DFB-Pokal-Viertelfinale 2017 BVB-Trainer Tuchel warnt vor dem Duell in Lotte

Von Christian Detloff | 27.02.2017, 20:56 Uhr

Die Warnung vor dem Fußball-Drittligisten Sportfreunde Lotte, Gastgeber von Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Viertelfinale, war ernst und deutlich. Überraschendes brachte sie aber nicht zutage. „Ich erwarte einen aggressiven, emotionalen und auch mutigen Gegner, der nichts zu verlieren hat und die Sensation schaffen will“, sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel.

Gelöst und gut gelaunt war der Dortmunder Coach am späten Montagmittag den zehn Zeitungsjournalisten zur 13-minütigen Pressekonferenz auf dem Trainingsgelände an der Adi-Preißler-Straße entgegengetreten. Die positive Wirkung, die die starke Leistung seiner Mannschaft am vergangenen Wochenende beim SC Freiburg (3:0) auf das Gemüt des 43-Jährigen hatte, war deutlich zu spüren.

Die Phase des Findens und Zusammenwachsens seines vor Saisonstart stark veränderten und verjüngten Kaders, so Tuchel, habe sich auf einem hohen Niveau eingependelt. Die schwache Leistung vor gut zwei Wochen beim 1:2 gegen Darmstadt 98 habe sich als Ausnahme entpuppt. „Das Spiel gegen den SC Freiburg hat uns viel Selbstvertrauen gegeben. Die Einstellung war top. Ich finde, dass wir ausgestrahlt haben, dass wir Lust haben, diesen Weg so weiterzugehen.“

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Der nächste Schritt führt über Lotte. Ein Drittligist auf dem Papier, aber laut Tuchel mit der Leistungsstärke eines Zweitligisten. Und mit einem aufgeweichten Rasen, der in einer Journalistenfrage gar als Acker bezeichnet wurde. „Der Platz ist auf jeden Fall ein Nachteil für uns. Aber da sie nicht das Heimspielrecht tauschen und bei uns spielen wollten, müssen wir dort antreten“, sagte er schelmisch lächelnd.

Wichtig sei, sich von jedem Favoritendenken und von allen Äußerlichkeiten freizumachen. „Wir müssen es schaffen, komplett bei uns zu bleiben und uns komplett frei zu machen von allen äußeren Umständen. Der Platz ist so, wie er ist. Wir wollen es auf jeden Fall schaffen.“

Sein Team müsse akzeptieren, dass es sicherlich zu Stockfehlern und Fehlpässen kommen werde. „Du musst deine Passgeschwindigkeit an diesen Untergrund anpassen. Es wäre fatal zu sagen, wir versuchen das gleiche Spiel aufzuziehen wie bei uns im Stadion“, betont der Coach. Risikobehaftete Situationen gelte es zu meiden. Kick-and-rush-Fußball werde der BVB aber sicher nicht präsentieren.

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Tuchel erwartet ein enges, emotional aufgeladenes Stadion: „Die Kunst ist es, dieses ruhig zu bekommen mit Qualität.“ Zwar kenne er seinen Lotter Trainerkollegen Ismail Atalan nicht näher, aber die Pokalserie der Sportfreunde spreche für sich. Das Lotter Team habe sich in den Runden zuvor gegen Werder Bremen, Bayer Leverkusen und 1860 München verdient, seine Widersacher zu bezwingen. „Das nötigt unser aller Respekt ab. Es ist natürlich auch ein Verdienst meines Trainerkollegen und seines ganzen Stuffs.“ Diese Emotionalität und Hingabe in einer Mannschaft zu wecken sei Atalans großes Werk. Vor diesem Respekt zu haben sei für den BVB die Grundvoraussetzung, um den Widersacher ausschalten zu können.

Verzichten muss seine Borussia in Lotte auf Sokratis, der im Achtelfinale gegen Hertha BSC Berlin (3:2 im Elfmeterschießen) Gelb-Rot sah. Für den wichtigen Abwehrchef dürfte Matthias Ginter in die Dreierkette rücken. Darüber hinaus fehlen weiterhin Mario Götze, der wegen einer Stoffwechselerkrankung aus dem Training genommen wurde, Sven Bender und Sebastian Rode.

Zur möglichen Startelf wollte sich Tuchel nicht äußern. Also auch nicht dazu, ob Roman Weidenfeller – vor der Saison zum Pokal-Keeper erkoren – für den Stammtorwart Roman Bürki das Tor hütet: „Das könnte ich jetzt verraten, will es aber nicht.“ Im Achtelfinale hatte Bürki zwischen den Pfosten gestanden, um nach längerer Verletzungspause Spielpraxis zu gewinnen.

Am Dienstag bittet Tuchel um 11 Uhr zum Abschlusstraining. Danach geht es mit dem Bus zum Hotel Remarque nach Osnabrück, wo das Team ein Tagesquartier bezieht. „Eine gute Stunde Busfahrt direkt am Spieltag ist okay“, sagte Tuchel, der sich nach der Presserunde an die Vertiefung der Gegneranalyse und Ausarbeitung des Matchplans machte. Oder wie Tuchel es ausdrückte: „Ab jetzt geht es darum, nach konkreten Lösungen für das Spiel in Lotte zu suchen.“

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