Deutschlands einziger Weltstar Toni Kroos – Der Dirigent greift nach dem nächsten Stern

Von Alexander Barklage

Unersetzlich bei Real Madrid: Seit 2014 spielt Toni Kroos bei den Unersetzlich bei Real Madrid: Seit 2014 spielt Toni Kroos bei den "Königlichen" und holte dort dreimal die Champions League. Foto: imago

Madrid. Beim Weltklub Real Madrid ist der vierfache Champions League-Sieger längst nicht mehr wegzudenken - jetzt greift Kroos mit der DFB-Auswahl nach dem nächsten Titel.

Für Toni Kroos war es fast schon gewohnte Routine. Am Samstagabend reckte er bereits zum vierten Mal den Champions-League-Pokal in die Höhe. Damit ist Kroos in Sachen Königsklasse, der erfolgreichste deutsche Spieler der Geschichte. Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Sepp Maier schafften es nur dreimal den kontinentalen Titel zu gewinnen. Toni Kroos ist aktuell vielleicht der einzige wirkliche Weltklasse-Spieler in Deutschland. Er führt die Regie und dirigiert das Team von Real Madrid. Neben und auf dem Platz ist der 28-Jährige jedoch nicht der Lautsprecher, auch wenn er eine Menge zu sagen hat. 

"Normalerweise mache ich mir aus Zahlen nichts", sagte Kroos. Aber die Königsklassen-Statistik erfüllt ihn mit Stolz. "Man weiß, wie schwer dieser Titel zu holen ist, wie viele Mannschaften mit hoher Qualität das jedes Jahr versuchen", sagte der Dauer-Champion. "Den Titel dreimal in Folge zu gewinnen, ist speziell - und ihn selbst viermal gewonnen zu haben, dafür braucht man kurz, um das richtig zu realisieren."

Kroos' Stern ging in Südkorea auf

Aus den Händen von Bayern-Legende Franz Beckenbauer erhielt der gebürtige Greifswalder seine erste große Auszeichnung. Bei der U17-Weltmeisterschaft 2007 wurde der damals 17-jährige Kroos zum besten Spieler des Turniers gewählt. Mit der Nachwuchsauswahl holten er unter Bundestrainer Heiko Herrlich Platz drei. Nach diesem Wettbewerb ging der Hype um das junge Riesentalent richtig los. Herrlich prophezeite ihm eine "fantastische Karriere" und bei den Bayern hatte sie schon das Trikot mit der Nummer 10 für Kroos freigehalten. Kurz nach der WM debütierte er unter Trainer Ottmar Hitzfeld in der Bundesliga beim 5:0-Heimsieg über Energie Cottbus. Doch im Saisonverlauf konnte sich der Mittelfeldspieler ob der großen Konkurrenz bei den Bayern nicht durchsetzen. Auch unter Jürgen Klinsmann kam Kroos beim Rekordmeister nicht zum Zug und wurde in der Winterpause 2009 an Bayer Leverkusen ausgeliehen. Dort blühte er vor allem unter Trainer Jupp Heynckes richtig auf und zeigte sein überbordendes Potenzial. 

Im deutsch-deutschen Finale gegen Borussia Dortmund gewann Toni Kroos, hier neben Claudio Pizarro, zum ersten Mal den Champions-League-Titel. Im Finale musste er allerdings verletzungsbedingt zuschauen. Foto: imago/ActionPictures

Zur Saison 2010/11 kehrte er nach München zurück und war fortan unumstrittener Stammspieler bei den Bayern. Mit seinem Förderer Jupp Heynckes holte er dann 2013 zum ersten Mal die Champions League. In München fühlte sich der gebürtige Greifswalder dennoch nie richtig wertgeschätzt - nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft in Brasilien 2014 wechselte der Nationalspieler zu Real Madrid. Ein Transfer, der nicht ohne Nebengeräusche verlief. Lange stand Kroos mit den Bayern in Verhandlungen über eine mögliche Verlängerung - doch beide Seiten konnten sich nicht einigen. Karl-Heinz Rummenigge ließ sich dem Vernehmen nach zu den Worten "Du bist kein Weltklasse-Spieler. Wir werden dir nicht mehr als zehn Millionen Euro im Jahr zahlen" hinreißen. Für Kroos indes stand weniger das Geld als vielmehr der Respekt und die Anerkennung seiner Leistungen seitens des Vereins im Vordergrund - da er sich letzterer nicht sicher war, wechselte er für 25 Millionen Euro Ablöse nach Spanien. Sein Spieleberater Volker Struth bezeichnete den Deal für Real damals als "Schnäppchen des Jahrhunderts". Und sollte recht behalten.

