WM-Stichtag: Deutschland-England 2010 Vor genau acht Jahren: Wembley reloaded – nur andersherum

Von Sportredaktion

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Deutschland-England 2010: Der Ball tickt hinter der Linie auf, der Schiedsrichter sagt: kein Tor. Foto: WittersDeutschland-England 2010: Der Ball tickt hinter der Linie auf, der Schiedsrichter sagt: kein Tor. Foto: Witters

Bloemfontein. Diese Situation kann es dank neuer Technik heute nicht mehr geben: Der Ball prallt gegen die Latte und schlägt hinter der Torlinie auf. Der Schiedsrichter entscheidet: kein Tor. So passiert im WM-Achtelfinale vor genau acht Jahren. Die beiden beteiligten Länder, kennen eine solche Szene aus ihrer gemeinsamen WM-Historie.

Das Free-State-Stadium in Bloemfontein ist eine relativ flache Schüssel. Die 40.510 Zuschauer des Spiels zwischen Deutschland und England sitzen fast auf Augenhöhe mit den Kickern, aber eben auch ziemlich weit entfernt. So etwa wie im Bremer Weserstadion. Nicht zu vergleichen mit dem alten Mönchengladbacher Bökelberg, wo die Fans den Eindruck hatten, senkrecht über der Seitenlinie zu sitzen. Heute, am 27. Juni 2010 im WM-Achtelfinale gegen England, ist die Sicht auf die Dinge von großer Bedeutung.  

Die Deutschen schaffen mit ihrer Truppe voller Frischlinge wie Mesut Özil, Thomas Müller und Manuel Neuer die Vorrunde: 4:0 gegen Australien, eine 0:1-Niederlage gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Glück gehabt. Gegen England geht’s zur Sache. K.o-Runde. „Wir müssen nur ein, zwei, drei, viermal durchkommen“, sagt Müller vor dem Spiel. Er ist völlig entspannt. Woher nimmt der Bursch’ das Selbstvertrauen?

Neuer greift daneben

Das Spiel zeigt es. Der 32-jährige Miroslav Klose erläuft einen (wirklich sehr weiten) Abschlag von Neuer und schiebt ihn mit dem ersten Kontakt an Englands Torhüter David James vorbei zum 1:0 ins Tor (20. Minute). Lukas Podolski trifft mit links von links per Beinschuss gegen James zum 2:0 (32.).

Fünf Minuten später köpft Matthew Upson den Anschluss, weil Neuer danebengreift (Ja, das gab es wirklich). Dann wird’s interessant. Frank Lampard, Ikone des FC Chelsea, zieht aus 17 Metern Torentfernung, zentral, mit rechts ab. Der Ball ist ein bisschen ein strammer Schuss und ein bisschen eine Bogenlampe. Mit einem Wort: perfekt.

Weil er über Neuer an der Unterkante der Latte einschlägt und dann etwa einen halben Meter hinter der Torlinie aufprallt. Besser kann man nicht schießen. 2:2, 38. Minute. Oder?

Wembley – nur andersherum

Der Ball springt noch einmal nach oben, noch einmal unter die Latte – und dann vor der Torlinie wieder auf. Das haben sie auf der englischen Bank um Trainer Fabio Capello nicht mehr mitbekommen in ihrem Torjubel. Einzig, es fehlt der Pfiff. Neuer schnappt sich also den Ball und bringt ihn wieder ins Spiel. Es läuft einfach weiter, nichts ist geschehen.

Ohne die 40.510 einzeln befragt zu haben: Jeder sollte es gesehen haben, trotz der flachen Sicht auf die Dinge. Nur Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay nicht. ARD-Mann Steffen Simon im Live-Kommentar: „Ball nicht im Tor! Nicht im Tor! Keine Wiederholung von Wembley!“ Doch, irgendwie schon. Nur andersherum. Und in Bloemfontein.

Neuer klärt später spitzbübisch auf, er habe bei Lampards Schuss nur auf den Ball geschaut, ihn sich schnell geschnappt und weitergespielt. Denn: „Wenn ich nach rechts und links geschaut hätte, hätte es sich der Schiedsrichter vielleicht überlegt.“

Natürlich zetert Capello: „Das Spiel wäre nach dem 2:2 völlig anders verlaufen.“ Beide haben wahrscheinlich Recht. So aber trifft Müller zweimal zum 3:1 und 4:1 (67./70.) – Deutschland steht im Viertelfinale.

Von Uwe Kleinschmidt


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