Beginn der neuen Nachdenklichkeit? DFB-Präsident spricht Bundestrainer Löw vor Schweden-Spiel Vertrauen aus

Von Christoph Fischer

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Für Bundestrainer Jogi Löw geht es mit der Nationalelf gegen Schweden um alles. Foto: dpa/Ina FassbenderFür Bundestrainer Jogi Löw geht es mit der Nationalelf gegen Schweden um alles. Foto: dpa/Ina Fassbender

Sotschi. Joachim Löw wirkt vor dem Spiel gegen Schweden so nachdenklich wie selten zuvor. Er steht vor einem Tag der Entscheidung.

Der Bundestrainer überlegt lange, bevor er Fragen beantwortet. Dann sagt Löw: "Ich bin sicher, dass die Mannschaft gegen Schweden eine Reaktion zeigt. Wir werden eine Reaktion zeigen müssen, wir müssen liefern." Mats Hummels wird in der Abwehr wegen eines blockierten Halswirbels fehlen. Vermutlich rückt Niklas Süle vom FC Bayern in die Startformation.

Grindel steht hinter Löw

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, fühlte sich am Freitag bemüßigt, Löw, dessen Vertrag vor der Weltmeisterschaft bis 2022 verlängert worden war, nachdrücklich das Vertrauen auszusprechen: "Wir vertrauen darauf, dass unser erfahrenes Trainerteam die richtigen Entscheidungen trifft und die Mannschaft die richtige Reaktion zeigen wird." Die Niederlage gegen Mexiko wirkt immer noch nach, irgendwie. "Gegen Mexiko hat nichts funktioniert, deshalb müssen wir unsere Spielidee nicht ändern, aber wir müssen zwingend Korrekturen vornehmen." 

Energisch wird Löw erst, als er gefragt wird, ob er inzwischen Zweifel an seinen Führungsspielern habe. Löw reagiert fast wütend: "Ich bitte Sie, ich werde doch das grundsätzliche Vertrauen in meine Spieler nicht wegen einer Niederlage verlieren, das wäre fatal. Natürlich verliere ich das Vertrauen in diese Spieler nicht, die seit Jahren überzeugend spielen."

Enttäuschter Löw

Jeder wisse, was er von Mesut Özil halte: "Das muss ich nicht unterstreichen. Nicht nur Mesut stand in der Kritik, wir alle standen nach dem ersten Spiel in der Kritik. Und diese Kritik war berechtigt. Wir müssen gegen Schweden lange Wege gehen, wir müssen in die Tiefe, hinter die Abwehr, alles das, was wir gegen Mexiko nicht getan haben. Und das muss jeder tun, egal wer spielt." Löw wirkte immer noch enttäuscht von dem 0:1 zum Auftakt, fast beleidigt von der enttäuschenden Vorstellung seiner Mannschaft: "Wir müssen liefern."

Dass Jonas Hector in die Mannschaft zurückkehrt, scheint klar. Dass Marco Reus auf der linken Seite vor Hector spielt, scheint ebenso klar. Noch offen ist die zentrale Position im Angriff. Galt noch am Vortag als sicher, dass Timo Werner sein zweites Spiel in der Startformation bestreitet, überlegt Löw offensichtlich die Variante, gegen die körperlich dominierenden Schweden den Stuttgarter Mario Gomez aufzubieten. Gomez selbst sagt: "Das ist von taktischen Fragen abhängig, und die Taktik bestimmt der Trainer. Dass ich bei der Abschluss-Pressekonferenz bin, kann ein Hinweis sein. Oder ein Bluff." Joachim Löw auf die Frage, ob Gomez spielt: "Kann sein." Dass Sami Khedira und Mesut Özil nicht in der Startformation stehen, ist nach Löws Aussagen vom Freitag nicht zu erwarten. Löw neigt ohnehin nicht zu umfangreichen Umbesetzungen. Und Khedira und Özil zählen in Löws System zu den Stützen.

"War klar, dass wir die Gejagten sind"

"Energie und Körpersprache ist gefordert gegen Schweden", sagt Löw. Er habe seine Gedanken, er habe einen Plan. "Wir sind Weltmeister, wir sind Sieger im Confederations Cup, es war klar, dass wir die Gejagten sind. Und ich warne vor Schweden als Mannschaft. Diese Mannschaft verteidigt mit Hingabe, aber wir haben die Mittel, uns Chancen zu erarbeiten, wir kennen diese Situationen." Nur selten lösen sich Löws Gesichtszüge, beim Bundestrainer scheint sich nach der Auftaktniederlage eine neue Nachdenklichkeit breitgemacht zu haben. Ungewöhnlich für einen Mann, der gerade seinen Vertrag bis 2022 verlängert hat.

Schwedens Trainer Janne Andersson gab sich zuvor selbstbewusst: "Überheblichkeit ist sicher das geringste Problem, das der schwedische Fußball hat. Aber wir haben unseren Platz bei der Weltmeisterschaft verdient. Wir haben uns genau angeschaut, wie der Weltmeister spielt, die Deutschen werden mehr Ballbesitz haben, unsere Abwehr wird entscheidend sein, aber wir haben Spieler, die Druck aushalten können." Kapitän Andreas Granqvist sagt: "Vor der Weltmeisterschaft war Deutschland der große Favorit, dann haben sie gegen Mexiko verloren. Es ist überwältigend, dass wir den Weltmeister aus dem Turnier werfen können. Davon träumst du eine Karriere lang. Ich hoffe, dass wir noch lange in Russland bleiben können." Andersson sprach von einer "großen Chance". (GEA)


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