Straith nach 0:3-Niederlage restlos bedient SF-Lotte-Kapitän kritisiert: Viele Worte, aber keine echte Reaktion

Restlos bedient nach dem 0:3: Lottes Kapitän Adam Straith, Foto: imago images/KöpkeRestlos bedient nach dem 0:3: Lottes Kapitän Adam Straith, Foto: imago images/Köpke

Unterhaching. Der Kapitän der Sportfreunde Lotte war nach der 0:3-Niederlage im Duell beim direkten Konkurrenten Spvg. Unterhaching sichtlich traurig und bedient. "Diese Emotion ist normal, wenn man in solch einem wichtigen Spiel solch eine schwache Leistung abliefert", sagte Adam Straith nach dem 0:3 (0:1) des neuen Tabellen-Drittletzten am vorletzten Spieltag.

"Woche für Woche hatten wir doch immer wieder gesagt, dass wir alle Möglichkeiten haben und alles in unserer Hand liegt – auf dem Platz passierte dann aber leider nichts, was unsere Worte bestätigt hätte", führte Straith aus. "Mit diesen Leistungen in den vergangenen Wochen ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass jetzt halt nichts mehr allein in unserer eigenen Hand liegt." 

Nicht nur das Zweikampfverhalten sei einer Mannschaft unwürdig gewesen, die sich unbedingt im Abstiegskampf behaupten wolle. "Auch unsere Offensivleistung in den letzten Wochen kann ich mir einfach nicht erklären." Offenbar wolle kein Spieler unbedingt Tore schießen. "Dazu kommt unsere anhaltende Standardschwäche. 80 Prozent der Eckstöße kommen zu kurz - und wir bekommen es einfach nicht hin, dies entscheidend zu korrigieren."

Auch seinen Nebenmann in der Verteidigung, den zumeist so zuverlässigen Matthias Rahn, nahm Straith nicht von der Kritik aus. Rahn war nach 42 Minuten beim Stand von 0:1 nach einem harten Einsteigen in der gegnerischen Hälfte mit einer Roten Karte vom Platz geflogen. "Matthias weiß selbst, dass ihm das nicht passieren darf. Normalerweise sichern wir Innenverteidiger hinten ab. Ich weiß auch nicht, warum er es in dieser Situation nicht tat." Rahn wüsste selbst, dass er der Mannschaft mit der rund 50-minütigen Unterzahl einen Bärendienst erwiesen hätte. "Aber es ist jetzt nicht mehr die Zeit dafür, solche Sachen schönzureden. Das haben wir doch jetzt alle lange genug getan. Solche Fehler töten uns."

Im Gegensatz zum erfahrenen Rahn genießt Torwart Steve Kroll den Schutz des Kapitäns. Die ersten beiden Gegentreffer gingen auf die Kappe des Keepers. "Ich fange meine Kritik bestimmt nicht bei Steve an. Er hat uns in dieser Saison oft genug gerettet. Wenn er daraus lernt, hat er alles getan, was man von einem jungen Torwart erwarten darf."

"Wir können immer noch drinbleiben – aber dafür muss nun schon ganz schön viel passieren", weiß der Kanadier. Erste Voraussetzung sei, dass sich alle Spieler jetzt endlich bewusst werden, wie schwach sie in diesem für den Verein gravierend wichtigen Spiel aufgetreten seien. "Wir müssen alle ganz ehrlich in den Spiegel schauen. Natürlich gehe ich davon aus, dass wir nächste Woche im Heimspiel gegen Würzburg alle nochmal Vollgas geben und eine letzte Chance auf den Klassenerhalt suchen. Es hat sich ja aber nun längst gezeigt, dass dies offenbar leider leichter gesagt als getan ist." Womöglich kommen die ehrlichen Worte von Straith zu spät.

Auch Trainer Ismail Atalan redete nach dem 0:3 nichts schön. „Wenn eine Mannschaft in 37 Spielen nur 30 Tore schießt, fällt dies irgendwann auch mal den Spielern auf“, sagte der Coach und deutete damit an, dass die Mannschaft neben dem Mentalitäts- auch ein klares Qualitätsproblem habe. „Nach dem Gegentreffer zum 0:1 spielen auch das Selbstvertrauen und die Köpfe eine große Rolle. Zu zehnt wird es dann noch schwerer.“

Die Sportfreunde bekämen nun die Quittung für Transfers im vergangenen Sommer und Winter. In beiden vergangenen Spielzeiten hat der Kader die Sportfreunde jeweils klar an Qualität verloren – auch, aber bestimmt nicht nur eine Frage der finanziellen Grenzen. „Wenn man im Winter spiel- und offensivstarke Spieler wie Nico Neidhart oder Marcus Piossek gehen lässt, dann muss man sich als Verein nicht wundern. Das muss man ganz nüchtern betrachten. Wer keine Tore schießt, kann keine Spiele gewinnen“, so Atalan.

Als die Anfrage von den Sportfreunden kam, habe Atalan zu seinen Kindern gesagt, dass er die Aufgabe nicht übernehmen werde. „Kein Trainer hatte Lust, diesen Job zu übernehmen. Meine Kinder haben mir gesagt: Einer muss es doch machen. Ich wusste, dass es brutal schwer und ein Himmelfahrtskommando wird.“ Es wirkte so, als bereue Atalan zumindest ein Stück weit seine Rückkehr zu diesem späten Zeitpunkt der Saison in einer offenbar festgefahrenen Situation.

Abgeschrieben hat Atalan sein Team vor dem letzten Spiel am Samstag (13.30 Uhr) zuhause gegen die Würzburger Kickers aber nicht. „Ich bin so auf die Welt gekommen, dass ich nie aufgebe. Noch können wir aus dem Sarg aussteigen. Doch wir können nicht zaubern. Die Mannschaft muss über die entsprechende Einstellung kommen."


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