Weltmeisterliche Zukunftschance Bundestrainer zeigt große taktische Möglichkeiten des DFB-Teams auf

Von Christoph Fischer

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Ein mögliches Duo für die Innenverteidigung gegen Südkorea: Antonio Rüdiger (links) und Mats Hummels. Foto: imago/DeFodiEin mögliches Duo für die Innenverteidigung gegen Südkorea: Antonio Rüdiger (links) und Mats Hummels. Foto: imago/DeFodi

Moskau. Vielleicht ist es schon die Nationalmannschaft der Zukunft, Fingerzeige auf die neuen Perspektiven sind es allemal. Das 2:1 gegen Schweden hat nicht nur das drohende vorzeitige Aus verhindert, sondern auch die taktische Situation verändert.

"Ob es die Konstellation der Zukunft ist, kann ich noch nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass wir gegen Schweden gezeigt haben, dass wir eine Mannschaft sind. Und das haben in Deutschland nicht viele geglaubt", sagt Marco Reus von Borussia Dortmund. Seine Stimme galt im Team bisher als vorwiegend leise und zurückhaltend. In Russland wird sie lauter und vernehmlicher.

Löws Aufgebot ist flexibel

Das Spiel gegen die Schweden hat gezeigt, wie flexibel Bundestrainer Joachim Löw mit seinem Aufgebot in Russland ist. Das hat er zwar immer behauptet, aber gegen Schweden hat er Konsequenzen aus seinen Möglichkeiten gezogen. Dass Marco Reus die Rolle von Mesut Özil übernommen hat, für Reus eine große Chance, aber noch nicht der vollzogene Wechsel auf die Zukunft. "Wir sind ein Team, ganz egal, was die anderen sagen", hat Özil in den sozialen Medien gepostet. Es ist die Zeile unter einem Foto, das "ich in der Kabine gemacht habe", sagt Marco Reus: "Für Mesut war die Botschaft wichtig, es zeigt, das Mesut einer von uns ist, unabhängig ob er in der Startformation steht. Mesut ist einer der besten Spieler der Welt. Wir werden ihn in diesem Turnier noch brauchen."

In Kasan ist Südkorea am Mittwoch (16 Uhr/ZDF) der letzte Vorrundengegner, eine ganz andere Mannschaft als Schweden. "Südkorea hat schnelle, wendige, kleine Spieler, sie haben schon Qualität, aber wenn wir unseren Kombinationsfußball auf den Platz bringen, wird es schwer für sie", sagt Reus, der in der Startformation ohne Alternative ist. Das Spiel gegen Schweden zeigte, dass die Möglichkeiten in der Offensive zugenommen haben. Als Mario Gomez eingewechselt wurde, rückte Timo Werner auf die linke Außenposition. "Ich bin Angreifer und meine Position ist mittendrin, aber auf der Außenposition habe ich mehr Möglichkeiten, meine Geschwindigkeit mit Ball zur Geltung zu bringen und damit für Möglichkeiten zu sorgen", sagt Werner zwei Tage vor dem Spiel in Kasan. 

Von seinem Sturm-Partner Mario Gomez (links) kann Timo Werner laut eigener Aussage profitieren. Foto: dpa/Marius Becker

Gomez sei ein ganz wichtiger Spieler für ihn, sagt Werner. Und das liegt nicht nur an der gemeinsamen Stuttgarter Vergangenheit. "Mario ist der seltene Fall, dass sich Konkurrenten in einer Mannschaft gegenseitig unterstützen können, bei Mario ist das anders als bei allen anderen". Für Werner ist es die erste Weltmeisterschaft. Wie auch für Reus. Die größere Flexibilität hatte sich gegen Schweden angedeutet, weil die Außenspieler Julian Draxler und Thomas Müller oft die Seiten wechselten, als Werner noch zentral offensiv spielte. Reus wie Draxler können zudem auf beiden Seiten spielen, falls sich der Bundestrainer entscheidet, gegen Südkorea doch wieder auf Mesut Özil zurückzugreifen. 

Rudy wohl vorerst keine Option

Was für die Offensive gilt, gilt auch für die übrigen Mannschaftsteile. Im Mittelfeld könnte Ilkay Gündogan der Partner von Toni Kroos gegen Südkorea sein. Sebastian Rudy musste nach seinem Nasenbeinbruch operiert werden und wird vermutlich in Kasan nur spielen können, "wenn er ohne Gefahr mit einer Maske spielen kann" (Marcus Sorg). Eine Option ist er aber vorerst nicht. Dass Sami Khedira am Mittwoch in die Mannschaft zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich, weil der Weltmeister gegen die Südkoreaner Schnelligkeit, Offensivdrang und Torgefahr braucht.

In der Abwehr ist die Flexibilität auch Programm. Jerome Boateng ist unumstritten in der Nationalmannschaft, mit Mats Hummels vermutlich weiter die überragende Innenverteidigung der Welt, aber Boateng ist wegen seiner gelb-roten Karte gesperrt, "Mats Hummels ist zurück im Training und total fit" (Marcus Sorg). Neben ihm spricht viel für Antonio Rüdiger, der es gegen Schweden vorwiegend gut machte und aufgrund seiner Schnelligkeit ein Plus gegenüber seinem direkten Konkurrenten Niklas Süle verbuchte. Auf den Außenpositionen gibt es für Joachim Löw aktuell keinen Grund, etwas zu verändern. Joshua Kimmich und Jonas Hector brauchen die Konkurrenz nicht zu fürchten. Reus sagt: "Ich bin froh, endlich dabei zu sein, ich will dabei helfen, den größtmöglichen Erfolg zu erzielen." Reus und die anderen sind angekommen, die Weltmeisterschaft beginnt. (GEA)


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