Team, Trainer, Turniere Umbruch? So ging es bei den letzten gescheiterten Weltmeistern weiter

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Zinéde Zidane führte die Franzosen nach dem bitteren Vorrunden-Aus 2002 vier Jahre später ins Finale. Foto: WittersZinéde Zidane führte die Franzosen nach dem bitteren Vorrunden-Aus 2002 vier Jahre später ins Finale. Foto: Witters

Osnabrück. Frankreich, Italien, Spanien: Mit seinem peinlichen Aus in der Vorrunde als Weltmeister gesellt sich Deutschland zu den Weltmeistern von 1998, 2006 und 2010, die in der Folge-WM scheiterten. Wie ging es danach bei den Ländern weiter? Kam der große Umbruch?

Frankreich: 1998 Weltmeister, 2002 Vorrunden-Aus... und dann?

Mit 14 Weltmeistern aus der Heim-WM scheiterte Frankreich in Japan und Südkorea kläglich ohne Tor und mit nur einem Punkt in der Vorrunde – als Gruppenletzter hinter Uruguay, Senegal und Dänemark.

Der Trainer: Für Roger Lemerre, der den Weltmeister-Trainer Aimé Jacquet vier Jahre zuvor beerbt hatte, und das Team 2000 zum EM-Titel führte, war nach scharfer Kritik an Führungsstil und mangelnder taktischer Flexibilität Schluss. Der französische Verband gab Lemerre eine Frist von drei Wochen, selbst zurückzutreten. Als dieser nicht reagierte, feuerte der Verband den Trainer.

Die Mannschaft: Von den 14 im letzten WM-Spiel 2002 eingesetzten Akteuren standen im ersten Gruppenspiel der EM 2004 in Portugal noch acht auf dem Feld, vier weitere aus dem Kader von 2002 waren bei der EM noch an Bord. Ein echter Umbruch sieht anders aus, zumal von diesen insgesamt zwölf Spielern auch bei der WM 2006 in Deutschland noch zehn Spieler im Kader waren. Im Gruppenspiel gegen Südkorea hatte die Mannschaft in blau ein Durchschnittsalter von 30,8 Jahren.

Zinédine Zidane, Bixente Lizarazu, Claude Makelele, Willy Sagnol, Patrick Viera, Robert Pires, David Trezeguet und Mikael Silvestre waren 2002 schon mit dabei und standen zwei Jahre später wieder für Frankreich auf dem Feld. Foto: Witters

Die folgenden Turniere (EM 2004, WM 2006): Die Équipe Tricolore hat sich von der Pleite bei der WM in Fernost nur bedingt erholt: Zwar setzte sich Frankreich bei der Euro 2004 in einer Gruppe mit Kroatien, England und der Schweiz klar als Gruppenerster durch, dennoch war 2004 gegen den Außenseiter und späten Überraschungs-Europameister Griechenland unter Otto Rehhagel im Viertelfinale Schluss. Zwei Jahre später dagegen kam die ins Alter gekommene französische Mannschaft ins Finale von Berlin und wurde Vizeweltmeister. 

Zinédine Zidane war 1998 der Held der Weltmeister, stürzte 2002 mit den Franzosen ab und führte das gealterte Team als Spieler der WM 2006 ins Finale. Foto: Witters

Italien: 2006 Weltmeister, 2010 Vorrunden-Aus...und dann?

Italien, der Weltmeister von 2006, flog ohne viele Verletzte 2010 nach Südafrika. In der Vorrunde gab es die Pleite wie acht Jahre zuvor für Frankreich: Der Weltmeister flog mit zwei Punkten als Gruppenletzter raus. Gegen Neuseeland, Paraguay und die Slowakei blieb der hohe Favorit sieglos.

Der Trainer: Marcello Lippi, der gefeierte Weltmeister-Trainer von 2006, trat nach dem Sieg in Berlin zurück. 2008 übernahm er das Amt erneut von Roberto Donadoni, der nach dem EM-Viertelfinal-Aus der Squadra Azzurra im Elfmeterschießen gegen Spanien entlassen wurde. Lippi übernahm die volle Verantwortung für das peinliche Ausscheiden in Südafrika und verkündete bei der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen die Slowakei seinen Rücktritt.

