SFL-Mitarbeiterin aus Münster sieht die Preußen nur noch im Rückspiegel Caro-Ass vom neuen Tabellenführer

Von Thomas Niemeyer | 11.09.2011, 12:13 Uhr

Sie sieht ihr Geschäft, den Fußball, als emotional an; doch sie selbst bleibt meistens cool. Nur bei den beiden Toren ihrer Sportfreunde im Spitzenspiel gegen den 1. FC Köln II jubelte Carolin Huesmann lautstark. Und beim Abpfiff, der ihrem Arbeitgeber die Tabellenführung in der Regionalliga West beschert.

Die 29-jährige gelernte Bürokauffrau arbeitet seit Juli 2009 in der Geschäftsstelle in der ConnectM-Arena. Damals wechselte die gebürtige Münsteranerin aus der gleichen Position beim Liga-Konkurrenten SC Preußen ans Lotter Kreuz. „Da war ich schon mit zwölf als Fan im Stadion. Nach meiner Lehre habe ich mich dort beworben. Die kannten mich schon aus einem Praktikum und haben mich genommen“, erzählt Caro, wie sie bei den Sportfreunden genannt wird.

Den Job in Münster gab sie nicht freiwillig auf, lag mit einigen in der neuen Vereinsführung über Kreuz und musste gehen. Das bekamen die Lotter mit, die gerade nach einer Verstärkung für ihre Geschäftsstelle suchten. Pressesprecher Alfons Manikowski machte den Wechsel klar. Über Caros Satz: „Ich habe keine Ahnung von Fußball“ lacht der sich schlapp.

Am Samstag hatte das Caro-Ass immer einen Blick auf das parallel stattfindende Spiel der Preußen in Osnabrück – aber quasi nur im Rückspiegel. Sie wohnt immer noch in Münster, hat weiter gute Kontakte in den Verein, besucht auch SC-Spiele. „Aber inzwischen sehe ich deren Spiele mit Interesse, die der Sportfreunde mit Herz“, sagt sie cool.

Tatsächlich spricht sie während der gutklassigen Partie nur von „wir“ und „uns“, wenn sie die Sportfreunde meint. Ihr Umgang mit Spielern und Funktionären ist locker-familiär. Für SFL-Keeper Bastian Görrissen, den sie seit fünf Jahren schon aus Münster kennt, freut sie sich sichtlich, als der in der 7. Minute eine Hundertprozentige vereitelt.

Sauer ist sie auf die ZIS, die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei, wegen der gleichzeitigen Ansetzung der beiden Spiele. „Das ist nicht im Interesse der Zuschauer und kostet uns heute einige Hundert Besucher“, sagt sie ärgerlich. Die Kölner wären mit einer Verlegung auf Freitagabend einverstanden gewesen; aber das hätte die ZIS gar nicht interessiert – „wie schon öfter in der Vergangenheit“.

Carolin Huesmann geht es dabei weniger um die Atmosphäre im Stadion als um das Wohl ihres Arbeitgebers. Der ist schließlich auf Einnahmen angewiesen, um den Spielbetrieb in der mit vielen DFB-Auflagen recht teuren Regionalliga aufrechtzuerhalten. Daran hängt auch ihr Arbeitsplatz. Macht sie das nervös? „Nein. Fußball ist kein normaler Job. Ich habe es mir ja so ausgesucht.“

Nachdem die Sportfreunde die Anfangsoffensive der Gäste mit Glück schadlos überstanden haben, bekommen sie das Spiel immer besser in Griff. Als Christian Schlösser in der 39. Minute nach einem genialen Alleingang die Führung markiert, sind Münster und die ZIS vergessen. In der Halbzeit muss Caro Eintrittskarten zählen – bei 431 Zuschauern inklusive Dauerkarten keine langwierige Aktion.

Mit der Lotter Vereinsführung komme sie super aus, freut sich die junge Frau. Hier werde ihr Engagement geschätzt. Ob das auch für SFL-Macher Manfred Wilke gelte, der ja ein Fall für sich sei? „Manni Wilke?“, grinst sie. „Das ist ein Verrückter, aber im positiven Sinne. So einen haben die da in Münster nicht.“

Durchgehend verfolgt Caro die Ergebnisse der anderen Spiele auf ihrem Handy, weiß, dass „wir“ momentan Tabellenführer sind. Es braucht ein 2:0! Als vier Minuten vor dem Abpfiff Marcus Fischer im Strafraum gefoult wird, bleibt sie cool. „Mach das Ding weg“, spornt sie den Strafstoßschützen Marc Lorenz an, den sie unter den Spielern offenbar besonders schätzt. Er macht es weg. Die Entscheidung wird ausgelassen bejubelt.

Während sie sachlich das fast gleichzeitige 1:0 des VfL gegen Münster registriert, ruft sie ihren Vater an. „Hallo Papa, wir führen kurz vor Schluss 2:0 und sind Tabellenführer. Münster liegt in Osnabrück hinten. Bis später.“ Ist der Vater Preußen-Fan? „Wenn er heute nicht in Frankfurt wäre, wäre er mit hier“, antwortet sie. Eine Frage der Familienehre.