Neue Modedroge im Sport Ganz legal – Sportler steigern Leistung mit "Snus"

Von Alexander Barklage und Nina Brinkmann

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"Snus" ist rauchfreier Tabak, der in kleinen Beutelchen oder Dosen (siehe Bild) verkauft wird. In Deutschland ist die Einnahme legal, nur der Verkauf illegal. Foto: imago/Bildbyran"Snus" ist rauchfreier Tabak, der in kleinen Beutelchen oder Dosen (siehe Bild) verkauft wird. In Deutschland ist die Einnahme legal, nur der Verkauf illegal. Foto: imago/Bildbyran

Hamburg. Um die eigene Leistung zu steigern, greifen immer mehr Sportler auf die neue Modedroge "Snus" zurück – ganz legal.

Kaum einer der Millionen Fernsehzuschauer hat die Szene am vergangenen Mittwoch wahrscheinlich überhaupt wahrgenommen: Im Champions-League-Halbfinale zwischen Bayern München und Real Madrid (1:2) kaute Madrid-Stürmer Karim Benzema auf der Bank angeblich auf einem blauen Säckchen und steckte es sich anschließend unter die Oberlippe. Vermutlich war es Kautabak, auch "Snus" genannt. 

"Snus" ist rauchfreier Tabak, der vor allem im Skandinavien sehr beliebt ist. Dieser gelangt über die Mundschleimhäute in den Körper. Der Verkauf ist in Deutschland bisher illegal, der Konsum hingegen nicht. Der Tabak wird in den entsprechenden Ländern in Dosen verkauft oder in kleinen Beutelchen, wie sie wahrscheinlich Benzema am Mittwoch auch benutzte. Ein Päckchen dieses Tabaks enthält so viel Nikotin wie drei normale Zigaretten. Zudem enthält "Snus" 28 krebserregende Stoffe und soll abhängig machen. 

Sportler müssen keine Konsequenzen fürchten

Warum gehen Spitzensportler dieses hohe gesundheitliche Risiko ein? "Snus" steigert dank des Nikotins die Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelligkeit im Körper. Weiterer Vorteil: Dieser besondere Tabak wirkt wie ein Dopingmittel, steht aber nicht auf der Dopingliste. Die Sportler müssen bislang keine Konsequenzen fürchten.  Auch Bundesliga-Star Marco Reus soll angeblich ein Fan dieser neuen Trenddroge sein. Der deutsche Nationalspieler zeigte sich 2015 in einem Instagram-Post mit einer Dose Thunder, einem bekannten Hersteller von Snus. Im Eishockey ist Snus schon sehr weit verbreitet. In der Schweizer Profiliga soll sogar die Hälfte aller Eishockeyspieler "snusen"



Off to Greece ... #Januzajgoalinho#bvb

Ein Beitrag geteilt von Marco Reus (@marcinho11) am Sep 30, 2015 um 2:41 PDT



Doping-Diskussion im folgen Gange

Erst in der vergangenen Woche rückte das Thema Doping im Fußball wieder in den Fokus. DFB-Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hatte in einem Interview mit der „Zeit“ gesagt, dass er Doping im Fußball für sinnlos halte. „Im Fußball, soweit ich das übersehe, gibt es kein Doping“, so der Mediziner. Es würde Fußballern nichts bringen, mit Hilfe von Doping Muskelmassen anzutrainieren, „denn dann würden sie zu schwer werden."Die Elastizität ginge verloren, wie auch die Flexibilität und die Leichtigkeit. Wenn ein Spieler Stimulanzen nehme, sei er danach erschöpft und erleide im nächsten Spiel einen Leistungsabfall, erklärte der 75-Jährige.

Kritik der NADA

Er stieß mit seinen Aussagen auf großen Widerspruch. Die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA sagte der Rheinischen Post, dass Doping auch im Fußball durchaus Sinn machen würde. In der Sportart gehe es darum, die Regeneration zu beschleunigen sowie Verletzungen schneller und effektiver zu behandeln. Wenn dazu verbotene Substanzen und Methoden eingesetzt werden, wäre das ebenfalls Doping. „Doping kann nicht auf den Missbrauch von Anabolika oder den Einsatz von Stimulanzien reduziert werden", so die NADA in einer Erklärung. Daher sei Doping im Fußball „grundsätzlich nicht ausgeschlossen" und könne „einen entsprechenden Einfluss auf die Leistung haben".


Bayerns Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfarth, hier mit dem verletzten Arjen Robben, glaubt nicht an Doping im Fußball. Foto: imago/Sven Simon


Auch der ARD-Experte Thomas Hitzlsperger glaubt an die Wirkung von Doping im Fußball. „Ich bin sicher: Auch im Fußball kann Doping einen klaren Vorteil verschaffen. Doping hat nichts im Sport verloren und ist zu Recht verboten", sagte der ehemalige Nationalspieler der „Bild"-Zeitung. (mit Material der dpa)


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