Reaktionen nach dem Abstieg Sportfreunde Lotte-Fans zwischen Hoffnung und Trauer

Kaum fassen konnten es die Lotte-Fans, als Würzburg den Ausgleich erzielte. Foto: Jörn MartensKaum fassen konnten es die Lotte-Fans, als Würzburg den Ausgleich erzielte. Foto: Jörn Martens

Lotte. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt war zwar gering, doch als der Abstieg endgültig feststand, konnten viele ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Bis zuletzt wurde gebangt, gehofft und gezittert. Am Ende reichte es nicht, was die Sportfreunde Lotte-Fans entsprechend bis ins Mark traf.

So wie der langjährige Fan und Stadion-Caterer Alexander Frontzek. Ihn überraschte der Abstieg aber eher nicht. „Wir haben die ganze Saison nicht überzeugt und vier Mannschaften erwischt es eben am Ende. Vielleicht tut uns das ganz gut, wenn wir in der vierten Liga noch einmal von vorne anfangen können. Der Abstieg kann auch eine Chance sein“, sagt er und weiß auch, woran es fehlte:

„Wir hatten zu wenig Qualität und insgesamt zu wenig Biss. Die letzten Prozente haben immer irgendwie gefehlt."

Für die kommende Saison erhofft er sich eine deutliche Steigerung. „Ich denke, dass wir wieder oben angreifen werden. Allerdings ist es eine schwierigere Regionalliga geworden. Man muss jetzt sehen, welche Spieler hier bleiben werden. Für mich ist Lotte seit jeher mein Herzensverein. Hoffentlich kommt jetzt wieder eine gewisse Aufbruchstimmung auf. Das täte allen sehr gut“.

Abstieg zeichnete sich ab

Für Michael Belde hatte sich der Abstieg ebenfalls schon abgezeichnet. „Natürlich hofft man bis zuletzt. Vor allem, wenn man diese verrückten Ergebnisse kürzlich in der Champions League gesehen hat, hofft man auch hier auf eine Überraschung. Nur ich habe mich über den Abstieg jetzt nicht so sehr geärgert, schließlich hätte mich alles andere auch überrascht“, so Lottes Anhänger, der auch über die Abstiegsregelung grübelte.

„Eigentlich ist es ja verrückt, dass die Drittligisten dem vierten Abstiegsplatz zugestimmt haben und man jetzt selbst davon betroffen ist. Ob alle die Lizenz für die neue Saison bekommen, muss man abwarten. Duisburg, Kaiserslautern oder Jena hatten da ja Probleme, nötige Gelder aufzutreiben."

Michaela Förster gefiel am Samstag vor allem die Stimmung, die besser war als in vielen Spielen zuvor. „Ich stand mit meinem Mann und den beiden Kindern auf der Osttribüne und mir hat die Stimmung gefallen. Das komplette Spiel über wurde gesungen und geklatscht. Man merkte, dass die Fans der Mannschaft damit helfen wollten, das unmögliche doch noch möglich zu machen. Klar, dass nach dem 1:2 wieder etwas Ruhe einkehrte. Aber woanders habe ich schon mal viel mehr Hass seitens der eigenen Anhänger erlebt, wenn ihre Mannschaft absteigt. Das war hier zum Glück nicht der Fall“, meint die 46-jährige, die sich künftig weniger Trainerwechsel als in der Vergangenheit wünscht. 

„Die Beständigkeit auf der Trainerposition ist ein Punkt, der mir am Herzen liegt. Auf der anderen Seite sieht man aber, dass andere Vereine auch handeln, wenn es mit dem Übungsleiter nicht klappt. Wichtig ist mir noch, wieder mehr Zugriff auf die eigenen Fans zu bekommen. Da war das Verhältnis aus den unterschiedlichsten Gründen ja zuletzt nicht so gut“.  

Schleichender Prozess

Michael Baumann kommt zu jedem Heimspiel extra aus Gronau angereist. Seit drei Jahren ist er regelmäßiger Besucher im Frimo-Stadion und hat den Aufstieg sowie tolle Spiele im DFB-Pokal miterlebt. Er war auch wenig überrascht vom Abrutschen in die vierte Liga. „Für mich war die 3.Liga schon vor dem Spiel abgeschlossen. Mir war klar, dass auch bei einem Sieg von uns es nicht reichen würde. Der Abstieg war ein schleichender Prozess von über drei Monaten. Mit tut das sehr weh, aber ich habe beschlossen, mir auch für die kommende Saison wieder eine Dauerkarte zu kaufen“. Baumann setzt nun auf eine gute Zukunft. „Ich hoffe, dass der Vorstand ein Konzept hat und wir in der Regionalliga wieder oben angreifen werden. Zudem wünsche ich mir, dass Trainer Ismail Atalan bleibt, weil er einfach der richtige Mann für uns ist“.

Foto: Jörn Martens

Die Gründe für den sportlichen Misserfolg meint Michael Baumann ebenfalls zu kennen. „Mit 31 Toren kann man einfach nicht in der 3.Liga bleiben. Das hat auch vorher noch keine Mannschaft geschafft. Zudem hatten wir viel Spiele, die wir noch in der Schlussphase verloren haben, was völlig unnötig war. Auch von den Schiedsrichtern sind wir teilweise sehr schlecht behandelt worden. Ich war selbst Schiedsrichter, daher kann ich mir diese Kritik erlauben. Am Ende ist aber klar: Wer am Saisonende unten steht, hat den Abstieg leider auch verdient“. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN