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Beinhartes Drittliga-Duell Eskalation in der Nachspielzeit beim 1:2 der Sportfreunde Lotte gegen Fortuna Köln


Lotte. Drecksspiel, zweikampfbetont, spielerisch dürftig – in diese Kategorie fiel die Partie der Sportfreunde Lotte gegen Fortuna Köln in der 3. Fußball-Liga. So wirkte es zu kitschig, dass ein Rückkehrer und ein frischgebackener Vater in der Nachspielzeit den Ausgleich für Lotte besorgten. Danach setzte Schiedsrichter Guido Winkmann noch eine spezielle Pointe.

 „Es macht am meisten Bock, ein Spiel so zu gewinnen“, sagte Fortuna-Trainer Tomasz Kaczmarek nach dem 2:1-Sieg seiner Elf – ein Statement, das recht viel verrät. Über zweikampfbetonten Krawallfußball bei Sturmböen und Starkregen auf tiefem Boden im Tecklenburger Land, über den Druck eines Coaches im Abstiegskampf sowie über dessen Fußballverständnis. Spannend war, dass Kaczmarek von einem verdienten Sieg sprach, während Sportfreunde-Coach Nils Drube meinte, dass wegen der Spielanteile ein Dreier für sein Team korrekt gewesen wäre.

Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte. Das 1:1, das Tim Wendel nach überstandener Leistenverletzung mit einer sehenswerten wie konsequenten Direktabnahme in der zweiten Minute der Nachspielzeit per Seitfallzieher erzielte, hätte am ehesten der – im Fußball viel zitierten wie letztlich nicht relevanten – Kategorie Gerechtigkeit entsprochen.

Drei Spieler im Krankenhaus

Denn Lotte hatte für einen Heimdreier spielerisch zu wenig überzeugt gegen ein Team, dessen Trainer Fußball im Frimo-Stadion „immer als Krieg“ bezeichnete. Damit zielte er auf die SFL-Zweikampfstärke – Köln setzte knallharte Konsequenz dagegen. Die Folge: Kaum Spielfluss, viele Behandlungspausen und mit den Kölnern Joel Abu Hanna (Leiste), Maik Kegel (Platzwunde) und dem Lotter Matthias Rahn, dem die ausgekugelte Schulter auf dem Feld eingerenkt wurde, drei Spieler nach Abpfiff im Krankenhaus.

Dass kampfbetontes Spiel Verschleiß nach sich zieht, war optisch sichtbar angesichts der Lotter Turban-Innenverteidigung, die Adam Straith neben dem schon zuvor gezeichneten Rahn nach einem beinharten Kopfballduell komplettierte. Nun zu behaupten, dass dies ein Grund war für die Schlafmützigkeit beim 0:1 – das erste Gegentor nach 577 Minuten –, wäre angesichts der vielen gewonnenen Duelle in der Defensive unfair. Dennoch bezeichnete Drube das 0:1 hinterher zu Recht als „verschenkt“, weil die Verteidiger einen von der Mittellinie geschlagenen Freistoß im eigenen Strafraum aufspringen ließen, bevor Hamdi Dahmani den Ball ins Tor stocherte.


Der einzige Treffer vor der turbulenten Nachspielzeit, in der dem Ausgleich ein umstrittener Handelfmeter für die Fortuna folgte. Michael Eberwein hatte einen 17-Meter-Freistoß nach Foul von Matthias Rahn scharf aufs Torwarteck gezogen und den Pfosten getroffen. Die meisten Fans gingen davon aus, dass Guido Winkmann das folgende klare Foul von Jules Reimerink an Kyere Mensah geahndet hatte – der Niederländer stand nach der Geburt seiner zweiten Tochter Stevie erstmals wieder auf dem Feld und hatte den Ausgleich per Flanke vorbereitet.

Winkmann ahndete aber ein potenzielles Handspiel von Jeron Al-Haizmeh in der Mauer: Ob Lottes Verteidiger den Ball mit dem Ellenbogen leicht touchierte, wie die Bewegtbild-Aufnahmen vermuten lassen, oder mit der Hüfte, wie er selbst sagte, bleibt unklar. Fakt ist, dass keine Absicht vorlag – und die Entscheidung in der fünften Minute der Nachspielzeit fragwürdig bleibt. Lotte rutscht ab auf Rang 13 und muss vor dem Auftritt beim Vorletzten Carl Zeiss Jena den Blick wieder nach unten richten.

Die Spieler-Reaktionen: "Er hat nur gesagt: Es war ein Handspiel"


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