wolgograd (609 Kilometer). Für das Team von Superstar Mohamed Salah endete das Turnier nach dem letzten Gruppenspiel in Wolgograd - vielleicht hat es ja auch an den Reisestrapazen gelegen. Diese können bei Kolumbien nicht als Ausrede gelten, denn die Südamerikaner haben die wenigsten Flugmeilen in den Knochen. Nur 1204 Kilometer legten sie bei ihren drei Gruppenspielen zurück. Ihr Quartier haben sie nahe Kasan bezogen, wo auch eines der drei Gruppenspiele (gegen Polen) stattfand. Außerdem spielten sie noch im nahe gelegenen Saransk und Samara. 

Auch Italien scheiterte 2014 als Reise-Weltmeister

Augenscheinlich (siehe Grafik) ist es nämlich, dass von den zehn Teams, die die meisten Reisekilometer zurückgelegt haben, immerhin sechs Mannschaften bereits ausgeschieden sind. Brasilien, Dänemark, Schweden und Kroatien hingegen schafften den Einzug in die K.o.-Runde. Schon bei der WM in Brasilien mussten die Teams vergleichsweise gewaltige Distanzen überwinden. 2014 war Italien Reise-Weltmeister und schied überraschend schon in der Vorrunde aus. 




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