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Passmaschine und Spielgestalter

Seit 2014 spielt Kroos nun eine sehr wichtige Rolle bei den Madrilenen. Im Mittelfeld ist er nicht mehr wegzudenken. Kurz nach dem gewonnenen Finale gegen Liverpool am vergangenen Samstag sagte sein Teamkollege Luka Modric der Zeitung "Die Welt" über seinen Teamkollegen: "Von Toni hätte ich gerne seine Gelassenheit und seinen kühlen Kopf beim Pass. Der wird nie nervös - es ist unglaublich, da kann passieren, was will." Auch sein aktueller Trainer Zinedine Zidane lobt den Deutschen: "Toni Kroos ist ein unglaublich intelligenter Spieler“. Für den Franzosen ist Kroos so etwas wie der verlängerte Arm auf dem Platz. Kroos' Stärke ist nicht nur seine überragende Technik, sondern auch seine Übersicht und seine Passgenauigkeit. Kritiker werfen ihm immer wieder vor, dass er nur Sicherheits- oder Querpässe spielt und so prozentual immer eine gute Passquote vorzuweisen hat. Bei Real hat er sich aber mehrere Spitznamen erarbeitet: "Mister Präzision" oder "das Metronom" wird er genannt, weil er eben kaum einen Ball nicht an den Mann bringt und nicht aus der Ruhe zu bringen ist. 


In vier Jahren bei Real Madrid hat er jetzt schon dreimal die Champions League gewonnen. Er wurde Weltmeister und viermal Fifa-Club-Weltmeister. Kroos ist erst 28 Jahre alt. Sein Coach Zidane glaubt daran, dass die Kurve bei Kroos noch weiter nach oben gehen wird. „Er sagte mir kürzlich, als ich 28 wurde: ‚Deine beste Zeit kommt in den nächsten drei, vier Jahren!‘ Das war zumindest seine Erfahrung als Spieler. Er bekam in dieser Phase noch ein besseres Gefühl für seinen Körper wie auch für die Situationen auf dem Platz“, so der deutsche Nationalspieler in der "Sport-Bild". Den Vertrag bei den Königlichen hat Kroos 2016 langfristig bis 2022 verlängert. Die Wertschätzung, die er bei den Bayern vermisste, wird ihm in Madrid zu teil. Kroos hat noch viel vor mit dem "größten Verein der Welt". Das Endspiel der Champions League im kommenden Jahr findet ausgerechnet in Madrid statt. Nicht im heimischen Bernabeu sondern im neuen Stadion des Stadtrivalen Atletico Madrid. Wenn das kein Ansporn für Kroos und Co. ist? 

Stolzer Familienvater: Toni Kroos feierte den Champions League gegen Liverpool auf dem Spielfeld mit seinen Liebsten Ehefrau Jessica, Sohn Leon und Tochter Amelie. Foto: imago/ActionPictures

Nächster Titel mit der Nationalmannschaft?

Doch vorher steht für den Mittelfeldspieler die WM in Russland an. Zur Zeit befindet sich Kroos mit seiner Familie im Sonderurlaub.  "Ich habe schon ein paar Tage, um kurz mal an etwas anderes als Fußball zu denken", so Kroos nach dem Champions-League-Sieg gegen Liverpool. Erst am kommenden Samstag stößt er dann zur Nationalmannschaft. Das Testspiel gegen Österreich wird er daher verpassen. Aber unter Bundestrainer Joachim Löw ist Kroos sowieso in der Mittelfeldzentrale gesetzt. "Ich schaue natürlich voraus auf das Turnier. Eine WM ist etwas Besonderes und speziell für die Spieler. Wir wollen unseren Titel in Russland verteidigen."