Atalan: Für mich eine Katastrophe Lotte nur 3:3: Sieg im Siegerland sausen lassen

Von Benjamin Kraus | 11.05.2015, 19:06 Uhr

War doch ein munteres Torfestival – und dass beim biederen Tabellenvorletzten kein Sieg gelang, ist in der Endphase dieser Saison in der Fußball-Regionalliga ja nicht mehr wichtig. So könnte man an das 3:3 der Sportfreunde Lotte bei den Sportfreunden Siegen einen Haken setzen. Wer aber Ismail Atalan nach der Partie beobachtete, wusste, dass der SFL-Trainer ein ganz anderes Fazit ziehen würde.

„Ich bin sehr enttäuscht. Für mich als Trainer ist so ein Resultat eine Katastrophe“, verbarg Atalan seinen Frust nicht. Während nach dem Abpfiff die Lotter mit den Siegenern beim Rückweg in die Kabine abklatschten und die Gesichter aller Spieler eher gute Laune und weniger Niedergeschlagenheit vermittelten, zog sich der Trainer aus dem Gesprächspulk und ging allein auf dem nun leeren Feld umher. Wie einst Franz Beckenbauer in Rom – aber im Gegensatz zu 1990 war es für Atalan an diesem sonnigen Maitag im Jahr 2015 alles andere als ein Genuss- oder Triumphmarsch.

„Dreimal die Führung nicht über die Zeit gebracht – geht gar nicht“, sagte der ehrgeizige Coach. Seine spielerisch und technisch bessere Elf hatte gut begonnen und mit Pressing und zielgerichtetem Finalspiel Siegen unter Druck gesetzt. So fiel das 1:0 von Jesse Weißenfels nach gutem Einsatz von Nico Granatowski und Kopfballablage von Benedikt Koep, der zudem einen Foulelfmeter herausholte.

Es war die Phase, in der die Sportfreunde das Spiel hätten entscheiden müssen: Sie waren im Lauf, die Siegerländer dagegen wirkten in ihrer Körpersprache in den Zweikämpfen wie Verlierer. Doch Lotte baute sie auf: mit dem an den Pfosten gesetzten Strafstoß von Weißenfels und mit weiteren teils kläglich vergebenen Chancen. Symptomatisch wieder Weißenfels, der völlig frei mit Ball im Strafraum das Gleichgewicht verlor und im Stile von Jerome Boateng umfiel.

Nach dem Siegener Ausgleich durch Konstantin Möllering lief noch zweimal derselbe Film: Lotte ging schnell in Führung – erst mit Hansmanns Kopfball, dann durch Koeps gefühlvollen Lupfer – aber machte dann nie den Deckel drauf, sodass Siegen stets wieder ausglich. Deren Trainer Michael Boris war zufrieden mit dem Punkt, der für sein Team den vorletzten Platz sichert – was wegen der im Raum stehenden Lizenzentzüge für den KFC Uerdingen und Wattenscheid 09 reichen könnte für den Klassenerhalt. „Den Rest regelt der Verband. Ich appelliere hier an alle, für die nächste Saison einen höheren, konkurrenzfähigen Etat auf die Beine zu stellen und den Verein positiver zu begleiten. Eine Negativlaune wie zuletzt kenne ich hier nicht“, so der Ex-SFL-Trainer, der angesichts der Punktausbeute der Lotter unter allen Trainern in dieser Saison seine Einschätzung bestätigt sieht, dass der im Sommer rekrutierte Kader nicht reicht, um in dieser Liga ganz vorn mitzuspielen. „Ich habe beim Abgang in Lotte in der Emotion nur einen Fehler gemacht: mich nicht von den Spielern zu verabschieden“, so Boris.

„Am Ende hatten wir kein Mittelfeld mehr, keine Organisation. Das kann nicht sein bei Jungs, die den Anspruch haben, Regionalliga zu spielen“, hatte Atalan am Samstag noch gegrollt. Tags darauf aber relativierte er seine Kritik. „Wir hatten als Trainerteam ja schon die Devise ausgegeben, dem Pokalendspiel in Verl alles unterzuordnen.“

Deshalb hatte Atalan neben den gesperrten Bernd Rosinger und Pascal Schmidt auch die leicht angeschlagenen Alexander Langlitz und Jeron Al-Haizameh sowie Deniz Cicek nicht eingesetzt. Zum Sonntagstraining meldeten sich alle fit – bis auf Rosinger, der an einem Pferdekuss laboriert und auch für Donnerstag fraglich ist.

 Siegen: Poremba - Geisler , Schadeberg , Retterath , Bauman , Sekkour - Glowacz , Zeh , Keseroglu , Möllering - Ibrahimaj – Lotte: Dauth – Holm, Nauber, Rahn, Hansmann – Brock, Gorschlüter (64. Pires-Rodrigues), Wendel (67. Heyer) – Granatowski, Koep, Weissenfels (75. Batarilo-Cerdic). – Tore: 0:1 Weißenfels (11.), 1:1 Möllering (27.), 1:2 Hansmann (30.) 2:2 Arslan (67.), 2:3 Koep (72.), 3:3 Arslan (85.). – Zuschauer: 1094.