Alles oder nichts im Spiel gegen Schweden Bleibt der Weltmeister im Turnier oder tritt er die vorzeitige Heimreise an?

Von Christoph Fischer

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Mit seinem Elfmetertor sicherte Schwedens Kapitän Andreas Granqvist seinem Team den Sieg gegen Südkorea. Foto: Petr David Josek/APMit seinem Elfmetertor sicherte Schwedens Kapitän Andreas Granqvist seinem Team den Sieg gegen Südkorea. Foto: Petr David Josek/AP

Sotschi. Gegen Schweden lastet auf der deutschen Nationalmannschaft ein großer Druck.

Da kann Bundestrainer Joachim Löw noch so entspannt an der Laterne der Strandpromenade von Sotschi lehnen, die Anspannung beim Weltmeister ist vor dem zweiten Vorrundenspiel gegen Schweden mit den Händen zu greifen. Es geht um alles oder nichts bei der Weltmeisterschaft in Russland. "Alle von uns haben Riesendruck, keiner von uns will sich ein Ereignis, das nur alle vier Jahre stattfindet, vermasseln lassen", sagt Mats Hummels vor der Weg weisenden Begegnung. Ein Sieg gegen die Skandinavier ist für den Weltmeister ohne Alternative. (Weiterlesen: Drohende WM-Szenarien: So scheidet Deutschland bereits am Samstag aus)

Schweden ist bestens vorbereitet

Und die Schweden scheinen bestens vorbereitet. Nach dem Auftaktsieg gegen Südkorea verbreitet Emil Forsberg Selbstbewusstsein. Forsberg zählt bei den Schweden zu den Führungsfiguren: "Wir haben in der Qualifikation die Italiener bezwungen, ich wüsste nicht, warum wir nicht auch die deutsche Mannschaft schlagen können." Timo Werner, der wie Forsberg in Leipzig unter Vertrag steht, hat eine hohe Meinung von seinem Teamkollegen: "Emil könnte in jeder Spitzenmannschaft der Welt spielen." Werner selbst hat vor den Schweden "Respekt, aber keine Angst." Forsberg erwartet schlicht ein "großes Spiel".

Besondere Duelle gegen Schweden

Duelle mit Schweden bei Turnieren waren immer etwas Besonderes. Gewonnen haben die Skandinavier aber nur das Halbfinale im Ullevi-Stadion 1958 gegen die Mannschaft um Kapitän Fritz Walter mit 3:1. "Es war der schwärzeste Tag in meinem Leben. Das Foul hat mich ewig verfolgt", sagt der Düsseldorfer Erich Juskowiak noch Jahre danach über seine Tätlichkeit gegen Kurt Hamrin, sie war "der Anfang vom Ende" (Uwe Seeler). 1934 gewann Deutschland 3:1 im Viertelfinale, das Viertelfinale der Weltmeisterschaft 1974 mit 4:2, und 2006 entschieden zwei Tore von Lukas Podolski das Achtelfinale in München mit 2:0.

Oder auch September 1965 in Solna. Uwe Seelers Tor zum 2:1 ebnet den Weg zur Weltmeisterschaft und zum Wembley-Tor 1966 in England. In Erinnerung bleibt das 4:4 (3:0) 2012 in Berlin in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014. Wer Augenzeuge war, wird dieses Spiel nie vergessen. Bis zum 4:0 nahm die deutsche Mannschaft die Skandinavier regelrecht auseinander, und dann zeigen Zlatan Ibrahimovic und seine Truppe, das es auch anders geht. Die deutsche Mannschaft sieht die Wende nicht kommen und zerfällt nach den ersten beiden Gegentoren der Schweden in ihre Einzelteile. "Ich konnte es selbst lange Zeit nicht glauben, das war unwirklich" sagt Joachim Löw. Die schwedische Zeitung Aftonbladet schreibt damals: "Schweden braucht kein neues Nationalstadion in Stockholm. Wir haben schon eins in Berlin. Wir sind von den Toten auferstanden."

Schweden sieht Deutschland als Favorit

2018 sind die Zeiten andere, aber diese Begegnung weckt immer wieder Erinnerungen. Und dass Trainer Janne Andersson ("Ich bin prozessorientiert und todlangweilig") sich frühzeitig gegen die Reaktivierung von Ibrahimovic in der Nationalmannschaft aussprach, rechnete man ihm eher positiv an. "Bei uns übernehmen andere die Verantwortung", sagt Emil Forsberg und meint unter anderem sich selbst. Kapitän Andreas Granqvist, der mit seinem Elfmetertor das Spiel gegen Südkorea entschied, sagt vor dem Spiel gegen den Weltmeister am Samstagabend (20 Uhr/MESZ): "Wir können nicht wie Mexiko spielen, wir haben andere Spielertypen. Wir müssen spielen wie zuletzt gegen Italien und Frankreich, kompakt stehen, Chancen kreieren und den Ball so lange halten wie möglich." Schweden gewann in der Qualifikation gegen Frankreich im Juni 2017 mit 2:1 und setzte sich in den Playoffs gegen Italien durch. 

"Die deutsche Mannschaft ist trotz des 0:1 gegen Mexiko der Favorit", sagte Ludwig Augustinsson, Verteidiger von Werder Bremen: "Trotzdem werden alles tun, um sie aus dem Turnier zu werfen." Im schwedischen Angriff werden erneut Marcus Berg und Ola Toivonen erwartet.

Berg träumt von Sieg gegen Weltmeister

Der ehemalige Gladbacher und Hamburger Bundesliga-Profi Martin Dahlin pflegt nach wie vor engen Kontakt zur schwedischen Mannschaft. Dahlin glaubt, dass die Schweden nicht ohne Chance sind: "Der Trainer wird die Aufstellung nicht ändern, die Mannschaft wird sich zurückziehen und versuchen, gut zu stehen. Offensiv werden sie über Konter und Standards zum Erfolg kommen." Marcus Berg, beim Hamburger SV vor Jahren als Missverständnis ausgemustert, verdient inzwischen beim Al-Ain-Sport-Club in den Arabischen Emiraten sein Geld und war mit acht Treffern in neun Spielen schwedischer Goalgetter in der Qualifikation. Aktuell träumt Berg von einem Sieg gegen den Weltmeister: "Warum eigentlich nicht?" (GEA)


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