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Vorwürfe gegen Zuschauer Furcht vor gewalttätigen Fans – droht Chaos bei Cottbusser Relegationsspiel?

Von Alexander Barklage

Zirka 4000 Fans aus Cottbus werden am Donnerstagabend im Kieler Holstein Stadion erwartet. Foto: imago/Matthias KochZirka 4000 Fans aus Cottbus werden am Donnerstagabend im Kieler Holstein Stadion erwartet. Foto: imago/Matthias Koch

Flensburg/Cottbus. Beim Spiel Weiche Flensburg gegen Energie Cottbus in Kiel steht vor allem das Verhalten der Gästefans im Fokus.

Für den SC Weiche Flensburg ist es das Spiel des Jahres: Am Donnerstagabend trifft die Mannschaft von Trainer Daniel Jurgeleit in der Relegation zur 3. Liga auf Energie Cottbus. Auf dem Papier ist es ein Heimspiel für die Norddeutschen, doch in Wirklichkeit ist es ein doppeltes Auswärtsspiel Die Partie wird in Kiel ausgetragen und die gefürchteten Cottbus-Fans werden in der Überzahl sein. Dieser Umstand macht auch der Polizei zu schaffen. 

Eigentlich tragen die Flensburger ihre Heimspiele im Manfred-Werner-Stadion aus. Doch das Stadion genügt nicht den Ansprüchen des DFB und ist als Austragungsort für das Relegations-Heimspiel nicht zugelassen worden. Daher spielt Weiche am Donnerstagabend (Anpfiff 19 Uhr) im Stadion von Holstein Kiel. Bis Mittwoch stand die Partie aufgrund von Sicherheitsbedenken auf der Kippe, doch dann gab es vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und von der Polizei in Kiel grünes Licht. 

Mehr Gästefans als Heimfans im Stadion

Jetzt soll also definitiv gespielt werden. Spannung wird es bereits vor und während des Spiels geben, denn es werden bis zu 4000 Fans aus Cottbus anreisen, darunter sollen auch zahlreiche Gewaltbereite sein, die bereits in anderen Stadien aufgefallen sind. Zahlreiche Cottbusser sollen sich über die Internetseite des Flensburger Vereins Tickets besorgt haben, wodurch eine Trennung der Fanblöcke zunächst nicht mehr gegeben war. Offiziell standen dem FC Energie 2418 Tickets zur Verfügung.  


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Insgesamt werden rund 6000 Zuschauer im Holstein-Stadion erwartet. Das heißt, die Anhänger des "Heimclubs" werden in der Minderheit sein. "Es werden rund 2500 Weiche-Fans im Stadion sein", erklärt Flensburgs Medienbeauftragter Julian Heldt. Das eigentliche Fassungsvermögen des Kieler Stadions liegt bei 12.000. Am vergangenen Montag war das Relegations-Rückspiel zwischen Holstein und dem VfL Wolfsburg bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Cottbuser Fanszene nicht mit bestem Ruf

Kopfzerbrechen bereitet den Verantwortlichen von Weiche, dem Sicherheitsdienst und der Kieler Polizei jedoch die Fans der Gäste aus der Lausitz. Einige Teile der Cottbuser Fanszene gelten als gewaltbereit und neigen zu rechtsradikalen Tendenzen. Immer wieder musste Energie Cottbus Strafen zahlen, weil sich die Fans Verfehlungen leisteten. Wie zum Beispiel am 28. April 2017 beim Auswärtsspiel in Babelsberg. Mehrfach musste der Schiedsrichter damals die Partie unterbrechen, weil die Cottbuser Fans den Platz stürmen und die Babelsberger Fans mit Pyro-Geschossen attackiert wurden. Der DFB hatte den Lausitzern danach wegen extrem rechter Verfehlungen seiner Anhänger zu einer Geldstrafe von 7.000 Euro verurteilt. 



Erst am vergangenen Montag im brandenburgischen Landespokal-Finale fielen die Cottbuser Fans wieder negativ auf, vor allem mit antisemitischen Äußerungen. Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz verteidigte anschließend die eigenen Fans und erklärte, dass der 1:0-Sieg besonders für die treuen Anhänger erkämpft wurde, weil diese immer wieder fälschlicherweise in die "braune Ecke" gestellt werden würden. Daraufhin schaltete sich das Jüdische Forum ein und postete ein Video via Twitter. Das zeigte wie die Energie-Fans während des Pokalspiels sich immer wieder mit den Ordnungskräften anlegen und gewaltverherrlichende Parolen rufen. 

Jüdisches Forum verurteilt Fanverhalten der Cottbuser

Levi Salomon, Sprecher des Jüdischen Forums, sagte dazu: "Die Diskussionen um rechte Tendenzen in der Cottbusser Fanszene werden schon seit langem medial begleitetet. Dennoch sprach Wollitz nach den Ausschreitungen von 'fünf Idioten', die 'rechtsradikale Parolen losgelassen' hätten. Auch jetzt behauptete er, dass die Cottbusser Fans immer wieder zu Unrecht in die falsche Ecke gestellt würden. Wenn Pele Wollitz die große Mehrheit der Anhänger des FC Energie Cottbus unterstützen will, die keine Lust auf Naziparolen im Stadion hat, dann darf er das Problem mit den rechten Fans nicht herunterspielen."



Der Kieler Polizeisprecher Matthias Felsch sieht die Polizei und auch die Ordnungskräfte im und um das Holstein-Stadion herum gut aufgestellt. "Wir stehen im ständigen Kontakt mit den Fanbeauftragten von Energie Cottbus. Außerdem haben wir zusammen mit dem Ordnungsdienst im Stadion ein eingespieltes Team." Wie genau die Cottbuser Fans die 420 Kilometer weite Anreise bewältigen werden, weiß die Polizei aber nicht genau. Die meisten Cottbuser werden mit Sonderbussen anreisen, einige mit der Bahn nach Kiel fahren. "Sollte es Schwierigkeiten geben, werden wir die Fans sofort vom Bahnhof zum Stadion begleiten, die Shuttlebusse, wie es bei Holstein-Spielen üblich ist, gibt es am Donnerstag nicht."  

Vor wichtigen Spiel stehen vor allem Sicherheitsbedenken und befürchtete Fan-Ausschreitungen im Fokus, daher hofft Flensburgs Medienbeauftragter Heldt, dass es vor, während und nach dem Spiel ruhig auf den Rängen bleibt: "Wir hoffen, dass es ein tolles Spiel wird und das wir vielleicht eine Überraschung schaffen können." Das Rückspiel findet am Sonntag (14 Uhr, live im rbb) im Cottbuser Stadion der Freundschaft statt. Die Partie ist ausverkauft.


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