Vier Trainer in vier Monaten Aus für Trainer Fascher – Golombek übernimmt SF Lotte

Von Michael Jonas, Michael Jonas | 31.10.2017, 21:00 Uhr

Die Sportfreunde Lotte haben Trainer Marc Fascher freigestellt. Neuer Coach ist Andreas Golombek. Der frühere Spieler des VfL Osnabrück (1991– 1993) ist bereits der vierte Trainer der Sportfreunde in dieser Saison.

Nach der achten Saisonniederlage beim 0:2 gegen die SG Sonnenhof Großaspach und Unstimmigkeiten in der Mannschaft zeichnete sich ab, dass Fascher einen schweren Stand hat. Die Fans machten ihrem Unmut Luft und forderten am Samstag lautstark seine Ablösung.

Auch Co-Trainer André Trulsen wurde freigestellt. Die Entscheidung traf der Vorstand nach intensiven Gesprächen in den letzten beiden Tagen. Marc Fascher wurde am Dienstagmorgen über den Schritt unterrichtet. Cheftrainer beim Tabellen-15. ist ab sofort Andreas Golombek, der zuletzt Trainer des SC Verl war. Aktuell ist die Position des Co-Trainers nicht besetzt. Das für Dienstagmittag angesetzte Testspiel bei SuS Neuenkirchen wurde abgesagt. „Die Sportfreunde bedanken sich bei Marc Fascher und André Trulsen für die gute Zusammenarbeit der letzten Wochen“, hieß es in einer Pressemitteilung des Drittligisten.

Mannschaft war wohl nicht die treibende Kraft

„Der Trainer hat einen Superjob gemacht, nur die Ergebnisse stimmten nicht. Wenn wir nicht gewinnen, steigen wir ab. Und das wollen wir nicht. Uns blieb keine andere Wahl. An Marc Faschers Arbeit gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Es geht hier nicht um einzelne Personen, sondern um den Verein“, meinte Manfred Wilke. Der Fußballobmann, der am Mittwoch einen neuen Co-Trainer „aus dem Umfeld des Vereins“ vorstellen will, verneinte, dass die Ablösung auf Druck von Spielern zustande gekommen sei. „Die hatten da null mit zu tun“, betonte Wilke. Am Tag vor der 0:2-Niederlage gegen Großaspach hatte Stürmer Bernd Rosinger Trainer Fascher der Lüge bezichtigt. „Ich bin nicht verletzt, sondern topfit und könnte spielen“, hatte der Angreifer, der seit Mitte August nicht mehr im Kader gestanden hatte, geäußert. Fascher begründete die Nichtberücksichtigung mit Rosingers Trainingsrückstand nach Verletzung oder machte es von taktischen Erwägungen abhängig.

Golombek freut sich auf Lotte

Golombek, der zuletzt bei Rot-Weiß Essen zum engeren Kandidatenkreis auf die Nachfolge des beurlaubten Trainers Sven Demandt zählte, meint zu seiner neuen Aufgabe in Lotte: „Ich habe den Fußballlehrer gemacht, um in den ersten drei Ligen zu trainieren. Hier will ich mich beweisen. Lotte ist eine tolle Herausforderung, auf die ich mich freue“, sagte Golombek, der am Dienstag bereits die erste Trainingseinheit in Wersen leitete. Besonders intensiv unterhielt er sich mit Bernd Rosinger und Tim Gorschlüter. Der 34-Jährige, dem immer wieder Hüftprobleme zu schaffen machen, könnte möglicherweise ein Kandidat für die Co-Trainer-Stelle sein.

Vier Trainer in vier Monaten

Fascher hatte am 27. Juli das Traineramt von Oscar Corrochano in Lotte übernommen, der nach nur einem verlorenen Spiel (0:2 in Rostock) und 13 Tagen den Verein verlassen hatte. Corrochano war wiederum nach Lotte gekommen, weil sich Ismail Atalan im Juli zum VfL Bochum verabschiedet hatte, wo er inzwischen entlassen worden ist. Faschers Bilanz bei den Sportfreunden: vier Siege, zwei Unentschieden und sieben Niederlagen, nur 14 Punkte aus 13 Spielen – das war zu wenig. Erst Stagnation, zuletzt Rückschritt – viel zu wenig für den Vorjahres-Zwölften und Pokalviertelfinalisten. „Vom Gefühl her hatten wir keine vier Trainer, weil Atalan ja von selbst gegangen ist. Jetzt mussten wir handeln. Wer das Spiel gegen Großaspach gesehen hat, weiß warum“, begründete Wilke den ungewöhnlichen Trainerverschleiß in Lottes zweitem Drittligajahr. Nach dem 0:2 am Samstag hatte er gesagt: „Das wird ja immer schlimmer.“

Golombek hat VfL-Vergangenheit

Am vergangenen Wochenende enttäuschte Lotte vor heimischem Publikum gegen Großaspach. Die Fans skandierten lautstark „Fascher raus“. Golombek hat im März seine Ausbildung zum Fußballlehrer erfolgreich beendet. Von Juli 2013 bis April 2017 hatte er den West-Regionalligisten SC Verl betreut. Der 49-Jährige war während seiner aktiven Laufbahn unter anderem für Arminia Bielefeld, den SC Freiburg, den VfL Osnabrück, die SG Wattenscheid 09, Fortuna Düsseldorf, den KFC Uerdingen 05 und den Grazer AK in Österreich am Ball. Vor dem SC Verl betreute er den ehemaligen Bundesligisten Borussia Neunkirchen (als Spielertrainer) sowie mehr als sieben Jahre lang den heutigen Nord-Regionalligisten VfV Borussia 06 Hildesheim.

Lotte, das nur einen Punkt von einem Abstiegsplatz entfernt ist, muss am Sonntag (14 Uhr) beim Tabellenvorletzten Rot-Weiß Erfurt antreten.