Halbzeitbilanz SF Lotte Neues Trainerteam ordnet Chaos bei den Sportfreunden

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Eine ordentliche Hinrunde haben die Sportfreunde Lotte nach einem schlechten Start gespielt. Foto: imago/foto2pressEine ordentliche Hinrunde haben die Sportfreunde Lotte nach einem schlechten Start gespielt. Foto: imago/foto2press

Lotte. Nach der verkorksten Saison 2017/18 sollte in dieser Spielzeit bei Fußball-Drittligist Sportfreunde Lotte alles besser werden. Doch der Start mit Trainer Matthias Maucksch misslang und endete im puren Chaos. Mit Nachfolger Nils Drube kehrte Ruhe ein und der Erfolg zurück. Ergebnis: Platz 13.

Nachdem in der vergangenen Saison vier verschiedene Trainer auf der Bank gesessen hatten, erhofften sich die Sportfreunde mit Matthias Maucksch mehr Kontinuität auf diesem Posten. Jedoch war dieser Vorsatz nach dem vierten Spieltag und dem Aus im Westfalenpokal gegen den SV Rödinghausen (2:3) bereits passé. Vorne zu harmlos, hinten zu fahrlässig: Insgesamt wirkten die Sportfreunde zu Beginn der Saison konzeptlos.

Keinen Erfolg hatte Matthias Maucksch (rechts) in Lotte. Nach vier Spieltagen und dem Aus im Westfalenpokal musste der Fuballlehrer seinen Hut nehmen. Foto: Helmut Kemme

Neben dem sportlichen Tiefpunkt als Tabellenschlusslicht mit nur einem Zähler auf dem Punktekonto gab es darüber hinaus allem Anschein nach unüberbrückbare Differenzen zwischen Maucksch und der Mannschaft. Der Suspendierung von Maximilian Oesterhelweg, Alexander Langlitz, Tim Wendel und Nico Neidhart folgte ein Boykott. Ein Großteil des Team war nicht zum Training erschienen. Die turbulenten Tage am Lotter Kreuz gipfelten schließlich in der Entlassung von Maucksch.

Bienemann intermisweise, Drube übernimmt

Lottes Jugendkoordinator Klaus Bienemann übernahm gegen Halle (0:1) für ein Spiel, ehe Drube vor der Auswärtspartie gegen den Karlsruher SC übernahm. Prompt gewannen die Sportfreunde beim favorisierten KSC mit 3:1. Der 40-jährige Fußballlehrer hatte zwar nur wenig Zeit, seine Spieler auf dieses Duell vorzubereiten. Aber die Änderungen, die der neue SFL-Coach vornahm, trugen sofort Früchte. Er stellte mit Gerrit Wegkamp und Lars Dietz – zwei extrem wichtige Neuzugänge – direkt zwei Spieler auf, die erst kurz vor dem Ende des Transferfensters zur Mannschaft stießen. Das Team spielte befreit auf, setzte den Plan des Trainers um und gewann im Wildparkstadion.

Dass dieser Sieg kein Zufallsprodukt war, zeigte sich im Laufe der Hinrunde. Die Lotter Spieler bekamen von Drube und Co-Trainer Sven Hozjak klare Vorgaben, die sie umsetzten. Die Handschrift des Trainers ist klar und deutlich zu erkennen. Die Sportfreunde hielten auf dem Spielfeld die Abstände zu ihrem Gegner gering, eroberten den Ball durch geschicktes Pressing und schalteten blitzschnell in den Angriffsmodus um. Diese Spielweise sorgte dafür, dass die Drube-Elf von den darauffolgenden zehn Partien nur eine verloren (1:2 beim 1. FC Kaiserslautern).

Aus dem Keller führte Nils Drube die Sportfreunde Lotte. Foto: Manfred Mrugalla

„Wir hatten den Auftrag, Stabilität reinzubringen, der Mannschaft Sicherheit und einen strukturierten Plan zu geben“, sagte Drube. Das ist dem neuen Trainerteam gelungen. In der gesamten Hinrunde sowie im ersten Rückrundenspiel beim SV Meppen kassierte Lotte nie mehr als zwei Treffer pro Partie. Gemeinsam mit den Würzburgern Kickers liegen die Sportfreunde mit 25 Gegentoren in dieser Wertung auf Platz neun. 

Ein Blick auf die sogenannte „Drube-Tabelle“, die alle Spiele vom sechsten bis zum 20. Spieltag beinhaltet, verrät, dass die Sportfreunde den richtigen Weg eingeschlagen haben. Nur diese 15 Partien gerechnet, würde Lotte auf Rang sieben stehen. SFL hätte sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsrang, zum Relegationsplatz drei wären es sogar nur fünf Zähler. In Wirklichkeit sind die Sportfreunde auf einem guten 13. Tabellenplatz mit zwei Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone.

Hinten stabiler, vorne fehlt noch die Durchschlagskraft

Dass der Abstand nicht größer ist, liegt neben dem schlechten Start auch daran, dass Lotte hier und da schon seine Grenze aufgezeigt bekam. Das war zum Beispiel Anfang Dezember der Fall, als das Drube-Team eine verdiente 0:2-Auswärtsniederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden kassierte. Nicht nur dort, sondern auch in den Partien gegen die Spielvereinigung Unterhaching (0:0) und in Meppen wurde ein Problem deutlich: Offensiv fehlt den Sportfreunden einfach noch die Durchschlagskraft. In 20 Spielen erzielte Lotte nur 20 Tore und hat damit nach der SG Sonnenhof Großaspach (16 Tore, Platz 17) und gemeinsam mit Fortuna Köln (20 Tore, Platz 15) den zweitschlechtesten Angriff der gesamten 3. Liga. Hinzu kommt, dass Lotte gegen defensivstarke und tief stehende Gegner – wie zuletzt beim SVM – kaum in der Lage ist, überhaupt Torchancen zu kreieren. Drube beschrieb es nach dem Meppen-Spiel wie folgt: „Es ist nicht unsere Kerndisziplin in dieser Saison, 100-prozentige Torchancen herauszuspielen.“ Deswegen müssen die Sportfreunde im Januar vor allem im Offensivbereich nachbessern, um den Klassenerhalt so schnell wie möglich zu sichern.

Trotz allem können sich die Sportfreunde über eine ordentliche Hinserie freuen. Sie wollten im Winter in Schlagdistanz zum rettenden Ufer stehen. Das ist den Lottern gelungen, die sogar über dem Strich stehen. „Die Rückrunde wird brutal hart. Wenn wir es schaffen, vor dem letzten Spieltag den Klassenerhalt zu erreichen, dann haben wir sensationell gearbeitet“, sagt Drube.


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