„Haben nichts zu verlieren“ Sportfreunde Lotte setzen gegen Leipzig auf Heimstärke – Verzwickt: Tore schießen und ein Tor verhindern

Von Michael Jonas | 31.05.2013, 16:52 Uhr

Aus den Fehlern lernen: Das 0:2 im Hinspiel hat die Sportfreunde Lotte mächtig geärgert, aber nicht verunsichert. Im Relegationsrückspiel am Sonntag (14 Uhr) gegen RB Leipzig erwartet Lottes Trainer Maik Walpurgis eine Trotzreaktion seiner Mannschaft und eine Partie voller Leidenschaft. Den Aufstieg in die 3. Liga hat der Meister der Regionalliga West trotz der verzwickten Ausgangslage nicht abgeschrieben.

Wie ist die Stimmung in Lotte? „Wir haben nichts zu verlieren“, sagt Walpurgis und verweist auf die Heimstärke der Sportfreunde. In der Regionalliga West gewann Lotte von 19 Spielen 16, drei Partien endeten Unentschieden. Das Torverhältnis zu Hause war mit 45:9 das ganz klar beste aller Westklubs. Die letzte Heimniederlage datiert saisonübergreifend vom 14. April 2012 (3:5 gegen Wuppertal). „Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. In Lotte haben wir schon viel bewegen können“, sagt Sportfreunde-Kapitän Tobias Willers. „Wir müssen den Punch nach vorne bringen und in die Zweikämpfe gehen“, fordert Walpurgis.

Wie ist die Ausgangslage? Nach dem 0:2 im Hinspiel ist Lotte in der Zwickmühle. Auf der einen Seite wäre ein frühes Tor gut, auf der anderen Seite würde ein Gegentor schon fast das Aus bedeuten. Denn dann müsste Lotte vier Tore schießen. Die Sportfreunde, die in der Vergangenheit häufig Nervenstärke bewiesen und in der Schlussphase trafen, können sich diese abwartende Haltung am Sonntag nicht erlauben. Das Prinzip „Sicherheit zuerst“ kann nur Teil der Strategie sein. Denn auch Leipzig ist abgezockt. Die Sachsen wollen im dritten Anlauf den Aufstieg schaffen, Lotte, das 2008/09 in die Regionalliga aufstieg, ist seit der Spielzeit 2009/10 dreimal denkbar knapp am direkten Aufstieg gescheitert.

Wird das Stadion ausverkauft sein? Wahrscheinlich nicht. 2500 Karten haben die Sportfreunde verkauft, 2500 sind nach Leipzig gegangen. Am Sonntag ab 11.30 Uhr sind die Kassenhäuschen geöffnet. In Leipzig waren gegen Lotte 30104 Zuschauer in der WM-Arena von 2006. Das ist Rekord für ein Viertligaspiel. Zuvor hatte das Derby Lok gegen RB Leipzig am 2. September 2012 insgesamt 24795 Fans angelockt.

Wird die Partie im Fernsehen übertragen? Ja, wie im Hinspiel berichtet der MDR live (14 Uhr).

Wie ist die personelle Situation? Nach wie vor ist die Rote Karte gegen Amir Shapourzadeh im Hinspiel ein Thema in Lotte. „Der Platzverweis war nicht berechtigt. Wir haben uns die Szenen einige Male angeschaut. Die Schiedsrichterin hatte die Situation nicht im Griff und eine Fehlentscheidung getroffen. Leipzigs Torwart hat mit einer Showeinlage vom Feinsten den Platzverweis provoziert“, sagt Walpurgis. Der DFB wird wegen der Tatsachenentscheidung nicht einlenken. Spielleiterin Bibiana Steinhaus hatte Shapourzadeh nach einem Zweikampf mit RB-Torhüter Fabio Coltorti in der Nachspielzeit wegen groben Foulspiels vom Platz gestellt.

Was gibt es Besonderes? Der Name von Trainer Walpurgis fiel in den letzten Tagen öfter im Zusammenhang mit dem VfL. „Da ist nichts dran. An mich ist keiner herangetreten“, betont der Fußball-Lehrer. Walpurgis hatte erst vor Kurzem unterstrichen, dass er auf jeden Fall in der kommenden Saison in Lotte bleiben würde.

Wie wird Lotte spielen? Wegen des Ausfalls von Shapourzadeh wird wahrscheinlich Sofien Chahed in die Startelf rücken. Der lange verletzte Spielmacher löste in Leipzig Julian Büscher nach einer Stunde ab, verlieh dem Lotter Spiel aber keine Impulse. Vorne ist mit einem Einsatz von Aleksandar Kotuljac zu rechnen. Wir können uns folgende Formation vorstellen: Buchholz - Grieneisen, G. Nauber, Willers, Hohnstedt - Dan. Gataric, Chahed, Gorschlüter, Freiberger - Prokoph, Kotuljac.

Wie ist die Stimmung bei RB Leipzig? „In Lotte kann uns nur noch Arroganz oder Überheblichkeit stoppen“, sagt Stürmer Stefan Kutschke, der im Hinspiel per Elfmeter das 1:0 erzielt hatte. Die Sachsen werden am Samstagnachmittag anreisen und im Hotel Steigenberger Remarque in Osnabrück Quartier beziehen. Ein Training ist nicht geplant. Trainer Alexander Zorniger warnt: „Wir sollten nicht glauben, die Sache ist bereits gelaufen. Wir haben lediglich eine gute Ausgangsposition.“

Mit welcher Aufstellung ist bei Leipzig zu rechnen? Die Sachsen werden möglicherweise Torjäger Daniel Frahn aufbieten, der an einem Innenbandanriss laborierte. Im Hinspiel saß der Torjäger (20 Saisontreffer) 90 Minuten auf der Bank. RB könnte die Elf aus dem Hinspiel bringen: Coltorti - C. Müller, Hoheneder, F. Franke, Heidinger - Röttger, D. Kaiser, B. Schulz - Rockenbach da Silva - Kammlott, Kutschke.