Offensiv-Problematik Stürmer Werner: "Alle werden um ihr Leben kämpfen"

Von Wolfgang Stephan

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Tat sich bei seiner WM-Premiere gegen Mexiko sehr schwer: Stürmer Timo Werner. Foto: imago/Laci PerenyiTat sich bei seiner WM-Premiere gegen Mexiko sehr schwer: Stürmer Timo Werner. Foto: imago/Laci Perenyi

Sotchi. Gegen Mexiko schwächelte nicht nur die Defensive, sondern auch im Sturm war's mau. Das soll sich gegen Schweden ändern.

"Gesprochen wurde genug, jetzt muss geliefert werden" – das sagt der Mann im Team, der mitverantwortlich ist, dass die deutsche Mannschaft am Sonnabend die Tore schießt, die notwendig sind, um eine WM-Zukunft zu haben: Miroslav Klose. Der WM-Rekordtorschützenkönig zeigt sich optimistisch: "Wir haben die besten Spiele unter Druck gemacht, deswegen bin ich für Samstag sehr positiv gestimmt." Die Zweifel wischte er mit der rhetorischen Frage weg: "Aus wieviel Löchern bin ich den rausgekrabbelt?"

Klose glaubt an eine Wende

Miroslav Klose war schon zu seinen aktiven Zeiten kein Mann der großen Worte. Aber Wichtiges hatte er immer zu sagen. Und so zeigte sich der beim DFB für die Offensive zuständige Trainer-Lehrling gestern in Sotschi zuversichtlich, dass gegen die Schweden eine andere Mannschaft auflaufen wird – anders in der Einstellung. "Die Führungsspieler müssen vorangehen, die haben mehr Erfahrung auf dem Buckel und die müssen liefern", sagte der ehemalige Nationalspieler, der nach dem Titelgewinn in Rio freiwillig auf die Nationalmannschaft verzichtet hatte, um dann ab der Euro 2016 beim DFB-Trainerteam als Praktikant zu beginnen. Ab der kommenden Saison übernimmt Klose die U17-Junioren des FC Bayern.

Wie alle im DFB-Team mochte auch Klose gestern keinerlei Namen bezüglich des Neuanfangs nennen. Auf die Frage, welche Fähigkeiten seiner Stürmer gegen die Schweden besonders gefragt sind, sagte Klose: "Wir brauchen die Spieler, die in die Tiefe gehen, die Spieler, die diese Läufe machen, das Diagonalspiel suchen, Räume öffnen und nicht nur zum Ball gehen." Dass dies in einem Bewerbungsvideo von Marco Reus zu sehen sei, quittierte der Trainer-Azubi mit einem vielsagenden Lächeln.

Klose präferiert Werner anstatt Gomez

Im Sturmzentrum sieht Klose den Leipziger Timo Werner derzeit als seinen legitimen Nachfolger, wenngleich er schon vor der WM deutlich gemacht hatte, dass dem 22-Jährigen noch einiges fehle, um in die Weltspitze zu kommen. Dass Klose seinen ehemaligen Konkurrenten Mario Gomez nicht als erste Wahl findet, ist auch bekannt. Wie schon zuvor Manuel Neuer, so sprach auch Klose gestern immer wieder von der Achse der Führungsspieler, die es richten müssten. Damit deutet sich an, dass es den großen personellen Umbruch am Sonntag nicht geben dürfte.

Während in der allgemeinen Aufarbeitung des Debakels gegen Mexiko immer von der fehlenden Einstellung und der mangelnden Bereitschaft sich gegenseitig zu helfen, die Rede war, bestätigte Mario Gomez, dass die Mannschaft von der Spielweise der Mexikaner überrascht worden sei. "Mexiko hat ganz anders gespielt, als wir es erwartet hatten und damit sind wir nicht klar gekommen." Und: "Es gibt nicht viele Mannschaften, die unsere Schwächen so gnadenlos aufzeigen." Dass auch andere Teams künftig den Weltmeister mit einer anderen Taktik überraschen werden, sei zu erwarten. Aber darauf könne sich die Mannschaft einstellen. Der Stuttgarter: "Ich sehe überhaupt nicht schwarz, wir wissen, worauf es ankommt. „Ich glaube schon, dass das nichts mit Qualität zu tun hat, sondern mit Bewusstsein." Ob er sich in der Startelf sieht, weil gegen die Schweden ein robuster Angreifer gebraucht werden könnte: "Es ist nicht mein Naturell, das zu sagen." Dann schob er aber noch nach: "Ich bin topfit."

Timo Werner: "Alle wissen, um was es geht"

Der Leipziger Timo Werner glaubt, dass die Führungsspieler die Sache richten werden. "Die wollen hier nicht schon in der Vorrunde ausscheiden, das wäre auch für sie persönlich eine Niederlage." Seinen Aufstellungswunsch umschreibt er so: Gegen Schweden zu gewinnen, sei keine Frage einer veränderten Aufstellung. "Mit dem Personal, das gegen Mexiko verloren hat, können wir auch ohne Veränderungen gegen die Skandinavier gewinnen", sagte Werner – auch in eigener Sache. Sein Blick auf den Sonnabend: "Alle wissen, um was es geht und sind bereit – um es mal ganz krass zu sagen – am Wochenende um ihr Leben zu kämpfen."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN