Fanunmut vor DFB-Pokal-Hit Sportfreunde Lotte: „Treue der Förderer gehört belohnt“

Von Christian Detloff | 21.02.2017, 17:21 Uhr

Groß war die Aufregung vieler Fußballfans, als Drittligist Sportfreunde Lotte 28 Stunden vor dem angekündigten Start den freien Vorverkauf der Eintrittskarten für das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund absagte und das Duell für ausverkauft erklärte. Lottes Fußball-Obmann Manfred Wilke und Marketingchef Dieter Prütz äußerten sich zu den Hintergründen.

Massive Kritik hatte der Verein am Montagnachmittag geerntet. Viele Interessenten an einem Ticket, die sich teilweise die Zeit für eine Teilnahme am Vorverkauf erst freischaufeln mussten, fragten sich: An wen sind die Tickets gegangen? „Es ist bedauerlich, dass es anders gekommen ist als zunächst von uns mitgeteilt“, räumte Prütz nun ein.

Aus Sicherheitsgründen werden gegen den BVB weniger als 10000 Zuschauer im Frimo-Stadion zugelassen. Wilke rechnet vor: Die 600 Dauerkartenbesitzer haben jeweils drei Tickets erhalten. 1200 Karten haben die Lotter dem BVB zur Verfügung gestellt. Der DFB, seine Partner und die TV-Anstalten orderten rund 500 Karten.

„Viele verdiente Ehrenamtliche“

1000 Tickets hat die Drittliga-Mannschaft samt Funktionsstab erhalten, die die Viertelfinal-Teilnahme realisiert hat. Lotte hat die übrigen Fußballer des Vereins, Fanclubs und freiwilligen Helfer unter anderem bei der Schneeräumaktion vor dem Achtelfinale bei der Ticketvergabe mit 600 bis 700 Eintrittskarten berücksichtigt. 200 Medien-Akkreditierungen sind zudem bei den Sportfreunden eingegangen.

1000 Karten sind zudem laut Prütz an die Sponsoren und Interessenten an einer SFL-Förderung gegangen – in einer ersten Artikelversion waren nach unseren Recherchen von 4000 Tickets die Rede. „Wir haben viele Sponsoren, die den Verein schon in langen Regionalliga-Jahren treu unterstützt haben, als nicht abschätzbar war, dass wir die 3. Liga erreichen“, sagte Prütz: „Es ist normal, dass wir sie für ihr zuverlässiges Engagement belohnen und ihnen ihre Kartenwünsche erfüllen.“ Dazu kommen nach Angaben von Wilke 1100 verkaufte VIP-Tickets.

Wohin die übrigen rund 2000 Tickets gegangen sind? „Es gibt viele verdiente Ehrenamtliche bei uns, die mehr als eine Karte erhalten haben. Dazu kommen unter anderem Vereine der Umgebung, mit denen die Sportfreunde ein gutes Verhältnis führen“, sagt Wilke: „Noch genauer kann ich das erst demnächst aufschlüsseln. Wir haben hier derzeit sehr viel Arbeit, auch mit der Lizenzierung für die kommende Saison.“

Erfolgswelle ausnutzen

Unterdessen freut sich Prütz, dass es Firmen gäbe, die sagen: „Wenn ihr uns jetzt Tickets zur Verfügung stellt, dann steigen wir neu als Sponsor bei Euch ein.“ Die Erfolgswelle müsse ausgenutzt werden: „Ich traue unserer tollen Mannschaft zweifellos zu, dass sie lange so erfolgreich spielt wie jetzt. Aber im Fußball weiß man nie, ob der Hype im kommenden Jahr noch so riesig ist.“ Prütz rechnet damit, im Zuge der jüngsten Erfolge rund zehn neue Sponsoren zu gewinnen.

Der SFL-Vorsitzende Hans-Ulrich Saatkamp räumte ein, dass das positive Image des Vereins ein bisschen gelitten habe: „Es geht auch um den neutralen Zuschauer, der zu kurz kommt.“ Der Ältestenratsvorsitzende Horst Petersson findet es „auf der einen Seite ärgerlich, auf der anderen aber verständlich“, dass ein vielleicht größeres Kartenkontingent an die Sponsoren gegangen ist. „Das wird bei anderen Vereinen auch so gehandhabt. Bei uns passen nun mal nicht mehr als 10000 Zuschauer ins Stadion.“ Ideal, so Petersson, wäre gewesen, wenn alle treuen Fans eine Karte erhalten hätten. Davon geht Prütz aus: „Die Zuschauer, die bei normalen Spielen zu uns stehen, sind auch gegen Dortmund dabei. Alle anderen hatten die Chance, eine Rückrundendauerkarte zu ergattern und sich so ein Vorverkaufsrecht zu sichern.“

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