Vorfreude auf Viertelfinale gegen BVB SF Lotte „Ein grandioses Erlebnis – so oder so“

Von Christian Detloff und Michael Jonas | 09.02.2017, 20:40 Uhr

Der attraktive Bundesligist Borussia Dortmund als Gegner im DFB-Pokal-Viertelfinale und die Liveübertragung von der ARD, die eine Millionenkulisse gewährleistet: Die positiven Nachrichten über Fußball-Drittligist Sporfreunde Lotte reißen nach dem 2:0-Sieg über 1860 München nicht ab.

„Mir fehlen die Worte – es ist einfach unglaublich!“ Was Hans-Ulrich Saatkamp direkt nach dem Heimsieg über die „Löwen“ sagte, dürfte auch für den Blick auf die nächste Pokalrunde gelten. Am Dienstag, 28. Februar, treffen die Sportfreunde um 20.45 Uhr auf Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund. Das Spiel wird live in der ARD übertragen.

Interessenten für Tickets für das DFB-Pokal-Spiel gegen die Borussen sollten angesichts des Traumloses nicht in Hektik verfallen: Die Vorverkaufs-Modalitäten wird der Verein erst bekannt geben, wenn der DFB beschlossen hat, ob das Viertelfinale wirklich in Lotte stattfinden kann.

 Interview mit SFL-Kapitän Gerrit Nauber: Der BVB ist ein richtig geiler Gegner >>

Bis Mitte der nächsten Woche will der Verband prüfen, ob die hohen Produktionsstandards, die wegen der zusätzlichen Live-Übertragung im Free-TV zu gewährleisten sind, sowie die Sicherheitskriterien in Lotte einzuhalten sind. Die DFB-Pressestelle äußerte sich auf NOZ-Anfrage optimistisch, dass im Frimo-Stadion gespielt werden kann. Der DFB, der Klub und die Medien hätten ein Interesse, dass die Pokalpartie in Lotte stattfinde. Der Klein-groß-Charakter werde geschätzt und sei Wesen des Pokals.

„Das ist ein Fußballspiel, eine realistische Aufgabe“, sagt Lottes Fußball-Obmann Manfred Wilke („Es waren noch andere attraktive Lose im Topf“) gewohnt trocken zur nächsten Pokalaufgabe. Wer die Bundesligisten Werder Bremen (2:1) und Bayer Leverkusen (4:3 i. E.) aus dem Pokal werfe, müsse sich auch vor dem BVB nicht fürchten. Ein Teil der Pokaleinnahmen, die bisher bei mehr als zwei Millionen Euro liegen, werde in die Infrastruktur investiert. „Wir müssen etwas mit unserem Rasen machen. Viele sagen, er sei desolat. Es kommt eine Rasenheizung dazu. Das kostet bestimmt eine Million“, rechnet er vor.

Ironie triefte indes aus der ersten Bewertung, die SFL-Kapitän Gerrit Nauber zum nächsten Gegner vornimmt: „Ach, die Aufgabe ist doch absolut machbar“, sagte er lachend. „Nein, der BVB ist natürlich ein richtig geiler Gegner. Dortmund hat Klassespieler. Wir werden aber wieder alles raushauen und wollen unsere minimale Chance nutzen. Es wird ein grandioses Erlebnis – so oder so.“

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Während seine Mitspieler direkt nach dem Abpfiff zu feiern begannen, wurde Nauber zur Dopingprobe abgeholt. „Ich musste trinken ohne Ende, bis ich endlich konnte. Das Prozedere hat gefühlt anderthalb Stunden gedauert“, sagt Nauber: „Schade, ich hätte in dieser Zeit gerne mit der Mannschaft gefeiert. Wir haben ja nicht so lang Party gemacht wie nach dem Sieg über Leverkusen.“

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, sangen die Lotter Fans während der zweiten Halbzeit lauthals. „Ich bin nicht so unglaublich optimistisch, dass ich uns im Finale sehe – auch wenn im Fußball irgendwie alles möglich ist“, so der Kapitän. Ähnlich denkt Rechtsaußen Kevin Freiberger, Schütze des 2:0 gegen 1860: „Wir machen uns da nichts vor: Dortmund ist das schwierigste Los. Wir werden aber auch da alles probieren“.

Vor knapp sieben Jahren, als Trainer-Novize beim 1. FC Gievenbeck in der Kreisliga, war Atalan, Coach der Sportfreunde, zum BVB-Training gefahren, um sich als einfacher Zuschauer selbstständig fortzubilden. „Ein interessanter Trainer und ein interessanter Gegner mit einer Art von Fußball, die ich mag“, sagt er über die Borussen. „Eigentlich hatte ich mir einen leichteren Gegner erhofft“, gesteht Atalan: „So dürfen wir uns darauf freuen, uns mit den Besten der Welt zu messen.“ Doch Atalan wäre nicht Lottes Coach, wenn er nicht selbstbewusst nachschieben würde: „Auch gegen Borussia Dortmund sind wir nicht chancenlos.“

Ein Grundsatz von Atalan lautet: „Mentalität schlägt sportliche Qualität.“ Der Trainer will attraktiven Fußball sehen – und duldet auch nach einer 2:0-Führung kein Ausruhen. „Fakt ist, dass wir mit seiner Philosophie richtig gut fahren“, sagt Nauber. Wir wollen immer attraktiven Fußball bieten, ohne dabei leichtsinnig zu sein.“ Das gelinge zwar nicht immer: „Generell impft uns der Trainer aber so viel Selbstvertrauen ein, dass wir stark genug sind, wenn wir unseren aktiven Fußball umsetzen.“ So wie am Mittwochabend.

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Atalans Vertrag in Lotte läuft im Sommer aus. In den kommenden Wochen beendet er den Lehrgang zum Fußballlehrer. Der 36-Jährige hatte vor der Winterpause Interesse von Zweitligisten geweckt, die ihn nach einem Trainerwechsel als möglichen Nachfolger sahen. Lotte würde gerne mit Atalan weiterarbeiten.

Wann es zu Vertragsgesprächen kommt? „Wenn er Lust hat. Irgendwann wird es Gespräche geben“, sagt Wilke und fügt hinzu: „Wenn er meint, er findet was Besseres, dann soll er das machen.“ Eine Aussage, die missverstanden werden kann. „Ich kenne die Art und Weise von Manni. Ich weiß schon, wie er es meint“, reagiert Atalan ganz gelassen.