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Fragen und Antworten vor Deutschland-Spiel WM schauen bei der Arbeit: Was erlaubt ist und was nicht

Von Tobias Bosse

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Fußballgucken während der Arbeitszeit? Ohne Zustimmung des Chefs keine gute Idee, meint ein Experte. Foto: dpaFußballgucken während der Arbeitszeit? Ohne Zustimmung des Chefs keine gute Idee, meint ein Experte. Foto: dpa

Hamburg. Wenn Deutschland am Mittwochnachmittag ab 16 Uhr bei der WM in Russland um den Einzug ins Achtelfinale kämpft, müssen viele Fans noch arbeiten. Ein Experte verrät, wie man das Spiel gegen Südkorea dennoch verfolgen kann - und zwar ganz legal.

Man stelle sich vor, Deutschland spielt um den Einzug ins WM-Achtelfinale und keiner guckt zu. Ganz so extrem wird es am Mittwochnachmittag, wenn Jogis Jungs im letzten Gruppenspiel auf Südkorea treffen, nicht kommen. Dennoch stellt die Anstoßzeit um 16 Uhr viele Berufstätige vor ein ernsthaftes Problem.

Also früher nach Hause gehen, krank machen oder das Spiel wenigstens nebenbei auf der Arbeit im Live-Stream verfolgen? Solange es nicht mit dem Arbeitgeber abgesprochen ist, sollten Arbeitnehmer dies tunlichst unterlassen, sagt Dr. Thorben Klopp, Anwalt in der Arbeitsrechtskanzlei Vangard: "Während der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit darf der Arbeitnehmer nichts tun, außer seiner Arbeit nachzugehen. Das heißt: Kein Buch lesen, privates Telefonat führen oder eben Fußball schauen. Während der Arbeitszeit gehört man dem Arbeitegeber", so der Experte. 

Darf man das Spiel im Radio verfolgen?

Möglichkeiten, das Spiel zu verfolgen, gibt es dennoch: Ein Rechtsspruch aus den Achtzigern besagt, dass es Arbeitnehmern grundsätzlich nicht verboten werden darf, bei der Arbeit Radio zu hören, solange es das Arbeitsumfeld nicht beeinträchtigt. Sprich: In einem Büro wäre es okay, aber an einem Schalter mit Kundenkontakt nicht. Allerdings, so Klopp weiter, sei die Live-Berichterstattung eines Fußballspiels kaum mit dem normalen Musikprogramm vergleichbar. Es komme auf den Einzelfall an: "Wenn die Aufmerksamkeit aufgrund des Live-Kommentars so stark beeinflusst wird, dass die Arbeitsqualität des Arbeitnehmers spürbar sinkt, kann das vom Arbeitgeber abgemahnt werden." 

Diese Schwelle sei erfahrungsgemäß extrem schnell überschritten, mahnt Klopp und gibt zu: "Ich könnte das jedenfalls nicht." Eine direkte Kündigung könne der Arbeitgeber daraufhin zwar nicht aussprechen, aber im Wiederholungsfall – wenn bereits eine Abmahnung erfolgt ist – sei das absolut möglich und rechtlich machbar, sagt Klopp.

Darf man das Spiel im Live-Ticker verfolgen?

Auch hier ist wieder das Maß der Ablenkung von der Arbeit ausschlaggebendes Kriterium. Solange der Arbeitnehmer nur ein bis zwei Mal pro Halbzeit das Ergebnis checkt, sei die Ablenkung wohl im vertretbaren Rahmen, meint der Experte und ergänzt: "Habe ich jetzt aber 100 Euro auf das Spiel gesetzt und aktualisiere den Ticker alle zehn Sekunden, kann ich das Spiel auch gleich gucken, weil das Maß an Ablenkung vergleichbar groß ist." 

Was können Arbeitnehmer noch machen?

Arbeitnehmer, die eine vertraglich fixierte Arbeitszeit haben, beispielsweise von 9 bis 17 Uhr, müssen diese Arbeitszeit erbringen. Sie dürfen ohne Zustimmung des Arbeitgebers kein Spiel verfolgen, ohne die Plicht zu verletzen und somit zu riskieren, abgemahnt zu werden. Grundsätzlich bestehen diese Einschränkungen aber nur bei vertraglich fixierten Arbeitszeiten. "Existieren entsprechende Gleitzeit-Modelle, kann die Zeit nachgearbeitet werden.Gibt es diese Regelungen nicht, kann das nach Absprache mit dem Arbeitgeber geprüft werden – Einen Anspruch hat der Arbeitnehmer jedoch nicht darauf", sagt Klopp.

In manchen Fällen möchte der Arbeitgeber nett sein und macht eine Sonderregelung zu bestimmen Anlässen wie der Weltmeisterschaft, bei der dann Fernseher oder Leinwände zum gemeinschaftlichen Fußballgucken aufgestellt werden. Hier sei laut Klopp nur zu beachten, dass "der Betriebsrat, sofern das Unternehmen einen hat, in diesen Vorgang eingeweiht ist, weil es das Zusammenleben- und wirken im Unternehmen betrifft und nicht die Erbringung der Arbeit."  

Sonderproblem Internetnutzung 

Völlig unabhängig von der Regelung, die man mit seinem Arbeitgeber getroffen hat, ist es nicht zulässig, sein Dienstgerät, sei es Handy oder Laptop, für einen Live-Stream, Ticker oder Radio zu verwenden. "Allein die Nutzung ist eine Pflichtverletzung, die zur Abmahnung führen kann", sagt Klopp.

Extremfall "Drohung"

Die wahrlich schlechteste Idee sei es, so Klopp, wenn man dem Arbeitgeber droht. Nach dem Motto: Entweder, du gibst mir für das Spiel frei, oder ich mache eben krank. In diesem Fall drohe eine außerordentliche Kündigung. "Drohe deinem Arbeitgeber niemals an, krank zu feiern. Das stellt eine schwerwiegende Pflichtverletzung dar."

"Public Viewing" trotz Krankheit?

Für den Fall, dass jemand tatsächlich krank ist, ist es entscheidend, ob die geplante Aktivität seiner Genesung im Wege steht. Klopp macht dies an einem Beispiel fest: "Wenn ich mir den Arm gebrochen habe, wird es meiner Genesung nicht abträglich sein, wenn ich zum Public Viewing gehe. Sollte ich allerdings eine Lungenentzündung haben, wird es nicht förderlich für mich sein, wenn ich mir auf dem Heiligengeistfeld stehe und mit den Fans jubel." 

Präzedenzfall

Um zu veranschaulichen, wie schnell es in solchen Fällen zu einer Abmahnung kommen kann, zitiert Klopp einen Entscheid des Arbeitsgerichts Köln von August des vergangenen Jahres. Dort wurden zwei Arbeitnehmer dabei erwischt, wie sie sich während der Arbeitszeit im Internet Teile eines Bundesligaspiels ansahen. Es war klar, dass sie nur geguckt und nicht gearbeitet haben. Und obwohl sich die Beweisaufnahme als schwierig erwies, konnte nach mehreren Zeugenaussagen eine Schnittmenge ermittelt werden, die ergab, dass beide für wenigstens 30 Sekunden zugeguckt und nicht gearbeitet hatten. Das reichte nach Auffassung des Gerichts aus, um beide Arbeitnehmer abzumahnen. 


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