Gerry Weber Open 2018 Borna Coric entthront Roger Federer in Halle

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Applaus vom entthronten Champion: Roger Federer (links oben) unterliegt im Finale der Gerry Weber Open. Der neue Champion Borna Coric (rechts) hat ein überragendes Turnier gespielt. Foto: Helmut KemmeApplaus vom entthronten Champion: Roger Federer (links oben) unterliegt im Finale der Gerry Weber Open. Der neue Champion Borna Coric (rechts) hat ein überragendes Turnier gespielt. Foto: Helmut Kemme

Halle. Borna Coric hat Roger Federer im Finale des Gerry Weber Open 2018 besiegt. Nach drei Sätzen triumphierte der Außenseiter mit 7:6 (8:6), 3:6 und 6:2. Federer verliert damit sein erstes Finale seit sechs Jahren bei dem Turnier in Halle.

Der erste Eindruck des Spiels hat getäuscht: Borna Coric gab im Finale von Halle am Sonntag die ersten beiden Punkte mit zwei relativ einfachen Fehlern ab: Die vielen Fans von Roger Federer unter den 11 500 Zuschauern im Gerry Weber Stadion hofften, dass sich der Routinier aus der Schweiz in diesem Spiel nicht so schwertun würde, wie in den drei Partien zuvor auf dem Weg ins Finale. Aber der 21 Jahre alte Herausforderer enttäuschte die Erwartungen der Anhänger des Rekordsiegers.

Das Endspiel der Gerry Weber Open war ab Spiel eins ein Abbild des gesamten Turniers. Wieder konnte Federer sein Spiel nicht so aufziehen, wie er es wollte, weil sein eigentlich schwächerer Gegner einiges entgegenzusetzen hatte. Dreimal hat es für Federer im Turnier zum Happy End einer engen Partie gereicht, dank seiner Qualität, die er in entscheidenden Momenten abrufen konnte. Mit dem Weltranglisten-34. stand ihm im letzten Match aber ein noch besserer Gegner gegenüber. „Ich war beeindruckt von Coric, er hat das toll gemacht“, gestand der Verlierer ein.

Erleichtert: Coric schlug Federer in drei Sätzen. Foto: Kemme


Der neue Turniersieger hatte die ganze Woche lang ansehnliches Tennis auf den Rasen gebracht. In der ersten Runde warf Coric schon den Weltranglistendritten Alexander Zverev deutlich mit 6:1 und 6:4 aus dem Turnier. Dem folgten starke Auftritte gegen Andreas Seppi aus Italien und Nikoloz Basilashvilli aus Georgien. Auch wenn er im Halbfinale von der Aufgabe seines Gegners Roberto Bautista Agut profitierte, erreichte der Youngster völlig verdient das Finale. Dass am Ende der Turniersieg gegen den 20-fachen Grand-Slam-Sieger steht, ist folglich eine Überraschung, in der Gesamtbetrachtung aber keine Sensation. 

"Ich glaube, dass ich nicht viel Training brauche, um meinen Rhythmus zu finden.“Roger Federer über seine Vorbereitung für Wimbledon

Coric agierte im Finale auf einem Topniveau, das es braucht, um einen Weltstar aus der Ruhe zu bringen. Mit einem enorm harten Aufschlag, der oft zum Ass führte, und einer eindrucksvollen Präzision brachte er seinen Kontrahenten in die Bredouille. Genau wie Federers Halbfinal-Gegner Denis Kudla, den er am Vortag 7:6, 7:5 besiegt hatte, agierte der Kroate sehr defensiv, spielte sicheres Kontertennis und wehrte Federers Angriffe von hinten solide ab. Auch die sauber und hart geführte Rückhand des Champions konnte Coric immer wieder kontern. 

Federer unterliegt im Finale von Halle. Foto: Kemme

Federer dominierte zwar die meisten seiner Aufschlagspiele und gewann einige zu null, sein Gegenüber hatte im eigenen Aufschlagspiel aber die passenden Antworten parat. Der erste Satz ging ohne Break in den Tiebreak, in dem der Schweizer zwei Satzbälle liegen ließ und den Satz noch abgab. 

90 Minuten brauchte es, bis Federer sein erstes Break holte – ein schmerzhaftes für seinen Gegner, der einen einfachen Volley gegen den bereits geschlagenen Schweizer ins Netz schlug: Federer konnte in der Folge in Sätzen ausgleichen. Im dritten Satz ließ der neue Turniersieger nicht nach, sondern zeigte sein bis dahin stärkstes Tennis. „Er hat sein Niveau nie fallen gelassen“, lobte der „Maestro“. Nach über zwei Stunden gelang Coric sogar ein Doppelbreak gegen den Titelverteidiger, das ihm schließlich die Thronfolge des Turniers einbrachte.

Krönte ein starkes Turnier mit dem Pokal: Borna Coric. Foto: Kemme

Auf die Entwicklung des kroatischen Youngsters darf man nach dem Sieg bei seiner dritten Teilnahme des ATP-Turniers in Halle gespannt sein: Der Routinier gab ihm noch eine Lektion mit auf den Weg: „Er darf nicht den Fehler machen zu glauben: ‚Ich hab Federer in Halle geschlagen, jetzt kann ich jeden schlagen.‘ Das habe ich damals gemacht, als ich Sampras geschlagen habe.“ 

Mit dem verlorenen Finale ist Federer auch seine Spitzenposition in der ATP-Weltrangliste los. Nun heißt es für den Schweizer, sich mit seinem Team ideal auf das Turnier in Wimbledon in einer Woche vorzubereiten. „Ich werde kurz und hart trainieren“, sagte der achtfache Sieger, „ich glaube, dass ich nicht viel Training brauche, um meinen Rhythmus zu finden.“

Mit leeren Händen standen am Sonntag auch die Zverev-Brüder Mischa und Alexander nach dem Finale im Doppel da: Die beiden Hamburger unterlagen den Titelverteidigern, dem Brasilianer Marcelo Melo und Lukasz Kubot aus Polen, mit 6:7 und 4:6.

Alexander und Mischa Zverev verloren das Doppel-Finale. Foto: Helmut Kemme


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