Lotte vor heißem Duell am Tivoli Atalan: Aachen weiter ein Topteam

Von Michael Jonas | 04.12.2015, 19:45 Uhr

Ist die hohe Niederlage des Gegners ein Nachteil oder ein Vorteil? „Ich würde sagen, eher ein Nachteil. Sie werden alles tun für eine Wiedergutmachung“, meint Ismail Atalan. Der Trainer der Sportfreunde Lotte glaubt an eine unangenehme Aufgabe an diesem Samstag (14 Uhr) bei Alemannia Aachen. Dennoch: Der Tabellenführer der Regionalliga West tritt optimistisch und mit der besten Abwehr (16 Gegentore) am Tivoli an.

Ex-Bundesligist Aachen hatte vor einer Woche eine deftige 0:6-Niederlage bei Viktoria Köln hinnehmen müssen und ist dafür heftig kritisiert worden. Das Wort von der „Schande“ machte die Runde in der Kaiserstadt.

„Wir haben das Spiel gesehen und analysiert. Aachen ist nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagt. Man hat manchmal solche Tage, da klappt bei deiner Mannschaft nichts, beim Gegner alles. Für mich gehören Viktoria Köln sowie Alemannia Aachen trotz der hohen Niederlage zu den stärksten Teams der Liga. Aachen hat einmal nicht funktioniert. Ein zweites Mal wird denen das nicht passieren. Sie werden mit Wut im Bauch antreten“, ist sich Atalan sicher. Er spricht von einem „50:50-Spiel“.

Warnung vor Ernst

Lotte nimmt keine Mannschaft auf die leichte Schulter. Dafür sorgt schon das Trainerteam. In ihren Beobachtungen haben sie vor allem Dominik Ernst als überragende Spielerpersönlichkeit ausgemacht. Der Verteidiger mit starkem Offensivdrang ist im Tecklenburger Land kein Unbekannter. In der Saison 2013/14 spielte er bei den Sportfreunden. „Ich sollte zuerst in Lotte verlängern, habe aber lange auf ein Angebot gewartet, das nicht kam“, beschrieb der 25-Jährige seine Beweggründe, den Verein zu wechseln. Am Tivoli spielt er an der Seite des Ex-Osnabrückers Timo Staffeldt. Aachen muss gleich auf acht Spieler verzichten. Alemannia-Trainer Christian Benbennek, der angesichts der angespannten Personallage drei U-20-Spieler in den Kader berief, fordert von seinen Spielern Grundtugenden. „Wir müssen bereit sein, mehr zu investieren als der Gegner.“ Die Alemannia rechnet mit rund 7000 Zuschauern auf dem Tivoli, wo am 2. Spieltag schon 13000 Zuschauer die Partie gegen die U20 von Borussia Mönchengladbach sahen.

„Vorsichtig optimistisch“

Ismail Atalan muss weiter auf Tim Gorschlüter verzichten, dessen Hüftbeschwerden noch nicht ganz abgeklungen sind. „Wir sind vorsichtig optimistisch“, meint Lottes Coach, der ansonsten seine Bestbesetzung aufbieten kann. Wie die aussieht, weiß er noch nicht. „Das ist oft ein Bauchgefühl. Ich stehe morgens auf und sage, die und die Spieler kommen zum Einsatz.“ Bisher hat der 35-Jährige damit ganz gut gelegen. „Ich setze mir Wochenziele. Von den 19 Pflichtspielen konnten wir in dieser Saison 13 positiv gestalten, sechs nicht“, legt Atalan 17 Punktspiele und die beiden Pokalbegegnungen zugrunde.

Dennoch sieht er seine Mannschaft auf einem guten Weg. „Uns hat die Geschlossenheit stark gemacht“, betont der Trainer, der dennoch nach Verstärkungen Ausschau hält. Vor allem ein kopfballstarker Stürmer schwebt ihm vor. Dass dies der Essener Cebio Soukou sein könnte, wie der Reviersport schrieb, bezeichnet der Lotter Trainer als „völlig aus der Luft gegriffen.“ Soukou war vor einem Jahr im Spiel gegen Lotte (1:1) gedopt, woraufhin die Sportfreunde vehement drei Punkte forderten. Vergebens.