Die Mannschaft: Nur neun Weltmeister nahm Italien 2010 mit nach Afrika – auch weil WM-Stars wie Torwart Gianluigi Buffon ausfielen. Aus dem Kader der Verlierer waren bei der EM 2012 nur noch acht Spieler im Aufgebot. Vier Akteure aus der Slowakei-Niederlage standen beim ersten EM-Spiel gegen Spanien in der Startelf.

Ein nur in Teilen neues Gesicht zeigte die Squadra Azzurra 2012 in Polen und der Ukraine. Foto: Witters

Die folgenden Turniere (EM 2012, WM 2014): Gegen Weltmeister Spanien standen sich die Italiener schon in der Gruppenphase gegenüber. Als Gruppenzweiter räumten die Blauweißen auf dem Weg ins Finale England und Deutschland aus dem Weg. Im Finale begegnete man den Spaniern wieder und ging sang und klanglos mit 0:4 unter. 2014 in Brasilien verabschiedeten sich die Kicker vom Stiefel mit nur einem Sieg gegen England hinter Uruguay und Costa Rica vorzeitig.

Eine Pose für die Ewigkeit: Italien erreicht zwei Jahre nach dem frühen WM-Aus bei der EM das Finale – nach einem Sieg gegen Deutschland. Foto: imago/Gribaudi/ImagePhoto

Spanien: 2010 Weltmeister, 2014 Vorrunden-Aus... und dann?

Mit Tiki-Taka-Fußball griffen die Spanier 2010 zur WM-Krone. Auch 2008 und 2012 gab es keine Mannschaft, die die Iberer auf dem Weg zum EM-Titel stoppen konnte. Die WM 2014 in Brasilien war für Spanien schon nach zwei Niederlagen in der Vorrunde entschieden. Die 1:5-Klatsche gegen die Niederlande deutete das bereits im ersten Spiel an, Chile legte nach. Immerhin reichte es noch für einen Sieg gegen Australien. 

Der Trainer: 2008 hatte Vicente del Bosque die Europameister von 2008 übernommen. Weil er die Spanier 2010 zum ersten spanischen WM-Titel führte und 2012 mit Europas Krone nachlegte, war an seinem Trainerposten nicht zu rütteln. Nach dem Ausscheiden gab es zwar Spekulationen, del Bosque selbst gab aber an, weitermachen zu wollen und erst nach der EM 2016 sein Amt zur Verfügung zu stellen.

Die Mannschaft: Fast die Hälfte der Mannschaft (elf Spieler), die 2014 scheiterte, fuhr zwei Jahre später wieder mit zur EM. Stammkräfte wie Sergio Ramos, Andrès Iniesta oder Sergio Busquets behielten ihren Status aufgrund der Erfolge der Jahre zuvor.

Die alten Helden konnten auch zwei Jahre nach ihrem Vorrunden-Aus als Weltmeister nicht überzeugen. Foto: Witters

Die folgenden Turniere (EM 2016, WM 2018?): Die 2014 als satt verschrienen Welt- und doppelten Europameister konnten auch 2016 in Frankreich nicht an ihre Erfolge anknüpfen. Tika-Taka war Vergangenheit, in der Gruppenphase wurden die Spanier nur Zweiter, im Achtelfinale gab es eine verdiente Niederlage gegen Italien. 

Hinter dem Abschneiden bei der WM 2018 in Russland steht noch ein großes Fragezeichen. In letzter Minute wurde Spanien Gruppensieger vor Portugal, zweimal einmal der Titelfavorit überlegen aber ohne Glanz gegen Iran, gegen Marokko und Portugal spielten sie nur untendschieden. Ausgang offen.

Auf zu neuen Erfolgen? Die Spanier sind nach zwei enttäuschenden Turnieren wieder ein heißer Titelkandidat. Foto: Witters

Weiterlesen: Nach Vorrunden-Aus: Das waren die peinlichsten Momente der DFB-Geschichte


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